Eine Milliarde für Mitbestimmung: Trumps Gaza-Rat als GeschäftsmodellEine Milliarde für Mitbestimmung: Trumps Gaza-Rat als Geschäftsmodell
Der Wiederaufbau Gazas wird zur Eintrittskarte. Wer dauerhaft mitreden will, soll zahlen. Viel zahlen. Eine Milliarde Dollar.
Die Regierung von Donald Trump verlangt von Staaten, die einen dauerhaften Sitz im neuen „Gaza Board of Peace“ anstreben, eine finanzielle Zusage von mindestens einer Milliarde Dollar. Das berichtet Bloomberg unter Berufung auf einen internen Entwurf der Satzung des Gremiums. Offiziell bestätigt wurde die Regel bislang nicht, widersprochen allerdings auch nicht.
Der geplante Rat soll für den Wiederaufbau des Gazastreifens zuständig sein und zugleich die Entwaffnung der Terrororganisation Hamas überwachen. Laut dem Entwurf gilt für reguläre Mitglieder eine Amtszeit von maximal drei Jahren. Staaten, die innerhalb des ersten Jahres eine Milliarde Dollar in bar einzahlen, sind von dieser Begrenzung ausgenommen. Ihr Sitz wäre faktisch dauerhaft.
Ein neues Gremium nach amerikanischen Regeln
Das „Gaza Board of Peace“ wird als internationale Organisation beschrieben, die Stabilität schaffen, funktionierende Verwaltung aufbauen und langfristigen Frieden sichern soll. Formal entsteht das Gremium erst, wenn mindestens drei Staaten der Charta zustimmen. Politisch ist die Richtung bereits vorgegeben.
Zum Kreis der Gründungsmitglieder zählen nach Angaben des Weißen Hauses unter anderem US Außenminister Marco Rubio, Trumps Sondergesandter Steve Witkoff, Jared Kushner sowie der frühere britische Premier Tony Blair. Mehr als 60 Staaten wurden eingeladen, sich zu beteiligen.
Diplomaten sprechen hinter vorgehaltener Hand von einer Art Mini-UN unter amerikanischer Führung. Der Unterschied liegt im Zugang. Einfluss erhält, wer bereit ist, erhebliche Summen bereitzustellen.
Internationale Reaktionen zwischen Interesse und Zurückhaltung
Mehrere Länder haben ihre Einladung öffentlich gemacht. Argentiniens Präsident Javier Milei nahm sie an und dankte Trump ausdrücklich. Auch Kanada wird genannt. Die Türkei bestätigte, dass Präsident Recep Tayyip Erdogan als mögliches Mitglied im Gespräch ist. Ägypten erklärte, man prüfe die Einladung an Präsident Abdel Fattah el-Sisi.
Die Milliardenschwelle verändert jedoch die Dynamik. Sie schafft ein Zwei-Klassen-System innerhalb eines Gremiums, das eigentlich Stabilität und Legitimität herstellen soll. Staaten mit geringeren finanziellen Möglichkeiten bleiben auf befristete Rollen beschränkt, selbst wenn sie regional stark betroffen sind.
Wiederaufbau oder Machtarchitektur
Die Frage ist nicht nur finanzieller Natur. Sie ist politisch. Wer zahlt, bestimmt mit. Trumps Ansatz folgt einer Logik, die er seit Jahren verfolgt: internationale Politik als Projekt, Einfluss als Investition, Mitbestimmung als Gegenleistung.
Gerade im Kontext von Gaza wirft das Fragen auf. Der Wiederaufbau eines zerstörten Gebiets und die Schaffung tragfähiger Verwaltung sollen Vertrauen schaffen. Ein Modell, das Einfluss an Zahlungsfähigkeit koppelt, riskiert jedoch, genau dieses Vertrauen zu untergraben.
Noch ist das Gremium nicht offiziell eingesetzt. Doch schon jetzt zeigt sich, wie die neue Ordnung aussehen soll. Weniger Konsens, mehr Kapital. Weniger Diplomatie, mehr Deal.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By The White House - https://www.flickr.com/photos/202101414@N05/55044420328/, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=181917476
Sonntag, 18 Januar 2026