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Trump stellt Europas Sicherheitsordnung infrage

Trump stellt Europas Sicherheitsordnung infrage


Während Donald Trump nach Davos unterwegs ist, geraten die Grundpfeiler der westlichen Sicherheitsarchitektur ins Wanken. Europa reagiert nervös, uneins und zunehmend auf sich selbst zurückgeworfen.

Trump stellt Europas Sicherheitsordnung infrage

Donald Trump wollte nach Davos fliegen, doch schon der Start geriet ins Stocken. Eine technische Panne zwang die Air Force One zur Umkehr nach Washington. Es ist eine Randnotiz, fast banal. Und doch passt sie symbolisch zu einem Tag, an dem deutlich wurde, wie brüchig das Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und Europa geworden ist. Denn während der amerikanische Präsident verspätet blieb, beschleunigte sich in Europa eine Debatte, die weit über Diplomatie hinausgeht. Es geht um Macht, Abhängigkeit und die Frage, ob Europa noch auf den Schutz der USA zählen kann.

Im Zentrum steht Trumps Ankündigung, die amerikanische Beteiligung an zentralen Strukturen der NATO zu reduzieren. Nicht abrupt, nicht spektakulär, sondern schrittweise, administrativ, fast leise. Rund 200 US Soldaten sollen nicht mehr ersetzt werden, wenn ihre Einsatzzeiten enden. Die Vereinigten Staaten ziehen sich aus Beratungsgruppen zurück, aus Kompetenzzentren, aus Bereichen wie maritimer Sicherheit, Energieversorgung und militärischer Ausbildung. Die Botschaft ist klar. Amerika bleibt formell Teil des Bündnisses, aber es zieht sich innerlich zurück.

Für Europa ist das ein Schock mit Ansage. Seit Jahren fordern amerikanische Präsidenten mehr Eigenverantwortung von den Europäern. Doch Trump meint es ernst. Er verknüpft Sicherheit mit Gegenleistung, Loyalität mit wirtschaftlichen Zugeständnissen. Wer sich ihm widersetzt, bekommt das zu spüren. Die Diskussion um Grönland hat das drastisch gezeigt. Trumps wiederholte Aussagen, die Insel müsse amerikanische Interessen berücksichtigen, haben in Dänemark und darüber hinaus Alarm ausgelöst. Die dänische Regierung schließt militärische Optionen nicht mehr kategorisch aus. Allein dieser Satz markiert einen historischen Bruch.

Die Reaktionen in Europa fallen unterschiedlich aus, doch sie eint ein wachsendes Unbehagen. Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, warnte vor einem gefährlichen Abwärtsstrudel zwischen Verbündeten. Handelskonflikte, Strafzölle und Sicherheitsfragen vermischten sich zu einer toxischen Mischung. Europa müsse eigene Machtinstrumente entwickeln, sagte sie. Nicht als Provokation, sondern als Notwendigkeit in einer Welt, die immer weniger Regeln kennt.

Besonders deutlich wird die Spaltung am Projekt einer von Trump initiierten sogenannten Friedensinitiative. Schweden erklärte offen, nicht teilnehmen zu wollen. Frankreich hatte bereits zuvor abgewunken, Großbritannien signalisiert Distanz. Die Gründe sind vielschichtig. Die Einbindung Russlands und Belarus, die Sorge um die Autorität der Vereinten Nationen, aber auch das Misstrauen gegenüber einem amerikanischen Präsidenten, der Institutionen nach persönlichem Ermessen formt.

Gleichzeitig gibt es auch andere Stimmen. Kosovo erklärte seine Bereitschaft, Teil dieser Initiative zu werden. Präsidentin Vjosa Osmani sprach von historischer Führung und enger Partnerschaft mit den USA. Diese Unterstützung zeigt, wie unterschiedlich die Wahrnehmung Trumps in Europa ist. Für kleinere Staaten an der Peripherie bleibt Washington ein unverzichtbarer Schutzfaktor. Für die großen Mächte wird es zunehmend zu einem unberechenbaren Partner.

Für Israel ist diese Entwicklung von zentraler Bedeutung. Die Stabilität Europas, die Handlungsfähigkeit der NATO und die Verlässlichkeit der USA wirken direkt auf den Nahen Osten. Ein Amerika, das sich aus multilateralen Strukturen zurückzieht, setzt stärker auf bilaterale Machtpolitik. Für Israel kann das kurzfristig Vorteile bringen, weil Entscheidungen schneller und eindeutiger ausfallen. Langfristig jedoch wächst die Unsicherheit. Ein geschwächtes Europa verliert Einfluss, während Gegner Israels neue Spielräume gewinnen.

Donald Trump wird in Davos sprechen, wenn auch verspätet. Seine Worte werden aufmerksam verfolgt werden, nicht nur von Wirtschaftsführern, sondern von Regierungen, Militärs und Strategen. Europa hört genau hin, weil es weiß, dass diese Präsidentschaft keine Übergangsphase ist. Sie ist ein Einschnitt. Und sie zwingt den Kontinent, sich selbst neu zu definieren.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: By The White House - https://www.flickr.com/photos/202101414@N05/55050402643/, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=182094972


Mittwoch, 21 Januar 2026

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