Antisemitismus im Klassenzimmer: Jüdische Lehrer in den USA berichten von Angst, Ausgrenzung und institutionellem Versagen

Antisemitismus im Klassenzimmer: Jüdische Lehrer in den USA berichten von Angst, Ausgrenzung und institutionellem Versagen


Was sich amerikanische Schulen auf die Fahnen schreiben, kollidiert brutal mit der Realität. Jüdische Lehrer berichten von offenem Judenhass, Schweigen der Verantwortlichen und Gewerkschaften, die wegsehen oder selbst Teil des Problems sind.

Antisemitismus im Klassenzimmer: Jüdische Lehrer in den USA berichten von Angst, Ausgrenzung und institutionellem Versagen

Was sich derzeit an amerikanischen Schulen abspielt, ist kein Randphänomen mehr. Es ist ein strukturelles Versagen. Eine landesweite Umfrage unter jüdischen Lehrerinnen und Lehrern an öffentlichen und nichtjüdischen Privatschulen zeigt ein erschreckendes Bild eines Bildungssystems, das vorgibt, Vielfalt zu schützen, während jüdische Pädagogen im Alltag zunehmend allein gelassen werden.

Mehr als 60 Prozent der befragten jüdischen Lehrkräfte gaben an, an ihrem Arbeitsplatz selbst Antisemitismus erlebt oder beobachtet zu haben. Nicht in sozialen Netzwerken, nicht auf der Straße, sondern dort, wo Kinder lernen sollen, was Respekt, Verantwortung und Demokratie bedeuten.

Die Zahlen sind eindeutig. Und sie sind beschämend.

Besonders schwer wiegt ein Befund, der das moralische Fundament vieler Bildungseinrichtungen erschüttert. Fast jede zweite betroffene Lehrkraft berichtete, dass antisemitische Vorfälle nicht von Schülern, sondern aus dem Umfeld der Lehrergewerkschaften kamen. Organisationen also, die eigentlich Schutzräume schaffen sollen, werden von jüdischen Pädagogen zunehmend als feindliches Terrain wahrgenommen.

Viele berichten von Sitzungen, in denen Israel pauschal dämonisiert wird. Von Resolutionen, die einseitig Schuldzuweisungen formulieren. Von Kolleginnen und Kollegen, die offen Parolen dulden, die Israel das Existenzrecht absprechen, während jüdische Lehrer schweigen, um ihre berufliche Zukunft nicht zu gefährden.

Antisemitismus tritt dabei nicht immer als offene Beleidigung auf. Oft ist er subtiler, aber nicht weniger zerstörerisch. Ausgrenzung aus Gremien. Abwertende Bemerkungen über „zionistische Narrative“. Das bewusste Ignorieren jüdischer Perspektiven, wenn über den Nahen Osten gesprochen wird. Der ständige Druck, sich politisch zu rechtfertigen, nur weil man Jude ist.

Besonders perfide ist der Umgang mit sogenannten Anti Bias Schulungen. Rund 65 Prozent der befragten Lehrkräfte mussten an verpflichtenden Programmen gegen Diskriminierung teilnehmen. Doch nur etwa 10 Prozent dieser Schulungen thematisierten überhaupt Antisemitismus.

Juden tauchen in diesen Programmen entweder gar nicht auf oder werden ausschließlich als Teil einer angeblich privilegierten Mehrheitsgesellschaft dargestellt. Historische Erfahrungen, religiöse Identität, Bedrohungslagen oder der weltweit wiedererstarkende Judenhass finden kaum Beachtung.

Das Ergebnis ist fatal. Antisemitismus wird aus dem Diskurs gedrängt, relativiert oder als politische Meinung getarnt. Wer ihn anspricht, gilt schnell als unbequem oder als jemand, der Debatten „instrumentalisiert“.

Eine jüdische Lehrerin beschreibt es so: Man soll Vielfalt schützen, aber nur solange Juden dabei nicht stören.

Hinzu kommt der massive Einfluss politischer Radikalisierung, der längst auch den Schulalltag erreicht hat. In mehreren Bundesstaaten berichten Lehrer davon, dass Schülerinnen und Schüler mit Parolen konfrontiert werden, die aus extremistischen Milieus stammen. Pro Hamas Inhalte, antisemitische Verschwörungsbilder, Vergleiche Israels mit dem Nationalsozialismus.

Nicht auf Schulhöfen am Rand der Gesellschaft, sondern in Klassenzimmern westlicher Demokratien.

In einzelnen Bundesstaaten wurde bereits dokumentiert, dass Unterrichtsmaterialien verbreitet wurden, die jüdische Geschichte verzerren oder Israel pauschal als koloniales Projekt darstellen. Lehrkräfte, die widersprechen, riskieren Konflikte mit Vorgesetzten oder Elterninitiativen.

Für jüdische Lehrer entsteht dadurch eine unerträgliche Situation. Sie sollen objektiv unterrichten, während ihre eigene Identität politisiert wird. Sie sollen Neutralität wahren, während ihnen gleichzeitig vermittelt wird, dass ihre Existenz als Jude mit einem politischen Makel behaftet sei.

Viele berichten von Angst. Angst, sichtbar zu sein. Angst, eine Kette mit Davidstern zu tragen. Angst, jüdische Feiertage zu erwähnen. Angst, ihre Kinder an derselben Schule anzumelden, an der sie unterrichten.

Das ist kein individuelles Problem. Es ist ein gesellschaftliches Warnsignal.

Wenn jüdische Lehrer in den Vereinigten Staaten beginnen, ihre Identität zu verbergen, dann ist nicht nur eine Minderheit betroffen. Dann versagt ein ganzes System, das sich selbst als moralische Instanz versteht.

Besonders bitter ist der Widerspruch zwischen öffentlicher Rhetorik und innerer Realität. Schulen sprechen von Inklusion, während Juden faktisch aus dem Schutzkonzept herausfallen. Gewerkschaften predigen Solidarität, während sie einseitige politische Positionen vertreten, die jüdische Mitglieder isolieren.

Der Judenhass kommt heute nicht mehr nur von Neonazis oder radikalen Randgruppen. Er kommt zunehmend im Gewand moralischer Überlegenheit. Als Aktivismus. Als vermeintlicher Humanismus. Als angebliche Kritik, die jede Grenze überschreitet.

Für Israel hat diese Entwicklung direkte Auswirkungen. Denn dort, wo jüdische Lehrer als Vertreter eines vermeintlich schuldigen Kollektivs behandelt werden, wird Israel nicht als Staat gesehen, sondern als Projektionsfläche. Der Hass auf Israel wird zur akzeptierten Form des Antisemitismus.

Das Klassenzimmer wird damit zum politischen Kampfraum.

Wer glaubt, dass dies ohne Folgen bleibt, täuscht sich. Kinder lernen sehr genau, wessen Leid zählt und wessen nicht. Wer schweigt, wenn Juden angegriffen werden, erzieht eine Generation, die Antisemitismus als Meinung akzeptiert.

Die Umfrage macht deutlich: Es geht nicht um Einzelfälle. Es geht um ein Klima, das sich verfestigt hat. Um Strukturen, die Judenhass dulden, solange er ideologisch korrekt verpackt ist.

Wenn Schulen diesen Weg weitergehen, verlieren sie jede moralische Glaubwürdigkeit.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild Pixabay


Freitag, 23 Januar 2026

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