Gezielter Terror vor jüdischem Museum: US-Anklage verschärft Vorwürfe gegen TodesschützenGezielter Terror vor jüdischem Museum: US-Anklage verschärft Vorwürfe gegen Todesschützen
Der Mann, der 2025 zwei Mitarbeiter der israelischen Botschaft in Washington erschoss, wird nun als ideologisch motivierter Terrorist verfolgt. Die Ermittler sprechen von kaltblütiger Planung, antisemitischem Hass und einem Angriff auf die jüdische Gemeinschaft insgesamt.
Die Bundesstaatsanwaltschaft in Washington D.C. hat die juristische Schlinge um den mutmaßlichen Attentäter Elias Rodriguez deutlich enger gezogen. Der 31-jährige Mann aus Chicago sieht sich seit dieser Woche mit einer erweiterten Anklageschrift konfrontiert. Statt der bisherigen Vorwürfe geht es nun um insgesamt 13 schwere Straftatbestände, darunter mehrere ausdrücklich als Terrorismus definierte Delikte. Die Justiz der Vereinigten Staaten macht damit unmissverständlich klar, dass der Angriff auf zwei junge Diplomaten vor dem Capital Jewish Museum kein gewöhnliches Gewaltverbrechen war, sondern ein politisch motivierter Mordanschlag.
Die Tat vom 21. Mai 2025 gehört zu den dunkelsten antisemitischen Gewalttaten der jüngeren amerikanischen Geschichte. An jenem Abend verließen Mitarbeiter der israelischen Botschaft eine Veranstaltung für junge Diplomaten in Washington. Vor dem Gebäude wartete Rodriguez bereits. Nach Überzeugung der Ermittler hatte er die Örtlichkeit zuvor ausgekundschaftet und seine Tat sorgfältig vorbereitet. Mit einer halbautomatischen Pistole eröffnete er aus nächster Nähe das Feuer. Rund 20 Schüsse gab er ab. Zwei Menschen starben, zwei weitere überlebten schwer verletzt.
Die Opfer waren der 30-jährige Deutsch-Israeli Yaron Lischinsky und die 26-jährige Amerikanerin Sarah Milgrim. Beide arbeiteten für die israelische Botschaft in den USA. Freunde beschreiben sie als engagierte, lebensfrohe junge Menschen, die sich kurz vor ihrer Verlobung befanden. Für ihre Familien endete an diesem Abend jede Zukunft. Ermittler fanden Videoaufnahmen, die zeigen, wie der Täter weiterfeuerte, selbst als die Opfer bereits am Boden lagen. Kalt, entschlossen und voller Hass.
Was die Anklage besonders erschüttert, ist die ideologische Dimension der Tat. Laut Gerichtsunterlagen rief Rodriguez während des Angriffs Parolen wie „Free Palestine“. Nachdem er in das Museum eindrang, präsentierte er eine Kuffiyeh und erklärte gegenüber Anwesenden, er habe es „für Palästina“ und „für Gaza“ getan. Beim Abführen durch die Polizei beschimpfte er Umstehende mit antisemitischen Beleidigungen und sprach von „Zionazi-Terror“. Wenig später veröffentlichte er ein Manifest, in dem er versuchte, den Mord moralisch zu rechtfertigen und andere zu ähnlichen Taten anzustacheln.
Genau dieser Hintergrund ist der Grund für die neuen Anklagepunkte. Bundesstaatsanwältin Jeanine Pirro erklärte, die erweiterten Vorwürfe spiegelten wider, dass es sich eindeutig um einen terroristischen Akt gehandelt habe. Vier der neuen Anklagen fallen unter das Strafrecht des District of Columbia und betreffen bewaffnete terroristische Handlungen. Hinzu kommt ein erschwerender bundesrechtlicher Faktor wegen „umfangreicher Planung und Vorsatz zur Begehung eines terroristischen Akts“. Mehrere der Punkte können mit lebenslanger Haft oder sogar mit der Todesstrafe geahndet werden.
Auch das FBI spricht offen von Terrorismus. Darren B. Cox, Leiter des FBI-Büros in Washington, machte deutlich, dass Rodriguez nicht nur zwei Menschen ermordet habe, sondern gezielt versucht habe, Angst in der jüdischen Gemeinschaft zu säen. Der Täter habe mit seinem Manifest bewusst ein Signal an Gleichgesinnte senden wollen. Für die Bundespolizei ist klar: Hier ging es nicht um einen emotionalen Ausbruch, sondern um eine ideologisch motivierte Gewalttat mit strategischem Ziel.
Die politische Dimension der Tat ist kaum zu übersehen. Israels Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, sagte bereits kurz nach dem Anschlag, die Opfer seien ermordet worden, weil sie sich für den Staat Israel eingesetzt hätten. FBI-Direktor Kash Patel sprach von einem Angriff auf die Grundwerte der Vereinigten Staaten. Der Anschlag richtete sich nicht nur gegen einzelne Personen, sondern gegen Juden als solche und gegen die Präsenz Israels in Amerika.
Für die jüdische Gemeinschaft in Washington bleibt der 21. Mai 2025 ein Trauma. Das Capital Jewish Museum war an jenem Abend ein Ort des Dialogs und der Begegnung. Genau dort schlug der Hass zu. Der Täter suchte sich seine Opfer gezielt aus, nicht wegen persönlicher Feindschaft, sondern wegen ihrer Identität. Das macht diesen Fall so besonders erschütternd.
Die Ermittler stellten am Tatort eine 9-Millimeter-Pistole sowie 21 Patronenhülsen sicher. Die Beweislage gilt als erdrückend. Neben Videoaufnahmen, Zeugenaussagen und dem veröffentlichten Manifest stützen sich die Ankläger auf umfangreiche digitale Spuren. Alles deutet darauf hin, dass Rodriguez lange vor dem Anschlag in radikalen Kreisen unterwegs war und sich zunehmend antisemitisch radikalisierte.
Nun steht ein Prozess bevor, der weit über den konkreten Fall hinausweist. Er wird zeigen, wie die Vereinigten Staaten mit antisemitischem Terror im eigenen Land umgehen. Die neuen Anklagen senden ein klares Signal: Wer Juden aus Hass angreift, greift die amerikanische Gesellschaft insgesamt an. Und er wird dafür die volle Härte des Gesetzes spüren.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By The White House - https://www.flickr.com/photos/202101414@N05/54556127449/, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=166388514
Freitag, 06 Februar 2026