US-Psychologen sprechen Juden Minderheitenstatus abUS-Psychologen sprechen Juden Minderheitenstatus ab
Eine einflussreiche Koalition erklärt, Juden seien „weiß“ und bräuchten keine eigene Vertretung. Die Entscheidung trifft eine Gemeinschaft, die gerade jetzt wieder offenen Hass erlebt, mitten ins Herz.
In den Vereinigten Staaten ist eine Entscheidung gefallen, die weit über einen berufspolitischen Streit hinausgeht und die Grundfrage berührt, wer Juden eigentlich sind und wer das Recht hat, darüber zu urteilen. Eine Koalition ethnischer Minderheitenpsychologen innerhalb der American Psychological Association hat sich offen dagegen ausgesprochen, jüdische Psychologen als eigenständige ethnische Gruppe anzuerkennen. Ihre Begründung ist ebenso schlicht wie verstörend. Juden seien überwiegend „weiß“ und deshalb nicht unterrepräsentiert. Was wie eine administrative Einschätzung formuliert wurde, offenbart in Wahrheit ein ideologisches Weltbild, das jüdische Geschichte verkürzt und jüdische Realität ignoriert.
Die betroffene Koalition vereint mehrere Verbände, darunter Organisationen schwarzer, asiatischer, arabischer und indigener Psychologen. Gemeinsam vertreten sie rund zweitausend Fachleute. Ihr Anspruch ist es, Minderheiten zu schützen und ihnen innerhalb der größten psychologischen Organisation der Welt eine Stimme zu geben. Doch ausgerechnet Juden, deren Geschichte von Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung geprägt ist, sollen nach Ansicht dieser Vertreter keinen eigenen Platz in dieser Struktur verdienen. Diese Entscheidung trifft eine Gemeinschaft, deren Identität sich nie allein auf Religion beschränkt hat, sondern immer auch Herkunft, Kultur und gemeinsames historisches Schicksal umfasst.
Die Behauptung, Juden seien einfach Teil einer weißen Mehrheit, widerspricht nicht nur der historischen Realität, sondern auch der Gegenwart. Antisemitismus richtet sich nicht gegen eine Glaubenspraxis allein, sondern gegen Juden als Volk. Juden werden angegriffen, bedroht und ausgegrenzt, unabhängig davon, ob sie religiös leben oder nicht. Diese Form der Feindseligkeit definiert Juden seit Jahrhunderten als Fremde, als Ziel, als Gegner. Gerade in den Vereinigten Staaten erleben jüdische Gemeinden seit Jahren einen dramatischen Anstieg antisemitischer Vorfälle. Synagogen werden angegriffen, Studenten bedroht, jüdische Fachleute ausgegrenzt. In diesem Moment zu erklären, Juden benötigten keine eigene Vertretung, sendet ein klares und erschütterndes Signal.
Besonders brisant ist der Zeitpunkt dieser Entscheidung. Die American Psychological Association steht bereits unter Druck wegen Berichten über antisemitische Vorfälle innerhalb ihrer eigenen Reihen. Jüdische Mitglieder berichteten von Anfeindungen, Ausgrenzung und offener Feindseligkeit, auch wegen ihrer Verbindung zu Israel. Eine frühere Führungsperson hatte Zionismus öffentlich als Krankheit bezeichnet und Israelis in entmenschlichender Weise diffamiert. Diese Vorfälle sind keine Randnotizen, sondern Ausdruck eines Klimas, das jüdische Identität zunehmend infrage stellt. Dass unter diesen Umständen eine Koalition erklärt, Juden seien keine schutzbedürftige Minderheit, verstärkt den Eindruck einer systematischen Verdrängung.
Die Folgen reichen weit über diese Organisation hinaus. Wenn Juden nicht mehr als eigenständige ethnische Gemeinschaft anerkannt werden, verlieren sie nicht nur institutionelle Vertretung, sondern auch gesellschaftliche Sichtbarkeit. Ihre Erfahrungen werden relativiert, ihre Perspektiven marginalisiert. Dies geschieht in einer Zeit, in der Israel weltweit delegitimiert wird und jüdische Identität zunehmend politisch angegriffen wird. Die Botschaft ist eindeutig. Juden werden nicht mehr als Minderheit betrachtet, sondern als Teil einer angeblichen Mehrheit, deren Schutz nicht mehr notwendig erscheint.
Diese Entwicklung ist nicht nur falsch, sie ist gefährlich. Sie verzerrt die Realität und untergräbt das Verständnis dafür, was Antisemitismus tatsächlich ist. Juden sind nicht deshalb Juden, weil andere sie als privilegiert einordnen. Sie sind ein Volk mit einer einzigartigen Geschichte, die von Überleben, Vertreibung und Rückkehr geprägt ist. Ihnen dieses Recht auf Selbstdefinition abzusprechen, ist mehr als eine akademische Entscheidung. Es ist ein politischer Akt mit tiefgreifenden Folgen.
Wer Juden heute ihre Identität abspricht, trägt dazu bei, ihre Erfahrungen unsichtbar zu machen. Und wer ihre Erfahrungen unsichtbar macht, erleichtert es denen, die sie angreifen.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Harrison Keely - Own work, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=137086005
Dienstag, 17 Februar 2026