Reinwaschen judenfeindlicher Taten: Von Holocaust bis Antisemitismus

Reinwaschen judenfeindlicher Taten:

Von Holocaust bis Antisemitismus


Eine regelmäßig vorkommende Verzerrung des Holocaust besteht nicht nur im Reinwaschen krimineller Taten, sondern auch in Versagen.

Von Dr. Manfred Gerstenfeld

Dieses Phänomen zu analysieren kann uns viel zu ähnlichen Erfahrungen in der zeitgenössischen Gesellschaft lehren. Die Ermordung von sechs Millionen Juden und andere, damit verbundene Verbrechen war so horrend, dass viele Staaten und Einzelpersonen heldenhaft versucht haben ihre Rolle bei diesen Ereignissen zu verfälschen.

Der Wunsch die Verantwortung zu bestreiten führte zu massiven Beschönigungen der Geschichte. Ein paar Beispiele dessen, was passierte, werden hier beschrieben. Das kommunistische Ostdeutschland trennte zwischen dem kriminellen Hitler-Regime und dem deutschen Volk. Es behauptete tatsächlich, dass die Massen, die für die Nazis stimmten und Hitler Beifall klatschten und sich dessen krimineller Taten und Absichten bewusst waren, seien unschuldig gewesen.[1]

In Westdeutschland wurde von vielen lange behauptet, dass die Massenmorde an Juden während des Holocaust nur von der SS und der SA verübt wurden. Es wurde ebenfalls behauptet, dass sie in vielen besetzten Ländern von Einheimischen unterstützt wurden. Zu bestreiten, dass die reguläre deutsche Armee, die Wehrmacht, an den Massenmorden nicht beteiligt gewesen sei, war hingegen falsch.

Es sollte nach dem Krieg vierzig Jahre dauern, bis eine vom Hamburger Institut für Sozialforschung zusammengestellte Ausstellung die Beteiligung der Wehrmacht an der aktiven Ermordung der Juden sowie an vielen anderen Verbrechen aufdeckte.[2] Martin Heidegger, ein deutscher Nazi, war vermutlich Europas führender Philosoph der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er machte die „Moderne“ für das deutsche Verbrechen des Holocaust verantwortlich.[3] Das war eine intellektuelle Weise die deutsche Verantwortung für die riesigen deutschen Verbrechen herunterzuspielen.

Ein Vorfall des Reinwaschens, der viel Öffentlichkeit erhielt, ist der Fall Kurt Waldheim, der von 1986 bis 1992 Präsident Österreichs war. Vor dem Krieg war Waldheim Mitglied eines SA-Reiterkorps. Er hatte zudem eine bedeutende Rolle in Militäreinheiten, die Kriegsverbrechen begingen, auch wenn er persönlich keine Kriegsverbrechen befahl oder beging. Im Verlauf der Jahre entwickelte er eine umfassende Strategie der Leugnung der ausschlaggebenden Fakten.

Auch während der Zeit des Holocaust hat es viel Reinwaschen von Taten gegeben, die nicht mit Verbrechen zusammenhängen. Ein wichtiges Beispiel betrifft den US-Präsident im Krieg, Franklin D. Roosevelt. Die Bibliothek zu seinem Gedenken in New York machte lange das Außenministerium für das Nichtstun der USA in der Zeit des Holocaust verantwortlich. Das war ein typischer Fall von Reinwaschung durch Ablenkung der Verantwortung auf andere.

Ein weiteres Beispiel extremen Reinwaschens, in das die USA verwickelt sind, gab es 1985. Der deutsche Bundeskanzler Helmut  Kohl lud US-Präsident Ronald Reagan ein den Militärfriedhof in Bitburg zu besuchen. Auf den ersten Blick schien es so, dass dort nur Soldaten und Offiziere der Wehrmacht beerdigt waren. Wie schon erwähnt, war die Wehrmacht an abscheulichen Massenmorden an Juden beteiligt. Der Besuch war damit ein Initialversuch des Reinwaschens. Kurz nach Ankündigung des Besuchs wurde bekannt, dass die Fakten weit schlimmer waren. Auf diesem Friedhof waren auch Waffen-SS-Mitglieder beerdigt.

In seinen Memoiren widmet Elie Wiesel der Affäre Bitburg ein ganzes Kapitel.[4] Er fasst das Wesen dieses Reinwaschungsprozesses zusammen: „Die deutsche Taktik war offensichtlich; die SS reinzuwaschen. Es ist der letzte Schritt in einem sorgfältig konzipierten Plan. Zunächst einmal rehabilitierte Deutschland die „zahme“, „unschuldige“ Wehrmacht. Und jetzt war, dank Kohl, die SS an der Reihe. Zu allererst die „Guten“. Und dann könnten die anderen an der Reihe sein. Und sobald die Tür einmal offen war, würden auch die Folterer und die Mörder aufgenommen.“[5]

Antijüidsche Hetzer vor dem Krieg brauchten Antisemitismus nicht reinzuwaschen. Hass zu schüren war innerhalb der Kultur vieler europäischer Länder eine akzeptierte Einstellung. Nach dem Holocaust war der klassische Antisemitismus nicht länger politisch korrekt. Das schuf die Notwendigkeit den Judenhass reinzuwaschen.

Für das Reinwaschen gab es viele Techniken. Sie sind im Verlauf der Zeit mehr oder weniger dieselben. Die Analyse, wie sie auf bedeutende, begangene Verbrechen angewendet werden, ermöglicht es die wesentlichen Punkte dieser Methode zu verstehen. Wir erleben dieselben Techniken heute in aktiver Verwendung. Ein Beispiel unter vielen sind die zahlreichen Versuche den manchmal extremen und alles andere als unbedeutenden Antisemitismus in der britischen Labour Party zu beschönigen.

Zur Verurteilung Israels durch viele westliche Länder gehört Reinwaschung. Die implizite Idee lautet hier: „Wir verurteilen euch, weil wir moralisch sind und weil ihr unmoralische Taten begeht.“ Untersucht man das, wird klar, dass die unmoralischen Taten, welche auch immer Israel begangen haben könnte, oft im Vergleich zu den Taten derer, die Israel verurteilen, unbedeutend sind.

Zu den Mitgliedern des UNO-Menschenrechtsrats gehören kriminelle Diktaturen. Dieses Gremium ist angeblich für die Förderung und den Schutz aller Menschenrechte weltweit zuständig. Fakt ist, dass die Mitglieder des Rats weithin von Ermittlungen zu Menschenrechtsverbrechen in ihren Ländern ausgenommen sind.

Reinwaschungstechniken sind so zahlreich, dass nur ein paar wenige hier angeführt werden können. Die aktuellen Statistiken zu antisemitischen Vorfällen in Deutschland werden enorm verzerrt. Die Vorfälle, bei denen die Täter unbekannt sind, werden der Rechten zugeschrieben. Es hat sogar verzerrte Studien gegeben, die behaupten, dass muslimische Migranten in Deutschland nichts zum Antisemitismus beitragen. Doch die Ergebnisse einer großen Studie jüdischer Wahrnehmungen von Antisemitismus in zwölf europäischen Ländern von 2018 durch die Agentur für Grundrechte zeigen, dass Muslime zu den führenden Tätern bei antisemitischen Vorfällen gehören.[6]

Es gibt sehr wenige Forschungsinstitutionen, die Antisemitismus angehen. Damit erhält ein scheinbar zweitrangiges Thema wie das Reinwaschen des Schürens von Hass in der Literatur zu Antisemitismus keine systematische Aufmerksamkeit, ganz zu schweigen von den allgemeinen Medien. Dieses Fehlen von Aufmerksamkeit macht es den Weißwäschern leicht ihre schmutzige Arbeit fortzusetzen.

[1] Thomas Haury: Current Anti-Semitism in East Germany. Post-Holocaust and AntiSemitism, 59, 1. August 2007.

[2] Reemtsma schließt die umstrittene Wehrmacht-Ausstellung. Die Welt, 5. November 1999.

[3] Clemens Heni: Secondary Anti-Semitism: From Hard-Core to Soft-Core Denial of the Shoah. Jewish Political Studies Review, Vol. 20, Nr. 3–4 (Herbst 2008)

[4] Elie Wiesel: And the Sea Is Never Full: Memoirs. 1969. New York (Alfred A. Knopf) 1999, S. 224–250.

[5] ebenda, S, 234.

[6] https://fra.europa.eu/en/publication/2018/2nd-survey-discrimination-hate-crime-against-jews

 

Heplev - Dr. Manfred Gerstenfeld war jahrelang Direktor des Jerusalem Centers for Political Defense (JCPD) und ist regelmäßiger Autor von Kommentaren und Analysen in der Jerusalem Post sowie beim israelischen Nachrichtensender Arutz Sheva.


Autor: Dr. Manfred Gerstenf
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Dienstag, 29 Januar 2019






Danke, Herr Dr. Gerstenfeld, Ihr Artikel ist Balsam auf meiner 78-jährigen Haut, doch ich möchte einen Vorschlag machen für ein Volksseelen-Heilmittel – „Eine familiäre Entnazifizierung“. Der von USA in Bayern 1945 eingesetzte amerikanische Demokratisierungs Professor Pollok sagte zu dem ebenfalls von USA eingesetzten Bayerischen Ministerpräsidenten Högner: „Herr Ministerpräsident bevor Sie neu beginnen müssen Sie die Verwaltung völlig neu aufbauen, denn diese war zum größten Teil schuld an den Verbrechen der Dritten Reiches.“ Högner nahm den Rat nicht an. Die Fachkenntnisse von Gewissenlosen war bei Högner gefragt. Das müssen sich jetzt alle, täglich dreimal in Erinnerung bringen und fragen, war ein Etappenhengst oder gar eine Herde derartiger brauner in der Familie? War einer, der über den lustigen Stellungswechsel 1943 jubilierte, in der Familie? Ja, solche brauchte man auch nach 1945. Da kann der Bubi auch noch Bürgermeister der Hauptstadt der Bewegung werden. Da braucht man keinen Arzt oder Apotheker fragen und auch nicht die SZ, da ist familiäre Gewissenserforschung angesagt, nur diese kann uns befreien. Weiter müssen Sie sich alle selbst fragen, war ein Kriegsgewinnler in meiner Familie? Das ist leicht festzustellen. Besaß die Familie vor 1933 dies und das, nach 1945 war der familiäre Besitz dies und jenes, da ist persönliche Ehrlichkeit gefragt, das Grundbuch hilft. Bitte rechnen Sie auch den Anstieg von Titel und gesellschaftlicher Würde und Ansehen mit zu dem Gewinn. Denn von Opa, Papa, Oma, Mama war das Höchste oft der ausgestreckte Arm und nicht der Geist, das ist traurig. Fotoalben der Familie helfen dabei. Und die guten kleinen Kinder können dann fragen und das Wissen in Sachen Familiengeschichte erweitern. Es muss sein, auch wenn es weh tut. Dagegen zeigt ein Gefreiter von der Ostfront, oder ein an Rachitis erkranktes Mitglied der Familie, die Nicht-NS-Parteinähe der Familie. Sollte über ein Familienmitglied ein Disziplinarverfahren ergangen sein oder gar Gefängnisstrafe, so ist das sehr positiv zu bewerten. Sollte aber ein Schriftsteller in der Familie sein, so sollte man bitte lesen, was da auf das Papier gebracht wurde. Eine familiäre Entnazifizierung tut Not in Deutschland, helfen Sie mit Deutschland ehrlicher zu machen. Durch diese familiäre Gewissenserforschung lernt man Nazis erkennen und hört auf über Nazis zu schreien. Besonders gefährlich ist eine plötzliche Besitzvergrößerung auch nach 1945 durch Persilscheinausstellung. Helft alle mit, dass diese dunkle Zeit wirklich von Anfang bis Ende aufgearbeitet wird. Lasst Licht in die Dunkelheit, schaut nicht über den Zaun, das Schreckliche ist sehr oft im eigenen Umfeld. Der silberne Leuchter, die schöne Vase, das tolle Besteck, der edle Schmuck das teure Bild, keiner will wissen woher sie stammen. Der Erwerber könnte ein Kreishauptmann aus der Familie gewesen sein dessen blutrünstige Taten keiner kennen will. Eine Filmempfehlung als Hilfe möchte ich Ihnen geben: „Die Wohnung“ von Arnon Goldfinger. Zweimal, dreimal anschauen, danke. https://www.youtube.com/watch?v=pUBHIj9mX1k Versuchen Sie bitte diese Anleitung gegen Nationalismus und Antisemitismus in dem deutschen Eichenblätterwald unterzubringen, danke.