Die Versäumnisse im Kampf gegen den IS

Die Versäumnisse im Kampf gegen den IS


Was ist gut gelaufen? Der IS wurde besiegt. Aber davon abgesehen gibt es mehr Fragen als Antworten.

Von Seth J. Frantzman, The Jerusalem Post

Beginnen wir mit der großen Zahl an IS-Unterstützern in Baghuz. Wie sind alle diese Menschen dahin gekommen? Wer sind sie? (…)

Unter den Ausländern befinden sich einige Opfer des IS. Die Gruppe war im Herbst 2017 dank eines zwielichtigen Deals in der Lage, Rakka zu evakuieren und Tausende seiner Mitglieder hierher zu bringen. Viele der westlichen IS-Mitglieder, die sich in zwischen 2014 und 2017 in Rakka entspannten, kamen nach Baghuz. Der IS hat auch einige seiner jesidischen Sklaven mitgebracht. Es handelt sich um Menschen, die während des versuchten Völkermords an der jesidischen Minderheit im Irak 2014 gekidnappt wurden. Es wurden einige jesidische Kinder gefunden, einige wurden wieder mit ihren Familien vereint.

Das ist einer der Fehler der Anti-IS-Koalition: Während die Länder Ressourcen aufwenden, um den IS zu bekämpfen, steuern sie kaum etwas bei, um den Opfern zu helfen. Übrig bleiben lokale Freiwillige, die versuchen, traumatisierten Kindern und anderen Opfern zu helfen, von denen einige horrenden sexuellen Missbrauch erlitten haben und andere einer Gehirnwäsche unterzogen worden waren.

Mangel herrscht auch an Investitionen in die Infrastruktur für die rund 46.000 Menschen, die in den vergangenen Wochen aus Baghuz geflüchtet sind. Das entspricht der Größe einer Kleinstadt, aber von den Horden an NGOs, die hier sein sollten, um sich um diese Leute zu kümmern, ist nichts zu sehen. Wie es scheint, gibt es kaum nennenswerte Versuche, die vielen vermuteten IS-Kriegsverbrecher zu identifizieren. Es wird nicht genügend getan, um die zu überwachen, die radikalisiert wurden. Viele dieser Menschen haben mehr als vier Jahre unter dem IS-Regime gelebt. Das bedeutet, dass sie ununterbrochen Radikalisierung ausgesetzt waren.

Die Niederlage des IS hinterlässt viele Probleme. Die Landschaft ist mit Massengräbern und Ruinen übersät. Rund 3.000 Jesiden werden vermisst, doch scheint es nur wenig Investitionen in den Wiederaufbau und kaum Bemühungen um die Suche nach den Opfern zu geben. In der Region Rakka wurde im vergangenen Monat ein Massengrab mit geschätzt rund 3.500 Menschen gefunden. Es bedarf Ressourcen, um die zu identifizieren, die dort verscharrt wurden. (…)

Die Heimatländer der ausländischen Kämpfer haben angedeutet, dass sie ihre Bürger nicht zurückhaben wollen. Aber sie sind dagegen, dass die [Syrischen Demokratischen Kräfte] SDF diese Menschen in den Irak transferieren, wo sie für ihre Verbrechen vor Gericht gestellt werden könnten, oder sie dem syrischen Regime zu übergeben. Sie wollen nicht, dass die SDF diese Leute entlassen. Aber sie wollen auch nicht dafür zahlen, dass sie in Ost-Syrien weiter inhaftiert bleiben. Das ist keine Lösung. (…)

Zwar gibt es einiges Gerede über ‚Stabilisierung‘, aber im Kampf um Baghuz scheint das Ziel nur in einem Sieg zu bestehen, ohne den Krieg insgesamt zu gewinnen, indem langfristige Lösungen gefunden und für Gerechtigkeit gesorgt würde. Es wird ein kosmetischer Sieg – und selbst im Moment dieses Sieges will sich ein Siegesgefühl nicht einstellen. Die IS-Mitglieder, die sich ergeben haben, scheinen durchaus fröhlich zu sein und den Eindruck zu haben, dass sie mit ihren Verbrechen davonkommen werden. Ihre Frauen äußern Unterstützung für den IS. Niemand bringt Reue zum Ausdruck und sie scheinen zu wissen, dass sie menschlich behandelt und dann entlassen werden. Es ist surreal, diese Leute Interview geben zu sehen, als ob sie Filmstars wären, sich in Zivilkleidern zu entspannen, und einen Komfort zu genießen, der einigen der lokalen Kämpfer versagt bleibt, von denen sie besiegt wurden. (…)

Während die letzten IS-Überbleibsel warten, was die Zukunft ihnen bringen wird, symbolisiert dieser Endkampf alles, was in diesem Krieg schiefgelaufen ist: den Mangel an Planung für die Zeit nach dem Krieg; zu viel Augenmerk auf sensationslüsterne Geschichten über westliche IS-Mitglieder; einen Mangel an Investitionen in die Hilfe für die Opfer und die Suche nach Gerechtigkeit – und nicht zuletzt das Fehlen der Sorge um die Alliierten vor Ort, die so viel geopfert haben, um diesen Gebieten Frieden zu bringen.

 

Übersetzt von MENA Watch -


Autor: MENA Watch
Bild Quelle:


Dienstag, 26 Februar 2019









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