Was die Israelboykott-Bewegung BDS nicht interessiert

Was die Israelboykott-Bewegung BDS nicht interessiert

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Mit Dr. Samer Haj-Yehia (49) ernennt Israels größtes Kreditinstitut, die Bank Leumi, erstmals einen Araber zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats.

 Was die Israelboykott-Bewegung BDS nicht interessiert

Von Stefan Frank

Dem Gremium gehört Haj-Yehia bereits seit 2014 an. Daneben sitzt er in etlichen anderen Aufsichtsräten, wie etwa dem des renommierten Hadassah-Krankenhauses in Jerusalem, dem des großen israelischen Konsumgüterkonzerns Strauss Group und in Israels staatlichem Hochschulrat.

Die Ernennung muss noch von Israels Bankenaufsichtsbehörde genehmigt werden, heißt es auf der Website der Bank Leumi. Dann wird Haj-Yehia am 21. Juli Nachfolger des bisherigen Aufsichtsratsvorsitzenden David Brodet, der nach neun Jahren auf diesem Posten in den Ruhestand geht. Zumindest für eine Übergangszeit wird Haj-Yehia dann die wichtigste Stimme bei der Bank Leumi sein, da die bisherige CEO (ein Posten, der ungefähr mit dem des Vorstandsvorsitzenden in Deutschland vergleichbar ist), Rakefet Russak-Aminoach, kürzlich ihren Rückzug angekündigt hat. Haj-Yehia wird somit maßgeblich darüber entscheiden, wer Nachfolger von Russak-Aminoach an der Spitze von Israels größter Bank werden wird.

Haj-Yehia ist Jurist, Volkswirtschaftler, Betriebswirtschaftler und staatlich geprüfter öffentlicher Buchhalter. Er hat an Eliteuniversitäten wie dem MIT in Boston, Harvard, der Hebräischen Universität Jerusalem und dem Interdisziplinären Zentrum in Herzliya/Israel Wirtschaftswissenschaften gelehrt und an unterschiedlichen Positionen in der amerikanischen Finanzbranche gearbeitet, u.a. als Vizepräsident für Financial Engineering bei der weltgrößten Investmentfondsgesellschaft Fidelity. Die zahlreichen akademischen Abschlüsse und Titel, die Haj-Yehia erworben hat, kann man auf der Website der Bank Leumi nachlesen.

Haj-Yehia „macht Geschichte“, schreibt die Jerusalem Post. Die Ernennung eines Arabers zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Bank Leumi sei „nicht weniger als ein Wunder“, kommentiert Haaretz.

Die Jerusalem Post zitiert in ihrem Beitrag einige der vielen Gratulationen, die Haj-Yahia u.a. über die sozialen Netzwerke im Internet erhalten hat: „Eine weitere gläserne Decke ist zerbrochen“, so Isaac Herzog, der frühere Vorsitzende der israelischen Arbeitspartei, „er ist unglaublich talentiert, weltweit bekannt. Ich hatte das Privileg, sein Mentor zu sein, als er seine Juristenkarriere begann, und zuzusehen, wie seine Karriere aufblühte. Ich habe alle Zuversicht, dass er erfolgreich sein wird.“ Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schrieb: „Ich begrüße die Ernennung von Dr. Samer Haj Yehia zum Aufsichtsratvorsitzenden der Bank Leumi und wünsche ihm großen Erfolg auf seiner Position!“ Andere wiesen darauf hin, dass die Ernennung eines Arabers nicht zu dem von Israels Feinden oft verbreiteten Vorwurf der „Apartheid“ passt: „Wie viele schwarze Südafrikaner hatten im Südafrika während der Apartheid ähnliche Positionen?“, so Maurice Hirsch, Jurist bei der Medienbeobachtungsgruppe Palestinian Media Watch.

Haaretz macht in seinem Bericht aber auch darauf aufmerksam, dass der Fall von Haj-Yahia keineswegs typisch sei für die beruflichen Karrieren arabischer Israelis: „Arabische Israelis sind bereit, in die israelische Wirtschaft in ihrer Breite einzusteigen, doch es ist überhaupt nicht klar, dass der Rest Israels sie willkommen heißen wird.“

Traditionell entscheiden sich die meisten arabischen Israelis mit Hochschulabschluss für Karrieren in den Bereichen Medizin und Jura und dem als sicher geltenden Lehrerberuf. Zudem ist die Zahl derer, die eine Hochschule besuchen, geringer als im Landesdurchschnitt, und die jährliche Studie der OECD kam 2018 zu dem Ergebnis, dass die PISA-Ergebnisse der arabischen Schüler immer noch schlechter sind als die von Israelis. Allerdings ist der Bildungsstand arabischer Schulkinder höher als der von Gleichaltrigen aus strengreligiösen (Haredi) jüdischen Familien – die können laut der OECD an dem PISA-Test gar nicht teilnehmen, weil der abgefragte Stoff in ihren Schulen nicht gelehrt wird. Die OECD empfiehlt der israelischen Regierung weitere Investitionen in den Bildungsbereich und mehr Sprachförderung: „Seit dem Schuljahr 2016/17 wurde der Hebräischunterricht für arabische Schüler in der dritten bis neunten Klasse von vier auf fünf Stunden pro Woche erhöht. In einem Pilotprojekt wird an 120 arabischen Kindergärten zwei Stunden Hebräisch pro Woche gelehrt.“ Die OECD rät, „den Hebräischunterricht an arabischen Schulen stärker auszuweiten“.

Laut einer Studie der Universität Tel Aviv und der Bank of Israel gibt es an Israels arabischen Schulen im Schnitt weniger Lehrer und somit größere Klassen, was ebenfalls den Bildungserfolg beeinträchtigt. Am 30. Dezember 2015 beschloss die israelische Regierung darum einen Fünfjahresplan mit einem Budget von 15 Milliarden Schekel (ca. drei Milliarden Euro), um die wirtschaftliche Kluft zwischen jüdischen und arabischen Israelis zu verringern. Zu dem Programm gehören der Bau weiterer Schulen, die Ausbildung und Einstellung von mehr Lehrern, die Errichtung von beruflichen Bildungszentren (mit besonderer Berücksichtigung arabischer Frauen) und eine allgemeine Verbesserung der Infrastruktur in arabischen Gemeinden.

Die Zahl der arabischen Israelis, die technische und ingenieurswissenschaftliche Studiengänge absolvieren und in Israels boomender Hightechbranche arbeiten, steigt. Israels größte arabische Stadt Nazareth wird von manchen bereits als „Silicon Wadi“ bezeichnet Doch das ist nicht typisch für die arabisch-israelische Bevölkerungsgruppe in ihrer Breite. Laut einem Bericht des israelischen Taub Center for Social Policy ist zwar die Beschäftigung unter arabisch-israelischen Frauen stark gestiegen und hat sich seit 2003 fast verdoppelt – auf nunmehr 40 Prozent, womit das 2015 im Fünf-Jahres-Plan gesetzte Ziel der Regierung für 2020 (41 Prozent) bereits fast erreich ist; unter arabisch-israelischen Männern hätten sich Ausbildung und Beschäftigungsmöglichkeiten in den letzten Jahren hingegen nur wenig verbessert: „Das Ausbildungsniveau arabisch-israelischer Männer ist nicht so stark gestiegen wie das von arabisch-israelischen Frauen, und der Anstieg bei ihrer Beschäftigung ist relativ niedrig. Das niedrige Bildungsniveau wirkt sich auch auf die Beschäftigungsmöglichkeiten für arabisch-israelische Männer aus, von denen 50 Prozent (Stand 2017) in Berufen tätig sind, die von niedrigen Löhnen geprägt sind: produzierendes Gewerbe, Bauwirtschaft und Landwirtschaft.“

Traditionell entscheiden sich die meisten arabischen Israelis mit Hochschulabschluss für Karrieren in den Bereichen Medizin und Jura und dem als sicher geltenden Lehrerberuf. Zudem ist die Zahl derer, die eine Hochschule besuchen, geringer als im Landesdurchschnitt, und die jährliche Studie der OECD kam 2018 zu dem Ergebnis, dass die PISA-Ergebnisse der arabischen Schüler immer noch schlechter sind als die von Israelis. Allerdings ist der Bildungsstand arabischer Schulkinder höher als der von Gleichaltrigen aus strengreligiösen (Haredi) jüdischen Familien – die können laut der OECD an dem PISA-Test gar nicht teilnehmen, weil der abgefragte Stoff in ihren Schulen nicht gelehrt wird. Die OECD empfiehlt der israelischen Regierung weitere Investitionen in den Bildungsbereich und mehr Sprachförderung: „Seit dem Schuljahr 2016/17 wurde der Hebräischunterricht für arabische Schüler in der dritten bis neunten Klasse von vier auf fünf Stunden pro Woche erhöht. In einem Pilotprojekt wird an 120 arabischen Kindergärten zwei Stunden Hebräisch pro Woche gelehrt.“ Die OECD rät, „den Hebräischunterricht an arabischen Schulen stärker auszuweiten“.

Laut einer Studie der Universität Tel Aviv und der Bank of Israel gibt es an Israels arabischen Schulen im Schnitt weniger Lehrer und somit größere Klassen, was ebenfalls den Bildungserfolg beeinträchtigt. Am 30. Dezember 2015 beschloss die israelische Regierung darum einen Fünfjahresplan mit einem Budget von 15 Milliarden Schekel (ca. drei Milliarden Euro), um die wirtschaftliche Kluft zwischen jüdischen und arabischen Israelis zu verringern. Zu dem Programm gehören der Bau weiterer Schulen, die Ausbildung und Einstellung von mehr Lehrern, die Errichtung von beruflichen Bildungszentren (mit besonderer Berücksichtigung arabischer Frauen) und eine allgemeine Verbesserung der Infrastruktur in arabischen Gemeinden.

Die Zahl der arabischen Israelis, die technische und ingenieurswissenschaftliche Studiengänge absolvieren und in Israels boomender Hightechbranche arbeiten, steigt. Israels größte arabische Stadt Nazareth wird von manchen bereits als „Silicon Wadi“ bezeichnet Doch das ist nicht typisch für die arabisch-israelische Bevölkerungsgruppe in ihrer Breite. Laut einem Bericht des israelischen Taub Center for Social Policy ist zwar die Beschäftigung unter arabisch-israelischen Frauen stark gestiegen und hat sich seit 2003 fast verdoppelt – auf nunmehr 40 Prozent, womit das 2015 im Fünf-Jahres-Plan gesetzte Ziel der Regierung für 2020 (41 Prozent) bereits fast erreich ist; unter arabisch-israelischen Männern hätten sich Ausbildung und Beschäftigungsmöglichkeiten in den letzten Jahren hingegen nur wenig verbessert: „Das Ausbildungsniveau arabisch-israelischer Männer ist nicht so stark gestiegen wie das von arabisch-israelischen Frauen, und der Anstieg bei ihrer Beschäftigung ist relativ niedrig. Das niedrige Bildungsniveau wirkt sich auch auf die Beschäftigungsmöglichkeiten für arabisch-israelische Männer aus, von denen 50 Prozent (Stand 2017) in Berufen tätig sind, die von niedrigen Löhnen geprägt sind: produzierendes Gewerbe, Bauwirtschaft und Landwirtschaft.“

 

MENA Watch


Autor: Stefan Frank
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Donnerstag, 11 Juli 2019







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