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Raw Frand zu Parschat Pinchas: Die Gefahr bei Kontinuität: Ich war schon dort …, habe dies schon getan …

Raw Frand zu Parschat Pinchas:

Die Gefahr bei Kontinuität: Ich war schon dort …, habe dies schon getan …


An diesem Shabbat lesen wir die Parascha Pinchas aus der Torah. Raw Frand erlutert Aspekte dieser Parascha und ihrer Bedeutung. Heute lesen Sie den zweiten Kommentar.

Parschat Pinchas enthält eine lange Liste von Opfern, die bei verschiedenen Gelegenheiten dargebracht werden. Das erste Opfer, das die Tora bespricht, ist das Korban Tamid - das tägliche Opfer. Wenn das Bet HaMikdasch (Tempel) steht, gibt es ein biblisches Gebot, jeden Tag ein Tamid - Opfer zu bringen: "Ein Lamm soll am Morgen dargebracht werden und das zweite Lamm soll gegen Abend gebracht werden" [Bamidbar 28:04]. Dieses Opfer wurde an jedem Tag des Jahres dargebracht, sogar am Schabbat und Jom Kippur.

Es gibt etwas Schönes an Kontinuität. Doch Kontinuität hat auch seinen grossen Nachteil. Dieser Nachteil wird durch einen unpassenden Passuk in der Mitte des Kapitels über die täglichen Opfer angedeutet. Ohne ersichtlichen Grund, fügt die Tora einen Passuk in der Mitte der Beschreibung des Korban Tamid hinzu: "Wie das tägliche Ganzopfer, das am Berg Sinai dargebracht wurde, ein Feueropfer von lieblichem Geruch, Haschem zu Ehren [Bamidbar 28:6]."

Was hat das Olah (Ganzopfer), das am Berg Sinai gebracht wurde mit diesem Abschnitt über das tägliche Opfer zu tun? Was am Berg geschehen ist, ist Vergangenheit! Warum wird dies in der Mitte des Abschnittes über das Korban Tamid erwähnt?

Im Sifri und im Talmud [Chagiga 6a/b], stören sich die Tana’im an dieser Frage, "Was lehrt uns dieser Passuk?" Eine Meinung besagt, es lehrt, dass das Olah am Berg Sinai auch begleitende Gussopfer brauchte; eine andere sagt, dass sie kein Olah am Berg Sinai darbrachten, dass dies erst später begann und nur die Gesetze des Korban Tamid am Berg erläutert wurden. Sie alle stören sich an diesen Passuk hier.

Raw Josef Salant sagt, obwohl die Gelehrten des Talmuds sich über eine halachische Frage streiten, gibt es auch einen sehr wichtigen haschkafischen (Haschkafa=Jüd. Philosophie/Weltanschauung) Punkt, den wir aus dem Vorhandensein dieses Passuks lernen. Dieser haschkafische Punkt bezieht sich auf diese Gefahr der Kontinuität.

Wenn etwas Tag nach Tag getan wird, so schön es auch sein mag, so wird es schliesslich automatisch gemacht. Es wird fad. Man tut es roboterhaft, ohne nachzudenken.

An einem gewöhnlichen Tag, kommen wir vielleicht zu spät zu Schacharit, legen schnell unsere Tefillin in der Zeit zwischen Jischtabach und Borechu (zwischen zwei Gebetsabschnitten) und haben noch Zeit, beim Kaddisch "Jehej Schemej Rabba ´zu antworten. So lange nimmt es uns, Tefillin zu legen!

Doch ein Mensch muss nur den Nachat (Genuss) haben, einen Sohn zu sehen wie er zum ersten Mal Tefillin legt, um sich an etwas ganz anderes zu erinnern. Schauen wir einem Bar Mizwa Jungen zu, so sehen wir wie er Tefillin legt, sicher stellt, dass sie gerade sind und dafür sorgt, dass sie fest genug sind und dass jeder Gurt in Ordnung ist. Was ist der Unterschied? Der Unterschied ist, dass wir vielleicht schon vierzig Jahre Tefillin legen. Einerseits ist dies wunderbar - es ist ´Tamid". Wir können zurückblicken und sagen, wir haben nie einen Tag ausgelassen! Doch dieses Tamid wird ein ´alter Hut´ und manchmal fehlt dann die wahre Bedeutung der Mizwa und die Begeisterung dazu. Dies ist die Stolperfalle des Tamid.

Deshalb fügt die Tora den Passuk: "Wie das tägliche Ganzopfer, das am Berg Sinai dargebracht wurde, ein Feueropfer von lieblichem Geruch, Haschem zu Ehren", in der Mitte der Parscha des Korban Tamid ein, das für alle Generationen gilt.

Erinnere dich an das erste Tamid! Erinnere dich, dass das Tamid auf dem Har Sinai mit großer Begeisterung, Neuheit und Aufregung dargebracht wurde. Erinnere dich daran! Es sollte immer ein wenig von diesem Tamid in jedem Tamid stecken, das jeden einzelnen Tag dargebracht wird.

So sollte es mit unseren Tefillin und mit unserer Keriat Schema und mit unserer Schmone Esre (Tefilat Amidah) sein. Wir können nicht den ganzen Vorteil der Kontinuität verlieren, indem wir eben diesen Vorteil zu unserem Fallstrick werden lassen.

Dawid HaMelech (König Dawid) sagt in Tehillim, "Eine Sache wünsche ich von Haschem, das erbitte ich; im Haus von Haschem zu wohnen alle Tage meines Lebens,… und ihn in Seinem Palast zu besuchen" [Psalm 27:4] Die Kommentatoren fragen hier alle, was Dawid HaMelech sagt. Zuerst bittet er darum sein ganzes Leben in Haschems Haus zu wohnen, und dann wünscht er, ein Besucher zu sein? Was will er nun - ein Bewohner oder Besucher sein? Ist er ein "Schiwti beWejt HaSchem" oder möchte er ein "Lewaker beHechalo" sein?

Dawids Wunsch ist es, beides zu haben. Er will derjenige sein, der jeden Tag im Hause G’ttes wohnt, doch er will auch das Gefühl haben, als sei er nur ein Besucher. Er will, dass es sich immer speziell und neu anfühlt.

Dies ist eine schwierige Bitte, da diese beiden Eigenschaften sich fast immer gegenseitig ausschließen. Wenn man ´Tamid´ (Beständigkeit) hat, hat man keinen ´Chiddusch" (fehlt die Erneuerung) und wenn man ´Chiddusch´ hat, so hat man keinen ´Tamid".

Aber das ist das Ziel und das ist auch die Lektion des Korban Tamid. Es muss sein "eines jeden Morgen und eines jeden Abend", doch es muss auch sein "wie das erste, das jemals dargebracht wurde am Berg Sinai."

 

Rav Frand, Copyright © 2011 by Rav Frand und Project Genesis, Inc und Verein Lema´an Achai / Jüfo-Zentrum.


Autor: Raw Frand
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Samstag, 27 Juli 2019









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