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Antisemitismus-Bericht der UNO: Erreichtes und Unzulänglichkeiten

Antisemitismus-Bericht der UNO:

Erreichtes und Unzulänglichkeiten


Nahezulegen, die Vereinten Nationen ein notorischer Hetzer gegen Israel knnten einen wertvollen Bericht ber globalen Antisemitismus anzufertigen, schien weit hergeholt.

Von Dr. Manfred Gerstenfeld

Es ist aber genau das, was der Sonderberichterstatter für Religions- und Glaubensfreiheit Ahmed Shaheed gemacht hat.[1] [2] Ebenfalls bemerkenswert ist, dass der Autor aus dem Inselstaat Malediven stammt, einem muslimischen Land. Er lebt seit 2012 im Exil.

Der beispiellose Bericht – offiziell immer noch eine „fortgeschrittene, nicht redigierte Version“ – wurde von Israels UNO-Botschafter Danny Danon und mehreren jüdischen Organisationen positiv aufgenommen.[3] Dennoch ist eine ausgewogene Haltung vonnöten. Man sollte das Gute loben und erwähnen, was in dem Bericht fehlt.

Zu den Verdiensten: Der Bericht erwähnt, dass Antisemitismus global ist und er deckt antisemitische Sprachbilder auf. Er erklärt, dass zu denen, die Hass auf Juden verbreiten, weiße Rassisten, Neonazis, Mitglieder radikal-islamischer Gruppen sowie Linke gehören. Zudem diskutiert der Bericht BDS, ohne eine klare Position einzunehmen. Der Berichterstatter erwähnt die Behauptungen, dass die BDS-Bewegung grundsätzlich antisemitisch ist. Er bringt auch Gegenbehauptungen von BDS-Unterstützern, dass das nicht der Fall sei.

Der Bericht stellt korrekt heraus, dass die überwiegend antisemitischen Einstellungen sich in verschiedenen Regionen unterschiedlich sind. Shaheed hätte hier anfügen können, dass sie sich auch zwischen den einzelnen Mitgliedsländern der Europäischen Union beträchtlich unterscheiden. Die wichtigen Anteile an Antisemitismus bei Hassverbrechen in den USA und Kanada werden ebenfalls erwähnt. Das Gleiche gilt für die Zunahme antisemitischer Taten in verschiedenen europäischen Ländern. Online-Antisemitismus erhält Aufmerksamkeit, so auch Verstöße durch einige Regierungen in Sachen Religionsfreiheit.

Der Berichterstatter widmet der Antisemitismus-Definition der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz umfangreiche Aufmerksamkeit und betrachtet sie als wertvolles, nicht rechtliches Mittel im Kampf gegen diesen Hass. Was die Empfehlungen angeht, drängt der Berichterstatter „Staaten, Zivilgesellschaft, die Medien und die Vereinten Nationen einem menschenrechts-basierten Ansatz zur Bekämpfung des Antisemitismus zu folgen.“ Er betonte richtigerweise, dass die primäre Verantwortung für dafür intolerante und diskriminierende Taten anzugehen, bei Staaten liegt, einschließlich ihrer politischen Repräsentanten.[4]

Was dem Bericht fehlt, gehört in zwei Kategorien. Die erste sind Sachen, die in einem Bericht für die UNO de facto tabu sind. Die zweite betrifft Themen, die hätten erwähnt werden können und müssen. Das Hauptthema in der Tabu-Kategorie ist die große Rolle, die die UNO und zugehörige Organisationen bei der Förderung des Antisemitismus spielen. Ihr Fokus liegt beim Hass auf Israel. Deshalb konnte der Berichterstatter nicht ausdrücklich erwähnen, dass es drei Haupttypen des Antisemitismus gibt: religiösen, nationalistisch-ethnischen und antiisraelischen Hass.

Ein zweites großes Tabuthema der UNO ist die Verbindung von Antisemitismus zur muslimischen Welt. Muslimische Staaten stellen einen großen Anteil der UNO-Mitglieder. Sie sind die wichtige Einzelkraft beim Schüren der antisemitischen Hassaktivitäten in der UNO. Selbst ein oberflächlicher Blick auf den globalen Antisemitismus macht klar, dass die bei weitem größte Bedrohung des Weltjudentums aus Teilen der muslimischen Welt kommt. Nur dort findet man Staatsoberhäupter, die extremen Antisemitismus propagieren. Die weltweite Studie der ADL stellte fest, dass 49% der Muslime Antisemiten sind.[5]

Wenn der Bericht auf muslimische Verbrechen oder Hetze verweist, benutzt er die folgenden Wendungen: „radikalislamische Gruppen“, „gewalttätige islamistisch-extremistische Ideologie“, „islamistische Terroristen“ und „radikalislamistische Ideologien“. Das Wort „muslimisch“ taucht in dem Text nur für Opfer oder angegriffene Menschen auf. In Wirklichkeit ist die Trennlinie zwischen Islamisten und Muslimen alles andere als klar. Viele Verbrechen an Juden sind von Muslimen begangen worden, die keine besondere Identifizierung mit dem politischen Islam hatten.

Ein weiteres wichtiges Thema, das ebenfalls ein Tabu sein könnte, aber in jedem vollwertigen Bericht zu Antisemitismus angeführt werden sollte, ist dieser Hass als integraler Bestandteil westlicher Kultur oder alternativ, dass er zutiefst mit ihm verwoben ist. Noch ein weiteres Thema, das vielleicht tabu, aber viel zu wichtig ist, um ignoriert zu werden, ist Antisemitismus in sozialistischen Parteien. In der britischen Labour Party, die viele inzwischen als institutionell antisemitisch ansehen, kommt er sowohl als klassischer Antisemitismus wie auch als Antiisraelismus zum Ausdruck.[6] In vielen anderen sozialistischen, sozialdemokratischen oder Arbeitsparteien gibt es ihn hauptsächlich als Antiisraelismus.

Die fehlende Hauptsache, die hätte erwähnt werden müssen, ist wichtige quantitative Information über Antisemitismus in der Welt. Eine bezeichnende Zahl ist in der weltweiten Studie der ADL[7] zu finden, die die Zahl der weltweiten Antisemiten mit etwa 1,09 Milliarden Menschen angibt. Daraus ergeben sich 75 antisemitische Erwachsene pro Jude, einschließlich der Babys. Eine zweite quantitative Zahl von großer Wichtigkeit ist, dass mindestens 150 Millionen der etwa 400 Millionen Erwachsenen in der EU Israels Verhalten als so wie das der Nazis betrachten.[8]

Christlicher Antisemitismus wird in dem Dokument nur indirekt angeführt, das die Zuschreibung der „kollektiven Schuld für den Mord an Jesus den Juden“ erwähnt.[9] Wir wissen aus verschiedenen Studien der ADL, dass hunderte Millionen diesen falschen Vorwurf glauben.[10] Aus der weltweiten Studie der ADL erfahren wir, dass 24% der Christen antisemitisch sind.[11] Dem Bericht fehlt zudem auch die Feststellung der ADL, dass Verschwörungstheorien das weltweit am meisten verwendete Mittel des Antisemitismus sind. Ein antisemitisches Sprachbild, das hätte angeführt werden müssen, ist der regelmäßige Einsatz des Wortes „Jude“ als Synonym für eine üble Person. Es könnten viele weitere Punkte angeführt werden.

Nichts davon sollte die große Wertschätzung für den Mut überschatten, den Herr Shaheed zeigte. Er hat einen Weg geöffnet, der nicht ohne wichtige Folgeberichte bleiben sollte.

[1] www.jpost.com/Diaspora/UN-report-alarmed-by-growing-antisemitism-criticizes-BDS-602664

[2] www.ohchr.org/Documents/Issues/Religion/A_74_47921ADV.pdf

[3] www.jns.org/israeli-ambassador-danny-danon-anti-zionism-bds-are-the-new-forms-of-anti-semitism/   www.timesofisrael.com/new-un-report-on-combating-anti-semitism-warns-phenomenon-toxic-to-societies/

[4] www.ohchr.org/Documents/Issues/Religion/A_74_47921ADV.pdf – page 17

[5] global100.adl.org/info/anti_semitism_info

[6] Alan Johnson. Institutionally Antisemitic: Contemporary Left Antisemitism and the Crisis in the British Labour Party, 2019.

[7] global100.adl.org/info/anti_semitism_info

[8] library.fes.de/pdf-files/do/07908-20110311.pdf

[9] www.ohchr.org/Documents/Issues/Religion/A_74_47921ADV.pdf – page 4

[10] Manfred Gerstenfeld: The War of A Million Cuts. The Struggle Against The Delegitimization of Israel And The Jews, and The Growth of New Anti-Semitism. Jerusalem (Jerusalem Center for Public Affairs, RvP Press) 2015, S. 63-64.

[11] global100.adl.org/info/anti_semitism_info

 

Heplev - . Manfred Gerstenfeld war jahrelanger Direktor des Jerusalem Centers for Publik Affairs (JCPA), er ist Kommentator bei der Tageszeitung The Jerusalem Post und dem israelischen Nachrichtensender Arutz Sheva.


Autor: Dr. Manfred Gerstenf
Bild Quelle:


Dienstag, 15 Oktober 2019