Wie unsere Angstkultur die Katastrophen-Bewältigung lähmt

Wie unsere Angstkultur die Katastrophen-Bewältigung lähmt


Die Auswirkungen von Covid-19 auf das Leben der Menschen, ihre wirtschaftlichen, sozialen und globalen Beziehungen, werden wahrscheinlich weitreichender sein als im Falle jeder anderen Gesundheitskrise.

Wie unsere Angstkultur die Katastrophen-Bewältigung lähmt

Von Frank Furedi

Nicht einmal während des Ersten oder Zweiten Weltkriegs sahen sich die Regierungen gezwungen, die Schulen zu schließen. Die Notmaßnahmen, die als Reaktion auf Covid-19 eingeführt wurden, sind in Friedenszeiten beispiellos.

Der Grund, weshalb Covid-19 eine derartige Katastrophe ist, liegt nicht am Ausmaß der mit ihr einhergehenden physischen Verluste. Zum Zeitpunkt dieses liegt die weltweite Zahl der Todesopfer bei knapp 70.000 (Stand 6. April 2020). In Deutschland sind es knapp 1.600. Rund 1,3 Mio. Menschen sind infiziert [Redaktionell nachgetragener Link zu den aktuellen Zahlen hier]. Das sind sehr viele. Aber im Vergleich zu einigen Grippepandemien sind die Auswirkungen bisher immer noch relativ gering. Die Grippeepidemie von 1918 war die verheerendste globale Epidemie der Neuzeit und führte zu rund 40 Millionen Todesfällen. Im Jahr 1968 tötete die Hongkong-Grippe (H3N2-Virus) mehr als eine Million Menschen. Allein im Vereinigten Königreich gab es rund 80.000 Todesfälle.

Nein, der Grund, warum die globalen Auswirkungen von Covid-19 so groß sind, liegt in der Art und Weise wie Regierungen, internationale Organisationen und die Gesellschaft reagiert haben. Ein Blick auf frühere Katastrophen kann uns helfen, die aktuelle Krise in eine historische Perspektive zu setzen.

Die Reaktion bestimmt die Wirkung

1918 gab es keine globalen Medien oder sozialen Netzwerke, die jeden Tod und jeden Vorfall melden konnten. In vielen Teilen der Welt waren die Menschen durch die Ereignisse des Ersten Weltkriegs und den wirtschaftlichen und sozialen Überlebenskampf abgelenkt. Anders als heute lastete nur ein geringer Druck auf den Regierungen, Handlungsfähigkeit zu zeigen. Während des gesamten Ausbruchs von 1918 sah sich US-Präsident Woodrow Wilson kaum genötigt, überhaupt zu reagieren. „Wilson gab nie ein Statement zum Ausbruch ab. Er hat sich öffentlich nie geäußert“, schreibt der Autor John M. Barry in seinem Buch „The Great Influenza: The Story of the Deadliest Pandemic in History“.

Was uns die Geschichte lehrt, ist, dass das Ausmaß der Zerstörung, die eine Pandemie auslöst, nicht erklärt, wie diese Pandemie von den Menschen und der Gesellschaft wahrgenommen oder erlebt wird. Wie eine Katastrophe aufgenommen wird und wie sie sich auf eine Gesellschaft auswirkt, folgt auch daraus, wie auf sie reagiert wird. Letztlich ist es die Art und Weise, wie eine Gesellschaft auf eine Katastrophe, zum Beispiel eine Grippeepidemie, reagiert, die über die langfristigen Wirkungen des Unglücks entscheidet.

Bereits 1932 äußerte sich Lowell Juilliard Carr, in einer der frühesten soziologischen Diskussionen über die Bedeutung von Katastrophen, folgendermaßen: „Die Art und Weise, wie eine Gemeinschaft auf Katastrophen reagiert, wird wahrscheinlich durch ihre Kultur, ihre Moral, ihre Führung sowie durch die Geschwindigkeit, das Ausmaß, die Komplexität und die Stärke der Katastrophe selber bestimmt.“ Carr gestand zu, dass der Charakter der Katastrophe und das Ausmaß der Zerstörung die Reaktion der Öffentlichkeit entscheidend beeinflusst. Aber er beharrte darauf, dass diese Reaktion auch durch das gesellschaftliche System der Sinnsuche, der Normen, der Institutionen und der Regierungsform geprägt wird.

Das zentrale Argument von Carr ist, dass eine Katastrophe von Menschen definiert wird und nicht durch die Natur. Er schrieb, dass nicht jeder Sturm, jedes Erdbeben oder jede Flut eine Katastrophe sei. Wenn es keine Verletzten oder Toten oder andere ernsthafte Verluste gebe, dann „gibt es auch keine Katastrophe“. Die Assoziation einer Katastrophe mit einer Zerstörung von Menschenleben und wirtschaftlichen Aktivitäten wurde durch die moderne Vorstellungskraft geprägt. Der Autor Michael Kemp erklärt, dass im Mittelalter Sonnenfinsternisse und Kometen als Katastrophen angesehen wurden, weil sie ebenso wie Erdbeben und Vulkanausbrüche als Zeichen des göttlichen Zorns gegen menschliche Sünden interpretiert wurden. Niemand starb und niemand wurde verletzt, und trotzdem wurden diese Ereignisse als Katastrophen wahrgenommen. Es war nicht so sehr die Intensität des menschlichen Leids, das zählte, sondern die angeblich starken Signale, die von der großen physischen Macht des Ereignisses ausgingen.

Pandemien des 21. Jahrhunderts

Die Art und Weise, wie eine Gesellschaft auf eine ernste Bedrohung (zum Beispiel eine Pandemie) reagiert, wird durch die gesellschaftliche Wahrnehmung der Bedrohung, ihr Gefühl der existentiellen Sicherheit und ihre Fähigkeit, unvorhersehbaren Erfahrungen einen Sinn zu geben, vermittelt. Diese Reaktionen werden alle durch das breitere kulturelle Skript einer Gesellschaft hinsichtlich Risiko und Unsicherheit beeinflusst.

Ein kulturelles Skript gibt den Bürgern eine Vorstellung davon, wie gefährlich Bedrohungen sind und wie riskant zum Beispiel eine Pandemie in unserem täglichen Leben ist. Kulturelle Skripte beeinflussen die Wahrnehmung der eigenen Verwundbarkeit und die Fähigkeit, sich zu wehren. Sie vermitteln Regeln darüber, wie sich die Menschen angesichts einer Gefahr fühlen sollten. Natürlich interpretiert der Einzelne diese Regeln je nach seinen eigenen Umständen und seinem Temperament. Es ist hilfreich, ein kulturelles Skript wie eine Brille zu betrachten, durch die Menschen eine Katastrophe wie eine Viruspandemie wahrnehmen und interpretieren.

Ich würde argumentieren, dass die Schlüsselmerkmale des kulturellen Skripts, die unsere beispiellose Reaktion auf Covid-19 beeinflussen, die folgenden sind:

Der Wechsel von Widerstandsfähigkeit zu Verletzlichkeit

Aus meinen Forschungen über die Mechanismen der Angst habe ich den Schluss gezogen, dass der wichtigste Einfluss auf die Angst heute die dramatische Neudefinition des Menschseins ist - also dessen, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. Verschiedene Kulturen und verschiedene Zeiten haben gegensätzliche Ansichten über das Menschsein. Diese Unterschiede berühren Fragen wie zum Beispiel, ob eine Person als eine Person angesehen wird, die ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt, oder ob sie als unfähig angesehen wird, ihre Autonomie auszuüben. Die Bedeutung des Menschseins berührt auch die Frage, wie viel Schmerz und Leid die Gesellschaft von einem Menschen erwartet. Sollte man von einer Person erwarten, dass sie Risiken eingeht oder sollte sie innerhalb der Grenzen sicherer und geschützter Räume bleiben?

Die wichtigste Veränderung in der Art und Weise, wie Individuen im 21. Jahrhundert gesehen werden, ist der Wechsel von der Annahme der Widerstandsfähigkeit (Resilienz) hin zur Definition von Individuen aufgrund ihrer Verletzlichkeit (Vulnerabilität). Um diesen Wandel zu veranschaulichen, habe ich mich mit den unterschiedlichen kulturellen Skripten befasst, die die Reaktionen auf die Überschwemmungen in Großbritannien 1952/1953 und im Jahr 2000 prägten. Diese sehr unterschiedlichen Reaktionen verdeutlichen die unterschiedliche Art und Weise, mit der die Gesellschaft Katastrophen verarbeitet - je nachdem, wie sie sich selbst und das breitere kulturelle Skript, das sich auf uns alle auswirkt, betrachtet. 

Die zerstörerischen Überschwemmungen von 1952 und 1953, die zu schweren Verlusten an Menschenleben führten, wurden in einem ganz anderen kulturellen Rahmen wahrgenommen als die weit weniger zerstörerischen Überschwemmungen des Jahres 2000. In den 1950er Jahren enthielt das kulturelle Skript die Erwartung, dass Gemeinschaften und Einzelpersonen in der Lage sein würden, mit den Katastrophen, die sie erlebten, fertig zu werden. Tatsächlich wurden die Menschen ermutigt, Katastrophen als eine Prüfung, als eine zu bewältigende Herausforderung zu interpretieren.

Im Gegensatz dazu wurden Überschwemmungen im Jahr 2000 als einzigartig bedrohliche Ereignisse dargestellt, die die Bewältigungskapazität des Einzelnen mit großer Wahrscheinlichkeit überfordern würden. Dieser Unterschied in der Bewertung wird in den Berichten über die Katastrophen deutlich. Im Jahr 1953 vermittelte ein Bericht für die Times über den Besuch der Königin in den von der Flut betroffenen Gebieten eindeutig die offiziell sanktionierte Ansicht, dass die Menschen mit „Mut und Stärke“ auf die Flut reagieren würden. Es wurde berichtet, dass die Königin „beeindruckt war von dem stoischen und heroischen Charakter der Menschen, die offensichtlich eine schlimme, harte Zeit durchgemacht und schwere Verluste erlitten hatten.“

Die Erfindung der Verwundbarkeit

Im Gegensatz dazu übermittelten die Zeitungen im Jahr 2000 ständig die Botschaft, dass die Flutopfer schwere psychologische Schäden davontragen würden. Laut eines Berichts im Guardian könnten bis zu 20 Prozent der Opfer von Naturkatastrophen posttraumatische Belastungsstörungen erleiden. Dem Beitrag zufolge fühlten sich viele deprimiert und isoliert, hätten ihre Orientierung verloren oder neigten sogar zu zwanghaften Ängsten. Seit 2000 sind Überschwemmungen und andere belastende Erfahrungen zunehmend von einer psychologischen Sprache durchsetzt.

In den 1950er Jahren wurde der Begriff „verletzlich“ nie für die Opfer von Überschwemmungen oder anderen Katastrophen verwendet. Auch diejenigen, die mit der tödlichen Epidemie der Hongkong-Grippe von 1968 konfrontiert waren, wurden nicht als „verletzlich“ bezeichnet. Die Erfindung der Verletzlichkeit als ein grundlegendes menschliches Merkmal begann in den frühen 1980er Jahren. In den folgenden 40 Jahren wurde Verletzlichkeit zu einer selbstverständlichen Kategorie, die auf immer mehr Menschen übertragen wurde.

Heute ist Verwundbarkeit ein bestimmendes Merkmale des Menschseins. Folglich neigt das kulturelle Skript, das heute das Alltagsleben beeinflusst, dazu, die Fähigkeit der Menschen, mit negativen Erfahrungen umzugehen, infrage zu stellen. Sobald die Verletzlichkeit stärker zu sein scheint als die menschliche Resilienz, kann die Fähigkeit der Menschen, mit Widrigkeiten umzugehen, beeinträchtigt werden. Noch wichtiger ist, dass die gegenwärtige Überbetonung der Verletzlichkeit das Gefühl der Hilflosigkeit, das viele von uns angesichts von Notlagen empfinden, noch verstärken kann.

Die Psychologisierung des Alltagslebens

Das Auftauchen der Verletzlichkeit als bestimmendes Merkmal der menschlichen Existenz hat einen neuen Trend zur Psychologisierung von Problemen des täglichen Lebens und unserer Existenz ausgelöst. Gesundheitsprobleme nehmen heutzutage immer mehr zu. Immer mehr Phänomene, die früher als normal angesehen wurden, werden heute als psychische Erkrankungen diagnostiziert. Schüchternheit, Stress, geringes Selbstwertgefühl - all dies wurde in medizinische Pathologien umgedeutet.

Der Trend zur Pathologisierung des Alltagslebens ist vor allem im Hinblick auf die Kindheit besonders ausgeprägt. Kinder werden schon sehr früh ermutigt, ihre Probleme in der Sprache der Psychologie darzustellen. Sie werden unabsichtlich darin ermutigt, sich selbst als zerbrechlich und verletzlich wahrzunehmen - als Personen, die professionelle Unterstützung benötigen. Wir dürfen davon ausgehen, dass die Covid-19-Pandemie nicht nur als eine Bedrohung der physischen Gesundheit, sondern auch als eine Krise der psychischen Gesundheit erlebt werden wird.

Ein erhöhtes Gefühl der existenziellen Unsicherheit

Es ist nicht möglich, die Art und Weise, wie die Regierungen auf Covid-19 reagiert haben, zu verstehen, ohne die Signale zu berücksichtigen, die die zeitgenössische Kultur über die menschliche Existenz im weiteren Sinne aussendet. Die Vorstellung, dass die Menschheit so gut wie immer mit existenziellen Krisen konfrontiert ist, ist zu einem normalen Bestandteil des Lebens geworden. Der Begriff „Aussterben des Menschen" wird im alltäglichen Gespräch immer häufiger ganz beiläufig verwendet. Schauen Sie sich die Zeitung The Guardian als Beispiel an. Im Jahr 1988 erschien das Wort „aussterben" 93-mal auf ihren Seiten. Im Jahr 2007 war es auf 207 angestiegen. Im vergangenen Jahr erschien es 1.391-mal, zweifellos beeinflusst durch den Aufstieg von Extinction Rebellion und dem Glauben, dass die menschliche Existenz ständig durch uns selbst bedroht sei.

Ein beunruhigendes Symptom des übertriebenen gesellschaftlichen Unsicherheitsgefühls ist die Tendenz, fatalistisch in die Zukunft zu blicken. Sehr oft werden Diskussionen über Pandemien in der Sprache der Unvermeidbarkeit geführt. Immer wieder werden wir gewarnt, dass die Frage nicht lautet, ob, sondern wann eine große Katastrophe eintreten wird. Die große Katastrophe, auf die sich solche Warnungen bisher bezogen, war die Grippepandemie von 1918. Sie wird heute als eine normale Erfahrung in der Geschichte der Menschheit dargestellt, obwohl sie in Wahrheit ein seltenes Ereignis war.

In Bezug auf Grippepandemien machte das Worst-Case-Denken in den 1970er Jahren einen gigantischen Sprung nach vorn. Damals wandelte sich die Grippe von einem Gesundheitsproblem zu einer globalen Bedrohung der menschlichen Existenz. Die Idee, dass verheerende Grippeausbrüche etwa alle zehn Jahre auftreten, begann sich durchzusetzen. Der Soziologe Robert Wuthnow beschreibt, wie der damalige amerikanische Gesundheits-, Bildungs- und Sozialminister David Matthews am 15. März 1976 ein Memo an Beamte schickte, in dem es hieß: „Es gibt gesicherte Hinweise dafür, dass es im kommenden Herbst eine große Grippeepidemie geben wird, dass das Grippevirus von 1918, die virulenteste Form der Grippe, wieder auftauchen wird.“ Er fügte hinzu, dass 1918 eine halbe Million Amerikaner starben, und er prognostizierte, dass dieses Virus „1976 eine Million Amerikaner“ töten werde. Das ist natürlich nicht eingetreten.

Die Rhetorik der Worst-Case-Ideologie

Seit 1976 hat sich das Worst-Case-Denken institutionalisiert. Die Zukunft ist zu einer Leinwand geworden, auf die vermeintlich verantwortungsbewusste Kommentatoren ihre erschreckenden Bilder und alarmierenden Vorhersagen projizieren. „Killerkeime sind auf dem Weg und werden bis 2050 10 Millionen Menschen töten, wenn sich die Dinge nicht schnell ändern“, hieß es kürzlich in einem ziemlich typischen Beitrag zum Thema „Killerkeime“ („Superbugs“). Die Rhetorik der Worst-Case-Ideologie ist sowohl präzise als auch visuell. Die Killerkeime sind „auf dem Weg“ - sie kommen der Ziellinie immer näher, und wenn sie nicht gestoppt werden, werden zehn Millionen Menschen sterben.

Solch alarmierende Vorhersagen über „Superbugs“ klangen, im Vergleich zu einer anderen Behauptung sogar noch zurückhaltend: In einem Bericht der Hilfsorganisation DARA International hieß es, dass bis 2030 100 Millionen Menschen sterben werden, „wenn die Welt nicht auf den Klimawandel reagiert“. Und auch diese Zahl ist sogar bescheiden, wenn wir sie mit den 600 Millionen Kindern vergleichen, die angeblich „bis 2040 mit Tod, Krankheiten und Unterernährung rechnen müssen, wenn die Wasserressourcen verdunsten“, wie Ian Johnstone im Independent vom 21. März 2017 schreibt.

Die alarmierenden Berichte über Pandemien und globales Aussterben haben einen kulturellen Kontext geschaffen, in dem Covid-19 als das abschließende Kapitel eines echten Katastrophenfilms interpretiert werden kann. Wenn diese dystopische Sichtweise der Zukunft erst einmal in die DNA der Gesellschaft eingedrungen ist, kann es für Regierungen schwierig sein, Maßnahmen zu ergreifen, die der Bedrohung, der unsere Gemeinschaften wirklich ausgesetzt sind, angemessen sind.

Die Notwendigkeit, Mut auszubilden

Die Geschichte zeigt, dass Gesellschaften durch ihre moralischen Visionen wichtige Ressourcen zur Bewältigung von Widrigkeiten entwickelt haben. Wenn Menschen eine gemeinsame moralische Perspektive haben, können sie negativen Erfahrungen einen Sinn geben und mit den Bedrohungen umgehen, denen sie und ihre Familien ausgesetzt sind. Eine gemeinsame Sicht der Dinge ist die notwendige Grundlage für die Solidarität in einer Gesellschaft. Und die Solidarität der Gesellschaft wird für die Bewältigung der Covid-19-Krise von entscheidender Bedeutung sein.

Leider übertrumpfen in der heutigen Zeit psychologische Werte die moralischen Werte. Kindern werden die psychologischen Werte der Selbstachtung und der emotionalen Intelligenz beigebracht. Historisch gesehen, beruhte unsere Sicht des Menschseins auf den Prinzipien der Moral und der Autonomie. Es überwog das Gefühl, dass die Menschen eine moralische Verpflichtung haben und auf Bedrohungen gemäß den Tugenden der Weisheit, des Mutes, der Mäßigung und der Gerechtigkeit reagierten. Insbesondere Mut wurde nicht nur als Charakterzug, sondern als eine Form des Verhaltens geschätzt, die sich darauf konzentrierte, Verantwortung für das Wohlergehen anderer zu übernehmen. Die Erwartung, dass Menschen auf Schaden und Gefahr mit Mut reagieren sollten, war ein integraler Bestandteil der Moralvorstellungen, die das Verhalten prägten.

Bei der klassischen Tugend des Mutes ging es nicht um das Selbst. Mut war mit den Vorstellungen von Verantwortung, Altruismus und Weisheit eng verbunden. Es mag schrecklich altmodisch und unrealistisch klingen, aber die Gesellschaft muss sich wirklich mit den Tugenden beschäftigen, die den menschlichen Geist so lange Zeit gegen Widrigkeiten gestärkt hat. Covid-19 ist eine Katastrophe für die Menschheit, aber sie muss den menschlichen Willen nicht brechen. Die Geschichte zeigt, dass eine Katastrophe wie Covid-19 auch ein Test für die Fähigkeit der Menschheit ist, mit Widrigkeiten umzugehen und sie zu überwinden. Das ist eine Lektion, die wir uns selbst und unserer Jugend, gerade jetzt, erteilen müssen.

 

Dieser Text ist zuerst beim britischen Novo-Partnermagazin Spiked erschienen und wurde in deutscher Übersetzung zuerst bei Novo-Argumente veröffentlicht. - Foto: Momentaufnahme aus der Zeit der spanischen Grippe, Ort unbekannt


Autor: Redaktion
Bild Quelle: Unknown author / Public domain


Donnerstag, 16 April 2020

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