Wie oft wohl gibt es „Berlin“ auf dieser Welt?

Wie oft wohl gibt es „Berlin“ auf dieser Welt?


Berlin, davon sind zumindest die Einwohner der deutschen Hauptstadt überzeugt, ist einmalig. Beurteilt man dieses „einmalig“ allerdings rein numerisch, trifft das nicht mehr zu, denn es gibt weltweit viele, viele Ortschaften dieses Namens .

Wie oft wohl gibt es „Berlin“ auf dieser Welt?

Von Wolfgang Will

Der geht übrigens auf das Slawische zurück: Etwa Anfang des achten Jahrhunderts siedelten die ersten vom Stamm der Polaben in dem sumpfigen Gebiet zwischen dem heutigen Teltow und Barnim. Vor allem auf der rechten Uferseite der (heutigen) Spree ließen sie sich nieder. Die Bezeichnung ihrer Siedlung setzt sich aus zwei Wörtern ihrer Sprache zusammen . „brl“ und „in“. „brl“ bedeutete „Morast“, „Sumpf“. Die Endung „in“, die sich ja vielfach in dieser Region findet (Schwerin, Ruppin, Stettin), steht für „Siedlung“. In der heutigen Schreibweise – Berlin – wird die Stadt erstmals 1244 urkundlich erwähnt.

Die meisten „ausländischen Berlins“ gibt es in den USA. Dass sie sich da gerade im Osten des Landes geradezu „tummeln“, hat ein historisches Bewandtnis – nein, nicht die Tatsache, dass hier, an der US-Ostküste, die meisten Einwanderer landeten. Vielmehr wurden viele Ortschaften aus Dankbarkeit Preußens gegenüber „Berlin“ genannt – oder sogar entsprechend umbenannt. Denn Preußen bewahrte während des amerikanischen Bürgerkrieges (1861 – 1865) nicht nur eine strikte Neutralität, sondern unterzeichnete auch bald nach Friedensschluss einen Freundschafts- und Handelsvertrag mit dem siegreichen Norden – den USA.

In den USA gibt es, soweit recherchierbar, an die 30 Ortschaften namens Berlin. Die größte dieser Städte hat etwa 50 000 Einwohner und liegt im US-Staat Wisconsin, die kleinste dagegen – in North Dakota – zählt nur rund drei Dutzend Bürger. Die verlässlichsten deutschen Quellen zu den US-Berlins sind übrigens die entsprechende Internetseite der Senatskanzlei und das Buch „Von Berlin über Berlin nach Berlin“ von Harry Hampel“, Verlag Rütten und Loening , Berlin 1998.

Übrigens gibt es unter den Berlins dieser Welt einige Kuriositäten:

0 So gibt es in Schleswig-Holstein ein Dorf namens Berlin, das älter ist als die Hauptstadt, wird es doch schon 1215 urkundlich erwähnt. Es gilt daher als das älteste Berlin auf dem Globus und ist heute Ortsteil der Gemeinde Seedorf. Es liegt am Rande der Holsteinischen Schweiz und hat zwischen 500 und 600 Einwohner – einige sogar aus Groß-Berlin dahin gezogen. Eine Straße heißt Kurfürstendamm, es gibt aber auch Unter den Linden, Alexanderplatz und eine Heerstraße. An der Potsdamer Straße gibt es eine Currywurstbude – außerdem existieren eine Tankstelle, eine Feuerwehr und einige Kneipen, darunter ein italienisches Restaurant.

0 In der Wüste des US-Bundesstaates Nevada gibt es ein Geisterdorf namens Berlin. Es existieren nur noch ein paar verfallene Hütten. Zudem gibt es Anzeichen einer Mine. Spekulation: Hier suchten Einwanderer aus dem „richtigen“ Berlin einst nach Gold.

0 Im US-Staat Oregon, 50 Kilometer südlich von Salem, gibt es ein Berlin, das mit diesem Städtenamen absolut nichts zu tun hat – es klingt geradezu abenteuerlich, ist aber historisch belegt: Hier hatte sich um1890 eine Familie namens Burrell niedergelassen. Sie gründeten ein kleines Lokal, das als „Burrell`s Inn“ bekannt wurde. Im Slang wurde daraus zunächst „Burrs“ und letztlich „Burlin“. Der 1893 eröffnete Friedhof hieß dann Berlin – er liegt noch heute an der Berlin Road. Und in der nahegelegenen Oregon-Hauptstadt Portland gibt es ein „The Berlin Inn“, Kneipe und Pension.

0 Der bereits erwähnte Schriftsteller und Fotograf Harry Hampel fand in Argentinien in 4 500 Meter Höhe ein Viehgatter, eine Feuerstelle und drei Lehmhütten – deutsche Einwanderer lebten hier kurze Zeit und nannten den Ort Berlin.

0 Schließlich gibt es im Süden Chiles den Zipfel einer kleinen Insel, der Berlin genannt wird. Ein „Mount Berlin“ liegt 3 148 Meter hoch in der Antarktis.

0 Die Technische Universität Berlin hat sich einmal auf die „Suche“ nach „Berlins“ in der Welt gemacht. Sie fand 118 entsprechende Bezeichnungen, darunter auch einen Berg in der pazifischen Tiefsee vor Hawaii.

Wie einflussreich Einwanderer sein konnten, zeigt sich am Berlin im US-Bundesstaat New Hampshire. Ihr wurde das Siedlungsrecht 1771 unter dem Namen Maynesborough verliehen. Bis 1829 ließen sich hier kaum Menschen nieder. In diesem Jahr jedoch kamen Einwanderer aus dem deutschen Berlin hierher – und sie machten aus dem Flecken Maynesborough die Stadt Berlin, die heutzutage um die 10 000 Einwohner hat.

 

Wolfgang Will arbeite jahrelang als Auslandskorrospodent für den Axel-Springer-Verlag und als Chefredakteur u.a. in New York.


Autor: Wolfgang Will
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Freitag, 21 August 2020

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