Putins „Wagner“ und Hitlers „Condor“: Außenpolitik mit Söldnern

Putins „Wagner“ und Hitlers „Condor“: Außenpolitik mit Söldnern


Mitten durch Afrika zieht sich von Nord nach Süd eine Staaten-Sphäre, in der russischer Einfluss, besser, mehr noch: russische Politik die Dominante ist

Putins „Wagner“ und Hitlers „Condor“:                 Außenpolitik mit Söldnern

Von Wolfgang Will

Das alles beginnt am Mittelmeer mit Libyen und setzt sich fort in Tschad und Sudan, in der Zentralafrikanischen Republik, Südsudan, der Demokratischen Republik Kongo bis Botswana und dem vorgelagerten Madagaskar. Im westlichen Mittelteil Afrikas gesellen sich Mali und Nigeria hinzu.

Dieser vielfach überhand nehmende russische Einfluss beschränkt sich nicht etwa auf die Diplomatie – da mischt Moskau vielmehr intensiv militärisch mit. Natürlich verdeckt. Etwa mit der „Wagner-Truppe“. Das ist eine schlagkräftige russische „Privat-Armee“, und wenn es auch dementiert wird von Moskau und geleugnet: Der Kreml befehligt das alles.

Das betrifft nicht nur die „Wagners“, die hier in allen Details entlarvt werden sollen, auch wie es zu dem deutschen Begriff „Wagner“ kommt. Das militärhistorische Monatsmagazin „loyal“ nennt zehn russische Organisationen, die „Wagner“-gleich in aller Welt operieren. Meistens ist dabei das russische Verteidigungsministerium tonangebend. Im Falle der Untergrundorganisationen „E.N.O.T.“ und „Rossiski System Bezopasnosti RSP Group“ sowie „MAR PMC“ hat der russische Inlandsgeheimdienst das Sagen. Bei „Sewa Security Services“ kommt der Militärgeheimdienst GRU ins Spiel.

Allein in Syrien, so schätzen westliche Geheimdienste, sind 2 500 „Wagner“-Elitesoldaten im Einsatz. Eine bedeutende Rolle spielten die „Wagners“ auch bei der russischen Annektion der Krim. Sie trugen dabei Militärtarnuniformen ohne jegliche Kennzeichen.

All diese vielfältigen „Wagners“ operieren außer in Afrika in vielen Teilen der Welt, zum Beispiel in Nikaragua, in Syrien, Afghanistan oder dem Libanon. Für die EU und die NATO am bedrohlichsten, weil quasi „vor Ort“, ist der Einsatz solcher Söldnerarmeen des Kreml in der Ost-Ukraine. Dort haben die „Wagners“, auch ausgerüstet mit schweren Waffen wie Panzern und Artillerie, ganze Landstriche erobert und „Volksdemokratien“ von Putins Gnaden ins Leben gerufen. Bei derartigen Aktionen zahlen sich immer wieder die Geheimdiensterfahrungen aus, die der heutige Kreml-Herrscher seinerzeit auch bei den Sowjetstreitkräften in der DDR gesammelt hat.

Chef der „Wagner“-Truppe ist Dimitri Utkin, Oberstleutnant der Reserve der russischen Armee. Es gibt zwei Versionen, die den Namen „Wagner“ erklären. Der einen zufolge soll Utkin ein Bewunderer Hitlers und der Nazi sein. Plausibler scheint zu sein, dass Utkin – er ist bekannt für seine Musikalität – eine Vorliebe für die Opern Richard Wagners hegt. Finanziert werden Putins Söldnerarmeen durch den russischen Oligarchen und Multimillionär Jewgenij Prigoschin, der auch in afrikanische Bergbauunternehmen investiert hat. Er wird in Moskau auch scherzhaft als „Putins Koch“ bezeichnet, weil er den Russen-Boss in einem Gourmetrestaurant, das ihm gehört, einmal persönlich bediente.

Offiziell firmiert Prigoschins Firma als „Dienstleister und Caterer“. Der russische Journalist Denis Korotikow dazu: „Prigoschin ist ein Geschäftsmann, der dem Kreml sehr nahe steht. Seine Unternehmen kümmern sich in der Regel um alle Veranstaltungen des Präsidenten und der Regierung, auch um große Empfänge im Kreml“. Prigoschin bestreitet, etwas mit der „Wagner-Truppe“ zu tun zu haben.

Die entstand 2014. Ihr Gründer Utkin war laut „loyal“ Offizier der „Spetsnaz“, der Spezialkräfte des russischen Militärgeheimdienstes GRU. Auf dessen Manövergelände werden die „Wagners“ ausgebildet, da trainieren sie auch für ihre weltweiten Einsätze. Sie rekrutieren sich vor allem aus Veteranen der russischen Streitkräfte, aber auch viele jüngere Abenteurer sollen sich den „Wagners“ angeschlossen haben. Diese „Truppe“ wird vom Kreml so gut wie nie erwähnt, oder mit dem Hinweis, sie könne als „privates Sicherheitsunternehmen selbstverständlich überall auf der Welt ihre Dienste anbieten“ - so Putin 2018 im Wortlaut.

Nicht international wie Putins vielfältige Söldner-Armeen, sonder zielgerichtet auf ein Land agierte während des spanischen Bürgerkriegs (1936 bis 1939) Hitlers „Legion Condor“. Sie begann als Luftwaffenverband, der die aufständischen Falangisten unter General Franco gegen die Spanische Republik unterstützte und durch ihr Bombardement von Guernica am 26. April 1937 den ersten bekannten Terrorangriff auf eine Zivilbevölkerung flog. Schnell aber wurde aus dieser Fliegertruppe eine private Luft-Boden-Armee. Ihre Angehörigen trugen wie die „Wagners“ Tarnuniformen ohne jegliche Hoheitszeichen. Der Legion gehörten Wehrmachtssoldaten wie Freiwillige an. Auf Seiten der spanischen Republikaner gab es mit den „Roten Brigaden“ ebenfalls internationale Unterstützung – sie kämpften für ein Sowjet-Spanien. In vordersten Front die deutsche Brigade, so dass sich auf spanischem Boden Deutsche gegen Deutsche gegenüber standen. Zur „Legion Condor“ zählten u.a.Bomber des Typs Heinkel He 111, Messerschmitt-Jäger und hubschraubergleiche Fieseler Storchs.

Der Falangist General Franco gewann den Bürgerkrieg, nicht zuletzt dank der „Legion Condor“. Er enttäusche Hitler aber, indem er sich weigerte, auf deutscher Seite im 2. Weltkrieg zu kämpfen. Für die „Legion Condor“ war das spanische Engagement äußerst verlustreich. Von insgesamt eingesetzten 26.116 Deutschen – sie wurden alle sechs Monate abgelöst – fielen 316. Außerdem gingen 96 Flugzeuge verloren.

Die „Legion Condor“ war wie die „Wagners“ der Versuch eines Staates, seine Ziele mit „privaten“ militärischen Mitteln ohne direkte Kriegshandlung durchzusetzen.

 

Wolfgang Will arbeite jahrelang als Auslandskorrospodent für den Axel-Springer-Verlag und als Chefredakteur u.a. in New York


Autor: Wolfgang Will
Bild Quelle: Kremlin.ru, CC BY 3.0 , via Wikimedia Commons


Mittwoch, 10 November 2021

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