Fauci, Drosten und die Dynamit-Mails: „Neue Form von Wissenschaftskriminalität“

Fauci, Drosten und die Dynamit-Mails: „Neue Form von Wissenschaftskriminalität“


Kürzlich bekannt gewordene E-Mails von Februar 2020 zeigen, dass namhafte Virologen schon damals Anthony Fauci und Christian Drosten mit Hinweisen auf einen Laborursprung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 konfrontierten. Doch eine Diskussion darüber wollten die beiden offenbar im Keim ersticken.

Fauci, Drosten und die Dynamit-Mails: „Neue Form von Wissenschaftskriminalität“

Von Stefan Frank

Für Achgut sprach Stefan Frank mit Professor Dr. Roland Wiesendanger von der Universität Hamburg. Der Physikprofessor hatte im Februar 2021 eine weltweit beachtete und mittlerweile in viele Sprachen übersetzte Studie über Hinweise auf einen Laborursprung des Virus veröffentlicht und war damals – als das Thema noch mit einem Tabu belegt war – in Deutschland von Journalisten angefeindet und verleumdet worden.

Herr Professor Wiesendanger, diesen Monat sind E-Mails bekannt geworden, die ein sehr schlechtes Licht auf Dr. Anthony Fauci, den Chefimmunologen des Weißen Hauses werfen. Was sind das für E-Mails und warum ist ihr Inhalt jetzt an die Öffentlichkeit gekommen?

Wiesendanger: Die E-Mails sind einer breiteren Öffentlichkeit durch die Veröffentlichung eines Briefes von republikanischen Abgeordneten in den USA bekannt geworden. Es geht um den E-Mail-Verkehr von Anthony Fauci mit einigen sehr angesehenen Virologen in der Zeitspanne vom 1. bis 4. Februar 2020, in Verbindung mit einer Telekonferenz vom 1.2.2020. Dieser E-Mail-Verkehr ist auf der Basis einer Klage gemäß dem Freedom of Information Act in den USA schon seit einigen Wochen verfügbar, war aber bislang nur Insidern bekannt. Dadurch, dass republikanische Abgeordnete diese E-Mails veröffentlicht haben, ist deren Inhalt nun auf breiter Front an die Medien und alle Interessierte weltweit gegangen. 

Warum sind diese E-Mails so brisant?

Das Brisante ist, dass hieraus ganz klar ersichtlich wird, dass wir es mit einer riesigen Vertuschung zu tun haben, was den Ursprung der Coronavirus-Pandemie anbelangt. Es ist offensichtlich so, dass bereits im Januar 2020 – bevor überhaupt allererste Infektionsfälle in Deutschland aufgetreten sind – mehrere führende Virologen Anthony Fauci darüber informiert haben, dass die Gensequenz des SARS-CoV-2-Virus, die ja seit dem 11. Januar 2020 weltweit bekannt war, eine Besonderheit aufweist, nämlich eine sogenannte Furin-Spaltstelle, die in der Untergattung von Coronaviren, zu der SARS-CoV-2 gehört, überhaupt nicht vorkommt. Diese Furin-Spaltstelle sorgt dafür, dass SARS-CoV-2-Viren besonders leicht in menschliche Zellen eindringen können und es zu einer sehr leichten Mensch-zu-Mensch Übertragung kommen kann, welche bislang für Coronaviren nicht bekannt war. Das war also etwas vollkommen Neues und gab mehreren Virologen Anlass, daraus zu schließen, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um einen nicht natürlichen Ursprung handele – dass also SARS-CoV-2 tatsächlich aus einem Labor in Wuhan stammen könnte. 

Schon in einem unserer beiden früheren Gespräche haben Sie ja darauf hingewiesen, dass diese Vermutung unter anderem aufgrund der räumlichen Nähe des Ausbruchsorts und des weltweit größten Instituts für Coronaviren-Forschung in Wuhan auf der Hand lag.

Genau. Im Februar 2020 hatten erstmals zwei chinesische Wissenschaftler diese Vermutung im Internet auf dem Portal „Research Gate“ öffentlich gemacht. Jetzt ist bekannt geworden, dass auch jene Virologen –  darunter sehr namhafte Virologen aus den USA und Deutschland –, die an der Telekonferenz vom 1.2.2020 beteiligt waren und sich über E-Mails austauschten, tatsächlich die gleiche Vermutung hatten und bereits im Januar 2020 eine Warnung gegenüber Fauci aussprachen. Aus der E-Mail-Korrespondenz geht hervor, dass es offensichtlich eine Absprache gab, koordiniert durch Anthony Fauci, Francis Collins – dem damals obersten Leiter der National Institutes of Health in den USA, der ja Ende letzten Jahres zurückgetreten ist – und Jeremy Farrar vom Wellcome Trust. Die wesentliche Konsequenz dieser Absprache war, dass diejenigen, die an dieser Telefonkonferenz beteiligt waren, innerhalb von wenigen Tagen ihre ursprüngliche Vermutung aufgegeben und ihre Meinung um 180 Grad gedreht haben.

Was haben diese Virologen dann gemacht?

Schon zwei bis drei Tage nach dieser Telekonferenz haben sie drei Dinge eingeleitet: Sie haben unter Federführung von Peter Daszak jenen bekannten offenen Brief in der Medizin-Zeitschrift The Lancet organisiert, der von 27 führenden Virologen unterschrieben und in dem die Labortheorie als „Verschwörungstheorie“ gebrandmarkt wurde. Dies erfolgte zu einem Zeitpunkt, als niemand einen Laborursprung ausschließen konnte. Weiterhin haben sie einen entsprechenden Brief an den Präsidenten der National Academy of Sciences in USA gesandt. Sie haben ferner eine Fachpublikation in der Zeitschrift Nature Medicine unter der Federführung von Kristian Andersen initiiert, die stark dazu beitrug, die Öffentlichkeit und vor allem die Medienwelt in die Irre zu führen. In dieser Publikation wird in der einleitenden Zusammenfassung – dem abstract – sehr scharf formuliert, dass es keinen nicht natürlichen Ursprung geben könne, während die Sache am Schluss der Publikation dann doch wieder recht offen gelassen wurde. Der Text wurde aber wohl von den meisten nicht zu Ende gelesen. Jedenfalls wurden in dieser Publikation keine starken Argumente gebracht – trotzdem haben solche Maßnahmen dazu beigetragen, dass die Welt dieses Narrativ – dass die Labortheorie eine Verschwörungstheorie sei – übernommen hat, auch alle Journalisten.

Nun aber stellt sich brisanterweise heraus, dass die Virologen, die an dieser Telekonferenz teilgenommen haben, eine ganz andere Ansicht hatten – eine, die übereinstimmt mit der Ansicht von drei Nobelpreisträgern: Luc Montagnier aus Frankreich, einem Nobelpreisträger von der Kyoto University und einem Nobelpreisträger aus Kalifornien, David Baltimore, der sogar von einem smoking gun [wörtlich: „rauchende Pistole“; im Englischen eine Metapher für einen schier unwiderlegbaren Beweis; S.F.] gesprochen hat, nämlich dieser Furin-Spaltstelle in SARS-CoV-2. Das heißt: Das, was immer kommuniziert wurde, dass es angeblich einen breiten Konsens in der Virologie gegeben hätte, dass SARS-CoV-2 natürlichen Ursprungs sei, ist durch diese Offenlegung nun ganz klar widerlegt und ins Gegenteil verkehrt. Es gab einen Konsens unter führenden Virologen, dass diese Furin-Spaltstelle eindeutig auf einen nicht natürlichen Ursprung, d.h. auf einen Laborursprung hinweist. Man hat es nur aus politischen Gründen und aus Gründen des Selbstschutzes der virologischen Forschung gegenüber der Öffentlichkeit ins Gegenteil verdreht und die Weltgemeinschaft somit in die Irre geführt.

Anthony Fauci verteidigte sich in einem Fernsehinterview: Er habe einen Laborursprung nie ausgeschlossen, einen natürlichen Ursprung lediglich für wahrscheinlicher gehalten und sehe das auch jetzt noch so. Angeblich hat er also seine Position nicht geändert.

Jeder kann recherchieren, was Fauci wirklich zwischen Februar 2020 und Ende 2020 gesagt hat.  Er war genauso wie die anderen Teilnehmer der Telekonferenz im Lager der Zoonose-Theorie des natürlichen Ursprungs. Das ist ja auch nicht verwunderlich. Man muss wissen, dass Anthony Fauci vor zehn Jahren, im Jahr 2012, in einem wissenschaftlichen Beitrag äußerte, dass der Erkenntnisgewinn aus der so genannten gain-of-function-Forschung, die an diversen Viren – auch an Corona-Viren – durchgeführt wird, um sie u.a. auch für menschliche Zellen infektiöser zu machen, das damit verbundene Risiko einer weltweiten Pandemie überwiegen würde. Als sich nun Anfang 2020 abzeichnete, dass es zu einer Pandemie kommt und der Ausbruch tatsächlich in der Nähe jener Institute geschah, die weltweit die intensivste Forschung an Coronaviren und insbesondere auch biotechnologische Manipulation an Coronaviren im Zuge der gain-of-function-Forschung durchgeführt haben – da hat Anthony Fauci natürlich sofort die Gefahr gesehen, dass, wenn dieser Zusammenhang zwischen der Pandemie und einem Laborunfall sich etabliert, es dann nicht nur Probleme für die chinesische Seite geben würde, sondern natürlich auch für ihn selbst und alle anderen Virologen, die diese gain-of-function-Forschung über zehn Jahre unterstützt bzw. selbst durchgeführt haben, ungeachtet des Moratoriums, das die Obama-Administration über die Förderung solcher Forschung wegen deren Gefährlichkeit verhängt hatte.

Trotzdem hat Anthony Fauci – und das ist belegt – dieses Moratorium, welches in der Zeit zwischen 2014 und 2017 bestand, umgangen und nach wie vor Gelder über die EcoHealth Alliance an das Wuhan-Institut für Virologie geleitet. Wenn es sich in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit verfestigt hätte, dass gerade dieses Labor die gegenwärtige Pandemie ausgelöst hat, wären natürlich Anthony Fauci, Peter Daszak, der Präsident der EcoHealth Alliance und alle Involvierten in extreme Schwierigkeiten geraten. Diese Probleme werden sie nun natürlich erst recht bekommen, nachdem die Vertuschungsaktion aufgeflogen ist. Aber sie haben tatsächlich geglaubt, dass sie mit dieser Vertuschung durchkommen würden. 

Doch jetzt sind Fauci & Co. aufgeflogen. Die E-Mail-Korrespondenz wurde bekannt, und auch die Republikaner im US-Kongress stellen Fragen.

Ja, insbesondere Senator Rand Paul aus Kentucky, der Anthony Fauci mehrfach mit unangenehmen Fragen gelöchert hat. Es gab mehrere Anhörungen, auch andere US-Senatoren haben ihn ausgefragt. Und es kam dann dazu, dass Anthony Fauci vor dem US-Kongress eine Aussage getätigt hat, die viele als Meineid ansehen. Er hat unter Eid ausgesagt, dass die National Institutes of Health keine gain-of-function-Forschung am Wuhan-Institut gefördert hätten – obwohl nachträglich herauskam, dass sehr wohl solche Forschung in Wuhan gefördert wurde, und führende Fachvertreter aus den USA dies auch ganz klar als gain-of-function-Forschung angesehen haben. Da gibt es keinerlei Spielraum für Interpretationen: öffentlich gewordene Forschungsberichte der EcoHealth Alliance haben bestätigt, dass durch biotechnologische Manipulation eine Steigerung der Infektiösität von Coronaviren erreicht wurde. Das ist definitionsgemäß gain-of-function-Forschung. Darum werden in den nächsten Wochen sicherlich verstärkt Rücktrittsforderungen gegenüber Anthony Fauci laut werden. 

Sie haben mehrfach die EcoHealth Alliance erwähnt. Was ist das für eine Organisation?

EcoHealth Alliance, deren Präsident Peter Daszak ist [und der von der WHO 2020 mit der Leitung einer Untersuchung des Corona-Ursprungs betraut wurde; S.F.], hat über viele Jahre extrem hohe Summen von verschiedenen amerikanischen Firmen und Forschungsförderinstitutionen eingesammelt – angefangen bei jener Unterabteilung der National Institutes of Health, die von Anthony Fauci geleitet wird, aber auch von anderen amerikanischen Förderorganisationen, um das Pandemiepotenzial von biotechnologisch veränderten Viren zu untersuchen. Das heißt: Man hat insbesondere Coronaviren im Labor verändert und neue chimäre (zusammengesetzte) Coronaviren geschaffen, um zu zeigen, wie solche Manipulationen dazu führen könnten, dass sie für den Menschen besonders stark ansteckend werden. Die Zielsetzung war, herauszufinden, ob solche Veränderungen vielleicht auch natürlich ablaufen könnten und welche Gefahren für den Menschen drohen könnten. Tatsächlich aber hat diese Forschung in den letzten zehn, fünfzehn Jahren keinerlei Nutzen gebracht, sondern nur bedeutende Gefahren. Das wird von allen vernünftig denkenden Wissenschaftlern so gesehen. Durch entsprechende Bemühungen – und das ist neben der Veröffentlichung der Fauci-Korrespondenz in den letzten Wochen so unglaublich wichtig geworden – sind entsprechende Forschungsanträge der EcoHealth Alliance öffentlich geworden, in denen die beteiligten Wissenschaftler unter Federführung von Peter Daszak, aber auch Zheng-Li Shi vom Wuhan-Institut für Virologie und andere Beteiligte, tatsächlich in ihren Forschungsanträgen schreiben, dass sie sogenannte Furin-Spaltstellen einbauen wollen, sowohl in SARS- als auch in MERS-Viren. MERS-Viren sind auch Coronaviren, aber noch einmal um den Faktor 10 bis 15 tödlicher als SARS-Viren. Das hat die internationale Community nun besonders aufgebracht, weil hier ein Dokument nun vorliegt, welches belegt, dass Virologen tatsächlich Experimente geplant und beantragt haben, die von ihrer Auswirkung her das Potenzial zu einem Ereignis haben, das vergleichbar ist mit einem Völkermord, um es einmal ganz deutlich zu sagen.

Virologen planten also – und das ist keine Spekulation, sondern ist nachprüfbar öffentlich geworden in niedergeschriebenen Anträgen – eine Forschung, die so risikoreich ist, dass man die ganze Menschheit der Gefahr einer riesigen Katastrophe aussetzt. Denn jedem ist bewusst, dass kein Labor der Welt sicher genug ist, und man weiß, dass diese Experimente an Coronaviren nicht in biotechnologischen Laboren der höchsten Sicherheitsstufe 4 durchgeführt wurden, sondern in solchen der Stufe 2. Das ist absolut unverantwortlich. Und nun ist ganz klar der Zusammenhang zu sehen: zwischen diesen Forschungsanträgen von 2018, in denen die beteiligten Wissenschaftler sogar schreiben, dass sie planen, solch eine Furin-Spaltstelle in SARS-ähnliche Coronaviren einzubauen, um es diesen zu erlauben, sehr viel einfacher in menschliche Zellen einzudringen, auf der einen Seite; und auf der anderen Seite dem übereinstimmenden Tenor der führenden Virologen, die genau dieses Charakteristikum des SARS-CoV-2-Virus als besonders starken Hinweis auf einen Laborursprung sehen, wie wir das nun durch die Fauci-E-Mails wissen.

Wenn man diese beiden Dinge zusammenbringt, dann kann man nicht mehr zu einem anderen Schluss kommen, als dass dieses Virus Folge eines Laborunfalls in Wuhan ist.

Dieser war nicht allein die Schuld der chinesischen Regierung und des Wuhan-Instituts für Virologie, sondern eines internationalen Netzwerks von Virologen. Kann man das so sagen?

Ja, insbesondere unter Beteiligung von US-Amerikanern. In meiner Studie zum Ursprung der Corona-Pandemie, veröffentlicht vor ziemlich genau einem Jahr, habe ich ja bereits den Förderbescheid, den Daszak von der von Fauci geleiteten Unterabteilug der National Institutes of Health erhalten hat, abgedruckt und dazu geschrieben, dass diese extrem risikoreiche Forschung mit amerikanischen Steuergeldern gefördert wurde und diese extrem große Gefahr nicht nur durch die chinesische Seite heraufbeschworen wurde, sondern dass auch die amerikanische Seite in bedeutsamer Weise involviert war und genau wie die chinesische Seite ein Interesse daran hatte, die Wahrheit über den Ursprung von SARS-CoV-2 geheim zu halten. 

Das klingt nach verrückten Wissenschaftlern mit übertriebenem Ehrgeiz. Ging es auch um finanzielle Interessen?

Wiesendanger: Ja, natürlich. Beides. Einerseits ging es um das Prestige der beteiligten Wissenschaftler. Ich will noch einmal deutlich sagen: Die Katastrophe, die wir derzeit erleben, ist nicht in erster Linie die Folge eines Versagens von Staaten wie China oder USA. Es ist zunächst einmal das Versagen von Wissenschaftlern, die sich offensichtlich ihrer Verantwortung nicht bewusst waren. Man hat letztlich nur auf das eigene Prestige geschaut. Dieser Punkt ist in der Wissenschafts-Community auch diskutiert worden. Man hat den Grad der Gefährlichkeit der Viren, die man biotechnologisch manipuliert hat, als Maßstab genommen für die Hochwertigkeit einer neuen wissenschaftlichen Fachpublikation. Das heißt: Je größer das Pandemiepotenzial war, das man aufzeigen konnte, desto hochrangiger konnte man publizieren – etwa in Nature und Science, das sind die angesehensten Zeitschriften, die da infrage kommen. Tatsächlich haben Zheng-Li Shi, Peter Daszak und andere Involvierte wie Ralph Baric eine Publikation nach der anderen in diesen höchst angesehenen Zeitschriften veröffentlichen können. Je gefährlicher die Viren geworden sind, desto größer war das Aufsehen: Da könnte ja eine Pandemie drohen. Desto stärker war dann auch die Bereitschaft der Förderorganisationen, Geld zu geben. Weil man argumentiert hat: Da lauert Gefahr, wir müssen unbedingt Geld in diese Forschung geben. Das Jahresgehalt von Peter Daszak, wie auch das von Anthony Fauci, liegt bei weit über 400.000 Dollar, noch über dem des amerikanischen Präsidenten. Es war für die Beteiligten also nicht nur eine Prestigefrage, auch in China nicht. Dort ist es nämlich so, dass das Gehalt stark von der Anzahl der Publikationen in hochrangigen Zeitschriften abhängt. Neben dem rein wissenschaftlichen Prestige ging es also tatsächlich auch um Geld.

Im Herbst wurde ein Bericht der amerikanischen Geheimdienste zum möglichen Ursprung des SARS-CoV-2-Virus veröffentlicht. Hatten diese Nachrichtendienste denn eigentlich keinen Zugriff auf Anthony Faucis E-Mails?

Wir müssen unterscheiden zwischen dem öffentlich gewordenen Teil des Geheimdienstberichts und dem nicht öffentlichen Teil. Wir kennen natürlich alle nur den öffentlichen Teil, und darin ist, wie Sie wissen, nichts enthalten, was irgendwie von Wert wäre: Eine schwammige Zusammenfassung, aus der nichts hervorgeht. Das war auch nicht anders zu erwarten. Welche Regierung der Welt würde offenlegen, dass sie selbst wesentlich in diese Forschung involviert ist und zum Ausbruch der gegenwärtigen Pandemie beigetragen hat? Nehmen wir an, es wäre hundertprozentig gesichert, dass es ein Laborunfall war – dann gäbe es ja unglaubliche Schadensersatzansprüche von allen Ländern der Erde, nicht nur gegenüber China, sondern auch gegenüber den USA. Welche Regierung würde so etwas eingestehen? Sie können das schon daran festmachen, dass der amerikanische Präsident Donald Trump im Frühjahr 2020 eine ganz starke Aussage gemacht hat, dass dieses Virus aus dem Labor in Wuhan stammt. Aber er ist dann Belege schuldig geblieben. Und auch noch im Herbst 2021 hat er einem TV-Sender ein Interview gegeben; auf die Frage, ob er wisse, was die Ursache der Pandemie sei, hat er klar mit ja geantwortet. Dann hat der Reporter gefragt: Was ist denn die Ursache? Woraufhin Trump wörtlich sagte, er dürfe das nicht sagen.

Auch ein amerikanischer Präsident darf eben nicht alles preisgeben, auch wenn er Donald Trump heißt und insbesondere, wenn nationale Interessen Amerikas berührt sind. Das heißt auch, dass wir gar nicht erwarten können, von amerikanischen Geheimdiensten die volle Wahrheit zu erfahren. Darum musste von Initiativgruppen Druck gemacht werden, damit diese Forschungsanträge und die Fauci-E-Mails öffentlich werden – das ist ja eben nicht durch die amerikanischen Geheimdienste erfolgt, obwohl diese die direktesten Zugänge zu diesen Unterlagen gehabt hätten. Aus Gesprächen mit amerikanischen Kollegen weiß ich, dass die Geheimdienste, die von Präsident Joe Biden beauftragt waren, überhaupt nicht intensiv nachgeforscht haben. Alles, was wir heute über den Ursprung von SARS-CoV-2 wissen, verdanken wir Initiativen von Wissenschaftlern und auch von Laien, die im Internet recherchiert haben und Gruppen wie US Right to Know, die Initiativen gestartet haben, um diese Vorgänge ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen.

Was erwarten Sie, wie das weitergehen wird? Und was muss beziehungsweise kann passieren, um die Öffentlichkeit aufzurütteln? Es sind ja nun hochexplosive Informationen bekannt geworden, es ist aber nicht so, als würden alle Zeitungen und Rundfunksender darüber berichten.

Vor allem in Deutschland nicht. In den USA ist das in allen Medien ein unglaublich heiß diskutiertes Thema, natürlich auch, was die politischen Konsequenzen betrifft. Aber Sie haben vollkommen recht, dass insbesondere die Mainstream-Medien in Deutschland dieses Thema unter den Tisch kehren – auch die Tatsache, dass auch ein deutscher Virologe an jener Telekonferenz vom 1. Februar 2020 beteiligt war und nachweislich mit dazu beigetragen hat, dass es zu dieser Vertuschung kam.

Sie sprechen von Christian Drosten?

So ist es, ja. Einzig Redakteure von Tichys Einblick haben im Kontext dieser Veröffentlichungen darüber geschrieben, dass Herr Drosten noch im Mai 2020 in Bezug auf einen möglichen Laborursprung in einem NDR-Podcast-Interview von „Unsinn“ gesprochen hat. Er sagte damals: „Was ich höre, auch von scheinbaren Fachleuten, das entbehrt einfach jeder Grundlage. Deren Wissensstand geht nicht über eine oberflächliche Kenntnis von Studentenlehrbuchwissen hinaus. Und mit dieser Wissensbasis posaunt man dann Videos in die Welt und stärkt den wirklich gefährlichen Verschwörungstheoretikern, die auch zum Teil politische Agenden haben, den Rücken. Das ist unverantwortlich.“ Dies ist der Beweis dafür, dass Herr Drosten in dieses ganze Lügengebäude involviert ist. Er hat unbestreitbar die Information gehabt, dass eine Gruppe von zahlreichen führenden und namhaften Virologen bereits im Januar/Februar 2020 das wissenschaftlich begründete Verdachtsmoment eines Laborursprungs von SARS-CoV-2 hatte. Wenn er dann in einem Podcast im Mai 2020 sagt, dass das alles „scheinbare Fachleute“ seien, mit „oberflächlicher Kenntnis aus Studentenlehrbüchern“, dann ist das ein Skandal, der endlich auch öffentlich werden muss.

Jetzt ist ein Punkt erreicht, wo man das nicht länger hinnehmen kann. Das ist eine Irreführung der Öffentlichkeit und man muss deutlich sagen, dass Herr Drosten – wie auch alle anderen Kollegen, die in diese Vertuschung involviert sind – eine schwerwiegende Verantwortung dafür tragen, dass nicht rechtzeitig – bereits im Februar 2020 – China dazu gedrängt werden konnte, eine Untersuchungskommission nach Wuhan zu schicken und die Vorgänge im Institut für Virologie detailliert untersuchen zu lassen. Australien war ja das einzige Land damals, das diese Untersuchung zeitnah und unmittelbar vor Ort gefordert hat, welche logisch und dringend erforderlich gewesen wäre. 

Es war ja nicht nur Herr Drosten, der das in Deutschland gemacht hat – es sind exakt die Teilnehmer dieser Telekonferenz vom 1.2.2020, die in ihren jeweiligen Ländern – also USA, Großbritannien etc. – die gleiche Rolle wie die von Herrn Drosten übernommen und der Öffentlichkeit medienwirksam diese Zoonose-Theorie als einzig plausible Theorie verkauft haben, während alles, was in Richtung Laborunfalltheorie ging, als Verschwörungstheorie gebrandmarkt wurde. Das war eine Irreführung der Weltgemeinschaft sowie der gesamten Medien- und Wissenschaftswelt. Das ist extrem verwerflich. Herr Drosten hat als Wissenschaftler jegliche Glaubwürdigkeit verloren. Es ist die Aufgabe der Wissenschaft, zur Wahrheit zu stehen und nicht irgendwelche politischen Agenden oder gar persönliche Interessen in den Vordergrund zu stellen. Das ist eine Katastrophe für die gesamte Wissenschaft. 

Hätte man mit mehr Wissen über den Ursprung des Virus denn in der Praxis einiges anders gemacht – etwa bei der Eindämmung der Pandemie?

Es hätte viele Dinge gegeben, die man anders hätte machen können. Diese Warnungen bezüglich eines sehr wahrscheinlichen Laborursprungs von SARS-CoV-2 gab es ja schon im Januar, spätestens Anfang Februar 2020. Das war zu einer Zeit, bevor sich COVID-19 groß in Europa verbreitet hat. Sowohl von der Kommunikation als auch von der Reaktion her hätte man von diesen Einsichten profitieren können, insbesondere die Reaktion vonseiten der Politik. Wenn von Anfang an klar gewesen wäre, dass das ein vollkommen neues Virus ist, welches künstlich erschaffen wurde – mit einer nahezu perfekten Anpassung an den Menschen – und eben nicht vergleichbar ist mit irgendwelchen sonstigen, natürlich vorkommenden Viren, dann wäre die ganze Diskussion nicht aufgekommen, dass COVID-19 vielleicht „wie eine Grippe“ sei – nein! Der wesentliche Unterschied ist, dass Grippeviren natürlichen Ursprungs sind, während wir es hier mit einem an den Menschen angepassten künstlichen Virustyp zu tun haben, der an das Andocken an menschliche ACE2-Zellrezeptoren und an das Eindringen in menschliche Zellen mittels der Furin-Spaltstelle optimiert wurde. Wenn das von Anfang an klar gewesen wäre, hätte es mit Sicherheit viele komplett überflüssige Diskussionen – ob das Virus potenziell gefährlich ist oder nicht – überhaupt nicht gegeben. Das liegt in der Verantwortung all derer, die das vertuscht haben.

Und das ist nun eine Tatsache seit Veröffentlichung der Fauci-Emails – unabhängig davon, dass es Leute gibt, die den Laborursprung immer noch bestreiten. Es steht fest, dass es nicht nur eine Vertuschung vonseiten der chinesischen Regierung und chinesischer Wissenschaftler gab, sondern führende Virologen aus zahlreichen Ländern haben diese Vertuschung mitgetragen und sind somit mitverantwortlich, dass nicht rechtzeitig durch die Weltgemeinschaft in angemessener Weise reagiert werden konnte.

In einer dieser E-Mails von Anthony Fauci verleiht er der Befürchtung Ausdruck, dass eine Diskussion über einen Laborursprung der „Wissenschaft im Allgemeinen“ und „insbesondere der in China“ „unnötigen Schaden“ zufügen könnte und Wissenschaftler „ablenken“ könnte. In einer E-Mail vom April 2020 äußert er die Hoffnung, dass die Diskussion irgendwann von allein verschwinden werde.

Ja, das ist schön formuliert. Man könnte auch sagen, dass der größte Schaden bei ihm selbst entstanden wäre, weil er diese gefährliche gain-of-function-Forschung über viele Jahre hinweg vehement verteidigte und förderte und er selbst in der Verantwortung stand, nicht zuletzt, weil er das Moratorium der amerikanischen Regierung unter Barack Obama umgangen hatte. Er trägt die volle Verantwortung; er wäre haftbar zu machen, und deshalb darf man gespannt sein, wie die juristischen Verfahren gegen ihn in den USA, die bereits angelaufen sind, weitergehen werden. Die totale Blindheit gegenüber dem riesigen Gefahrenpotenzial der gain-of-function Forschung, die er gefördert und nachweislich ausgelagert hat, weil – nach seiner eigenen Auskunft – zu hohe Gefahrenpotenziale für die amerikanische Bevölkerung daraus resultierten. Das ist eine Aussage, die ganz deutlich macht, dass ihm das Gefahrenpotenzial bewusst war. In der besagten E-Mail-Korrespondenz über einen möglichen Laborursprung wurde auch darüber gesprochen, dass eine Diskussion darüber die „internationale Harmonie stören“ könne. In Wirklichkeit wollte Fauci zuerst einmal seinen eigenen Hals aus der Schlinge ziehen.

Glauben Sie, dass es eine parlamentarische Untersuchung wie in den USA auch in Deutschland geben wird – und dass Christian Drosten sich wird verantworten müssen?

Ich hoffe, dass es dazu kommt. Allerdings sind dies Themen, die nicht nur national, sondern auch international vorangebracht werden müssen, denn die Auswirkungen sind ja global. Alle Staaten der Welt haben das, was diese Virologen angerichtet haben, auszubaden. Das ist übrigens nicht nur eine Frage der Wissenschafts-Community. Es wurde ja darauf verwiesen: „Lasst doch die Wissenschaft das ausdiskutieren.“ Dann wurde es politisch, als US-Präsident Donald Trump Position bezog. Aber mittlerweile ist es auch nicht mehr nur eine Frage der Politik. Es geht um den dringenden Tatverdacht einer millionenfachen fahrlässigen Tötung und den dringenden Tatverdacht der Vertuschung von Straftaten. Darum beginnt nun eine juristische Diskussion, nicht nur in einzelnen Ländern, sondern international. Das muss aufgearbeitet werden, auch von juristischer Seite. Denn das, was uns zukünftig drohen könnte, das ist ja gerade durch die öffentlich gewordenen Forschungsanträge von Daszak und seiner Co-Autoren jetzt erst allen bewusst geworden. Wenn Virologen planen, gain-of-function Forschung mit MERS-Viren zu machen, die zehn- bis fünfzehnmal tödlicher sind – und sie wollten, wie eben erwähnt, tatsächlich Furin-Spaltstellen auch in MERS-Viren einbauen –, dann hat ein Forschungsplan mit einer solchen Absicht mögliche Konsequenzen zur Folge, die nicht mehr geduldet werden können.

Wenn bekannt wird, dass irgendjemand Anschläge plant mit einem solch hohen Vernichtungspotenzial, dann werden üblicherweise sofort entsprechende staatliche Stellen tätig. Wir haben es hier jedoch mit einer neuen Form von „Wissenschaftskriminalität“ zu tun – diese Bezeichnung ist angesichts des Ausmaßes der Gefahrenpotenziale angemessen und zutreffend – und offensichtlich gibt es noch keine offiziellen Stellen, die darauf sensibilisiert sind. Wenn Virologen so etwas vorhaben, die gesamte Menschheit solchen nicht kontrollierbaren Risiken und Gefahren auszusetzen, dann ist das keine Frage der Wissenschaft allein mehr, auch nicht mehr nur der Politik, sondern bald verstärkt eine juristische, die zukünftig den Internationalen Gerichtshof oder den Internationalen Strafgerichtshof beschäftigen dürfte. 

 

Erstveröffentlicht bei der Achse des Guten


Autor: Stefan Frank
Bild Quelle: RWiesend, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons


Freitag, 21 Januar 2022

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