Muss man Russland beschuldigen und hassen?

Muss man Russland beschuldigen und hassen?


Die Ukraine – erst Partner, jetzt Ankläger gegen Deutschland – Nun erzwingt sie den Rücktritt des Vizeadmirals Schönbach – Badische Zeitung sieht russische Einkreisung der Ukraine

Muss man Russland beschuldigen und hassen?

Von Albrecht Künstle

Schon lange fordert die Ukraine Waffen von Deutschland, als ob sie nicht genügend von den USA und England erhalten hätten. Ausgerechnet von Deutschland als Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches, dessen Wehrmacht unter dem „Führer“ 82 Jahre zuvor die Ukraine als Durchmarschgebiet gen Russland heimsuchte und als Kornkammer Kriegsdeutschlands herhalten musste. Hitler wollte auch in diesem Land 20 Millionen Deutsche ansiedeln, nicht nur in der Sowjetunion. Bereits im Oktober 1939, also unmittelbar nach der Eroberung der westukrainischen Gebiete, bat die gewählte „Westukrainische Nationalversammlung“ um den Beitritt zur UdSSR, welcher schließlich per Gesetz erfolgte.

Heute verlangen die Ukrainer den Beitritt zur NATO – nicht die gesamte ukrainische Bevölkerung, aber deren Regierung. Obwohl sich diese schon einmal eine blutige Nase geholt hatte, schlagen sie sich heute wieder auf die Seite derer von denen sie glauben, dass diesen die Zukunft gehöre. Sie wollen nicht wie die Finnen und Schweden neutral bleiben, obwohl jenen ihr Status zwischen dem Ostblöckchen OVKS und dem Westblock NATO gut bekommen ist. Haben sie denn keine Skrupel, erneut als Aufmarschgebiet aus dem Westen Richtung Osten missbraucht zu werden? Wie anders ist die Politik der NATO zu beurteilen, sich nach dem Beitritt von neun neuen Ländern Mitteleuropas zu diesem Militärbündnis, das kaum mehr ein Verteidigungsbündnis ist, nun auch die Ukraine krallen zu wollen.

Ironie der Geschichte: Damals rief die Regierungsclique nach den Herrschern im Osten, heute nach denen im Westen. Ob ihnen das besser bekommen wird? Damals waren die Opfer in der Ukraine hauptsächlich Juden – 850 000 ohne die nichtjüdischen Ukrainer. Diese wären heute nicht mehr die Hauptopfer, weil es nur noch 300 000 gibt. Dafür haben sich die Muslime auf zwei Millionen vermehrt. Diese kommen in unseren Medien überhaupt nicht vor. Auch nicht, dass sich die Ukraine von Erdogan Drohnen liefern lässt. Die Ukraine hat immerhin halb so viele Einwohner wie die Bundesrepublik und ist entsprechend wehrfähig. Sie hat 191 000 Soldaten, mehr als die Bundeswehr, und eine Million Reservisten. Die Ukraine hat nicht nur eigene Waffen, sondern darüber hinaus so viele Waffen aus NATO-Ländern in Stellung, dass sie fast darin zu ersticken droht.

Doch unsere (?) Medien und Politiker machen die Russen als Gefahr für Europa aus. Und wer Zweifel an dieser verzerrten Darstellung anmeldet, wie der Inspekteur der Deutschen Marine, Kay-Achim Schönbach, der wird auf Druck der Ukraine gezwungen, seinen Dienst zu quittieren. „Die Krim ist weg“, meinte er und bekommt dafür Prügel. Was wäre, würde jemand umgekehrt sagen, „die früheren Ostgebiete Deutschlands können nicht weg sein“? Er sagte auch nicht wie in den Medien behauptet, ein Einmarsch der Russen wäre Nonsens, sondern Schönbach sagte, dass sich Russland ukrainisches Territorium aneignen wolle, sei Nonsens. Aber scheinbar ist es in unserem Land nicht mehr möglich, Russen als kulturell ebenbürtiges Nachbarvolk zu sehen, sondern Russland unter Putin nur als eine kriegslüsterne Macht des Bösen. Doch Schönbach ging bereits in Sack und Asche, wie das aus Schauprozessen bekannt ist. Jedenfalls behält er mit dem Schuldbekenntnis seine Pension.

Dabei brauchen die Russen nicht einmal einzumarschieren, sie sind schon in der Ukraine. Warum? Zum einen sind das Eingeheiratete, die nach der Auflösung des Warschauer Pakts und dem Rückzug der von Russen kontrollierten Waffen bei ihrer ukrainischen Freundin oder Frau blieben und dort Wurzeln schlugen. Der eigentliche Grund reicht aber ins Ende des 19. Jahrhunderts zurück. Die Südostküste der Ukraine, der Donbass am Asowschen Meer, wurde damals industrialisiert und brauchte Bergleute und Stahlarbeiter. Die meisten wurden aus dem zaristischen Russland geholt und sie blieben. Und neben Kohle brachten sie bzw. ihre Frauen auch Kinder ans Licht der Welt – über Generationen hinweg. Das galt zwar auch für die Ukrainer/innen, aber Millionen wanderten in den Westen aus und überließen Land den Russen.

Heute halten sich in Mariupol Ukrainer und Russen die Waage, 90 Prozent sind russischsprachig. Im unweiten Donezk, das von Separatisten beherrscht wird, dominiert Russisch noch mehr. Dort herrscht schon lange ein täglicher Kleinkrieg zwischen den Volksgruppen. Übrigens könnte das ein Vorgeschmack auf die Zukunft Deutschlands sein, wenn zu dem Viertel Migrantenanteil noch mehr hereingeholt oder -gelassen werden. Schon jetzt wurden Deutsche aufgefordert, endlich türkisch zu lernen, weil es von Türken dominierte Stadtviertel gibt.

Wird neben „Russenverstehern“ auch die Schweiz geächtet und der Botschafter ausgewiesen, weil der historisch bewanderte Christian Müller die tatsächliche Geschichte beschrieb, wie auch ich es mit zwei Artikeln tat. Russland forderte am 17. Dezember 2021 lediglich die Zusagen ein, die ihm in zwei OSZE-Konferenzen gemacht worden waren. Der bei INFOsperber erschienene Nachhilfeunterricht in Geschichte attestiert Russland das Recht auf die begehrte Sicherheitsgarantie: «Jeder Staat wird diesbezüglich die Rechte aller anderen respektieren. Sie werden ihre Sicherheit nicht auf Kosten der Sicherheit anderer Staaten festigen.»

Was führt die USA im Schilde? Während die USA auf der ganzen Welt gegen tausend Militärbasen betreibt, hat Russland außerhalb der ehemaligen Sowjetunion gerade einmal eine Militärbasis in Syrien, um sich den Zugang zum Mittelmehr offen zu halten. Und hat sie nicht aus ihren verlorenen Kriegen gelernt – Vietnam, Irak, Afghanistan u.a.? Und haben unsere Medien und Politiker nichts daraus gelernt, dass wir nach den letzten Kriegen noch größere Lasten tragen mussten als die USA? Diese „kriegen“ im Wortsinn und wir kriegen die Splitter ab in Form von Migration. Bei einem Krieg gegen Russland wäre es nicht anders.

Russland tut es nun den USA und Großbritannien nach und verlegt S-400 Luftabwehrraketen nach Belarus. Das ist die kleine Version der Situation von 1962, als zuerst die USA atomare Mittelstreckenraketen gegen Russland in der Türkei aufstellten, und dann die Russen dasselbe auf Kuba taten. Damals konnte ein Atomkrieg abgewendet werden. Heute gibt es noch weit schrecklichere Langstreckenraketen. Ob diese nun in den Arsenalen bleiben und „nur“ konventionelle Waffen zum Einsatz kämen?

Oder geht es nur um folgendes Kalkül? Wenn es hoffentlich zu keinem Krieg kommt, weil Russland vielleicht gar keinen will, wird der Westen sagen: Seht, man muss den Russen nur zeigen, wo der Hammer hängt. Und militärisch und mit Sanktionen drohen, dann hat sich die Strategie der Gewaltandrohung bewährt. Weil man das Gegenteil nicht beweisen kann, dass Putin nur die eigene Sicherheit wollte und keine „Vorwärtsverteidigung“ wie die NATO, wird diese Legende in die Geschichtsbücher eingehen. Ähnlich wie damals bei der Kubakrise.

Im letzten Bundestagswahlkampf wurden zwei Parteien als nicht wählbar aussortiert. Die AfD und die LINKE, weil sie ein kritisches Verhältnis zur NATO haben. Anfangs dachte Habeck, inzwischen jedoch viele Grüne darüber nach, der Ukraine ebenfalls Waffen zu liefern, die gegen Russen zum Einsatz kämen. Ein heißes Eisen, zumal diese Partei die Außenministerin stellt. Frau Baerbock spielte bei dem Antrittsbesuch in Kiew und Moskau die Diplomatenrolle, in die sie vom Kanzler geschickt wurde. Aber jetzt tut sie nichts zur Mäßigung und bereitet die „freiwillige“ Evakuierung des Botschaftspersonals vor. Der Konflikt entwickelt sich dramatischer als Omikron!

Zu unguter Letzt: „Die NATO verstärkt ihre Präsenz“ nochmals, titelt die Badische Zeitung vom 25. Januar. Nach den USA und England intervenieren nun auch andere Länder in der Ukraine. Soweit ist die Meldung zutreffend. Aber dann orakelt der Leitartikel-Schreiber, Putins Truppen umstellten die Ukraine von drei Seiten. Ihm sei hiermit folgende Rechnung aufgemacht. In 100-250 km Entfernung zur Grenze sollen 100 000 russische Soldaten stationiert sein. Die Grenze ist aber 1500 km lang, das wären alle 15 Meter einer. Würden sie die Ukraine mit einer Menschenkette umzingeln wollen, müssten es zehnmal so viele sein. Das ist etwa so, als ob Deutschlands Soldaten unsere Nachbarländer umzingeln wollten.

Die Scharfmacher unseres Landes wissen nicht mehr, welche Register sie noch ziehen sollen, um die russische Gefahr noch mehr zu dramatisieren, als sie tatsächlich ist. Man kann einen Krieg auch herbeischreiben.

 


Autor: Albrecht Künstle
Bild Quelle: Gerd Eichmann, CC BY-SA 4.0 , via Wikimedia Commons


Mittwoch, 26 Januar 2022

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