Al-Qaida Führer in Mali getötet

Al-Qaida Führer in Mali getötet


Frankreichs Armeeministerium hat die Tötung des bekannten Al-Qaida-Führers in Mali, Yahia Djouadi alias Abou Ammar al Jazairi, bekannt gegeben.

 Al-Qaida Führer in Mali getötet

Von Stefan Frank

Seit 2014 bekämpft Frankreich mit 5.000 Soldaten im Rahmen der sogenannten Operation Barkhane dschihadistische Milizen in Mali, Burkina Faso, dem Tschad, Mauretanien und Niger. Auch nach der Ankündigung des Rückzugs aus Mali im Februar gehen Militäroperationen in dem Land weiter.

Wie das französische Armeeministerium am 7. März in einer Presseerklärung bekannt gab, haben die Barkhane-Truppen in der Nacht vom 25. auf den 26. Februar 2022 eine Operation gegen einen hochrangigen Führer von Al-Qaida im Islamischen Maghreb (AQIM) und der Sammlung für den Sieg des Islams und der Muslime (JNIM/RVIM) etwa hundert Kilometer nördlich von Timbuktu, Mali, durchgeführt.

»Diese Operation führte zur Neutralisierung des algerischen Dschihadisten Yahia Djouadi alias Abou Ammar al Jazairi.«

Yahia Djouadi war der militärische Berater von AQIM-Emir Abdelmalek Droukdel, der im Juni 2020 ebenfalls von französischen Soldaten getötet worden war. Wie es in der Erklärung des französischen Armeeministeriums heißt, wurde Djouadi in einem Gebiet ausfindig gemacht und identifiziert, das als Zufluchtsort für Terrorgruppen von AQIM und JNIM/RVIM bekannt ist.

Dann sei er durch Bodentruppen getötet worden, die von einem Aufklärungs- und Kampfhubschrauber des Typs Eurocopter Tiger und zwei französischen Drohnen unterstützt worden seien. Bei der anschließenden Erkundung des Geländes seien Munition vernichtet und Waffen beschlagnahmt worden.

Die Tötung von Yahia Djouadi stärke die militärische Strategie der Barkhane-Einheiten, so das Ministerium. Während die Verlagerung der Barkhane-Streitkräfte aus Mali begonnen habe, gingen die Operationen gegen bewaffnete Terrorgruppen weiter, »insbesondere gegen die Hauptführer von AQIM und JNIM/RVIM und den Islamischen Staat in der Größeren Sahara (ISGS)«.

Im September letzten Jahres hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron die Tötung von ISGS-Chef Adnan Abu Walid al-Sahrawi verkündet.

Nun, so das französische Armeeministerium, seien das Regime von Al-Qaida und RVIM eines wichtigen Führers im Norden Malis und insbesondere in der Region Timbuktu beraubt worden. Der Emir der JNIM, Iyad ag Ghali, sei jetzt, nachdem auch der letzte seiner erfahrenen Handlanger von der Bühne verschwunden sei, »isoliert«.

Massaker an Zivilbevölkerung

Der etwa 50 Jahre alte Yahia Djouadi stammte aus Algerien. Er wurde in der westalgerischen Küstenstadt Idi bel Abbès, unweit der Metropole Oran, geboren. Im algerischen Bürgerkrieg der 1990er Jahre – der dadurch ausgelöst wurde, dass das algerische Militär den Wahlsieg der Islamischen Heilsfront bei den ersten freien Wahlen 1991 nicht anerkannte – schloss er sich islamistischen Milizen an.

1994 trat er der radikalsten von ihnen bei, derIslamischen Bewaffneten Gruppe (GIA). Er verließ sie drei Jahre später, zur Zeit der großen Massaker, die die GIA damals wahllos an Zivilisten verübte.

1997 gründete er seine eigene bewaffnete Organisation, die Salafistische Kampfgruppe (Al-Jamaa al-Salafiya al-Qitaliya). 1998 unterstützte er die Gründung von Hassan Hattabs Salafistischer Gruppe für Predigt und Gefecht (GSPC), die mit Osama bin Laden verbunden war.

2002 wurde Djouadi Teil der GSPC und ein Freund von Droukdel, der ihn 2011, nach der libyschen Revolution, nach Libyen beorderte. Dort wurde Djouadi 2015 nach Angaben der französischen Armee zum dortigen AQIM-Emir ernannt und übernahm eine Aufsichtsrolle, einschließlich der Verwaltung von Finanzierung, Logistik und der Ausbildung von Kombattanten.

2019 wurde Djouadi in Mali benötigt. Nachdem dort etliche AQIM-Führer getötet worden waren, übernahm er das Oberkommando von AQIM und RVIM und koordinierte Finanzen und Logistik.

Zu den bekanntesten Terroranschlägen von AQIM und RVIM gehören:

  • der Anschlag auf das Radisson Blu Hotel am 20. November 2015 in Bamako, bei dem rund zwanzig Menschen getötet und 170 verletzt wurden,
  • der Anschlag in Ouagadougou am 16. Januar 2016 auf das Hotel Splendid, bei dem 30 Menschen starben und 150 verletzt wurden,
  • die Anschläge am 13. März 2016 am Strand von Grand Bassam in der Republik Elfenbeinküste, bei denen etwa zwanzig Menschen getötet und an die dreißig verletzt wurden,
  • der Anschlag am 2. März 2018 auf die französische Botschaft und das Hauptquartier der burkinischen Armee in Ouagadougou, bei dem acht burkinische Soldaten getötet und mehr als 80 Menschen verletzt wurden, darunter etwa 20 Zivilisten.

»Historischer Akt«

Nun resümierte das französische Armeeministerium:

»Ein historischer Akteur bei der Ausbreitung von Al-Qaida und dschihadistischem Terrorismus in Westafrika wurde aus dem Weg geräumt. Seine Neutralisierung ist ein neuer bedeutender taktischer Erfolg für die Barkhane-Streitkräfte, die weiterhin entschlossen sind, den Kampf gegen bewaffnete terroristische Gruppen mit ihren Verbündeten aus der Sahelzone, Europa und Nordamerika fortzusetzen.«

Der Erfolg im Kampf gegen den dschihadistischen Terrorismus kommt zu einem wichtigen Zeitpunkt. In den letzten Jahren hat Russland seinen Einfluss in Mali und anderen Staaten Westafrikas ausgeweitet. Im Januar wurde der demokratisch gewählte Präsident Burkina Fasos bei einem Militärputsch gestürzt, nachdem er sich Berichten zufolge geweigert hatte, im Kampf gegen die dschihadistischen Milizen russische Söldner (»Gruppe Wagner«) ins Land zu holen.

Mit der Tötung Yahia Djouadis setzt Frankreich seine Entschlossenheit und Kampfkraft unter Beweis. Um aber die Akzeptanz der unter den Massakern der Dschihadisten leidenden Bevölkerung zurückzugewinnen, müsste Frankreich zeigen, dass es auch für Sicherheit sorgen kann. Das dürfte mit den relativ wenigen Soldaten in dem riesigen Gebiet kaum möglich sein.

Darum besteht weiterhin die Gefahr, dass sich die Menschen in Ländern wie Mali und Burkina Faso sagen: Frankreich hat die Massaker nicht gestoppt, lasst uns sehen, ob die Russen mit ihrer Art mehr Erfolg haben.

 

Erstveröffentlicht bei MENA Watch


Autor: MENA Watch
Bild Quelle:


Mittwoch, 16 März 2022

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