5779 Sonst wünschen wir uns ג Chag Same’ach Pessach oder Happy Passover!

5779 Sonst wünschen wir uns ג Chag Same’ach Pessach oder Happy Passover!


Diesmal ist es ein trauriges Pessach, vielleicht das dunkelste seit 1945

5779 Sonst wünschen wir uns  ג Chag Same’ach Pessach oder Happy Passover!

Von Torsten Kurschus

Wir feiern das Fest der Freiheit. Wir tun das in der Erinnerung in der ein Volk wirklich zu einem Volk wird. Es ist das Volk der Kinder Israels heute im jüdischen Jahr 5779

Wir feiern in einer Zeit, in der Schwestern und Brüder einer großen bunten Kultur vor einem brutalen Angriffskrieg, fliehen, leiden und für ihre Freiheit gegen ein brutales Regime kämpfen.

Das macht uns dieses Pessach zu schwer und das Ostern für unsere christlichen Schwestern und Brüder nicht besser.

Welcher Jude hat nicht immer den Tanach, die Geschichte oder Jerusalem im Geist, wenn er auch nur in die Nähe dieser drei Säulen kommt.

In Gen. 26,3 sagt der Chronist:

עִמְּךָ֖ וְאֶֽהְיֶ֥ה הַזֹּ֔את בָּאָ֣רֶץ גּ֚וּר

omk uaei ezath b‘aretz gur

Bleibe in diesem Land und ich werde mit Dir sein

וּלְזַרְעֲךָ֗ כִּֽי־לְךָ֣ וַֽאֲבָֽרֲכֶ֑ךָּ

ulzrok kilk uabrik

Und Dich schützen, damit du reiche Saat bekommst

הָאֵ֔ל אֶת־כָּל־הָֽאֲרָצֹ֣ת אֶתֵּן֙

e‘al atkleratzth atn

Ich will Dir geben all dieses Land

אֶת־ וַֽהֲקִֽמֹתִי֙

uekempti at

Ich werde Dich führen und halten,

נִשְׁבַּ֖עְתִּי אֲשֶׁ֥ר אֶת־הַשְּׁבֻעָ֔ה

naschboti asher ateschboe

Den Eid, den ich schwor,

אָבִֽיךָ לְאַבְרָהָ֥ם

l’Abraham abak

Deinem Vater Abraham

So sieht Verheißung aus. Das macht eine Zukunft hoffenswert die viel weiter reicht, als bis in eine Stadt, ein einstiges Bergdorf im Nahen Osten, das heute der ganzen Welt eigen ist.

Wir feiern den Auszug aus Ägypten. Es muss etwas Großes sein, ein Zuhause zu finden.

Das ist es auch, denn ein Zuhause bedeutet Zukunft.

Das ist Zukunft für Familie, für Kinder und für die Gemeinschaft mit dem Einzigen und eine Zukunft für ein ganzes Volk aus dem viel später ein geschundenes doch heute starkes Land werden wird.

Das ist Medinat Israel, das wir liebevoll Eretz Israel nennen. Und wir hoffen auf ein Ankommen irgendwann.

Vierzig Jahre soll die Völkerwanderung, die Suche nach dem gelobten Land gedauert haben.

Diese Zahl klingt sogar recht wahrscheinlich. Nein, es gab keinen einzigen Zug, sondern viele und von vielen Seiten her. Bemerkenswert ist, das Vater Mose, der ehemalige ägyptische Prinz Mose in ihm ankommen kann nimmt der Ewige ihn zu sich.

Zuvor bekennt der alte Mann in Dtn 2,7: in einer Art Selbstgespräch:

„ Denn der HERR, dein Gott, hat dich gesegnet in allen Werken deiner Hände. Er hat dein Wandern

durch diese grosse Wüste auf sein Herz genommen. Vierzig Jahre ist der HERR,

dein Gott, bei dir gewesen. Nichts hat dir gefehlt.” Nicht nur einen Frühling oder

einen Sommer lang, sondern dein ganzes Leben lang ist der HERR, dein Gott, bei

dir gewesen, sagt Mose“

Dann klingt es doch wirklich tröstend, dass der Herr ihm zuvor sagt, dass er das Land zwar nicht betreten wird, aber von weit her noch schauen darf. Er müsste uns heute sehen.

Und wenn er das nicht selbst gesagt hat, so ist das auch egal, denn dann haben andere diesen Geist mitgenommen und weitergetragen und deshalb wissen wir davon und vertrauen darauf.

Was ist das für eine tiefe Literatur seelentief und sie ist wie in Stein gemeißelt.

So sieht Verheißung aus. Das macht eine Zukunft hoffenswert die viel weiter reicht, als bis in eine Stadt, ein einstiges Bergdorf im Nahen Osten, das heute der ganzen Welt eigen ist.

Wir gürten uns, brechen Mazen und freuen uns auf das Sedermahl. Wir treffen uns in der Familie, in der Gemeinde und mit Freunden. Die sind ja auch so etwas wie Familie. Und wir denken an unsere Voreltern und an unsere Kinder zugleich. Das ist etwas sehr, sehr Jüdisches, das es so sonst nicht gibt.

Denn der Jude weiß, die Zeit gehögt allein dem Höchsten.

Deshalb liegt die wahre Wirklichkeit des Wortes oder des Gesetzes, beides ist letztlich dasselbe, wenn auch nicht im ewigen Jerusalem, aber doch in uns allen.

Wir feiern nicht, den Auszug aus Ägypten, sondern den Auszug. Das ist ein bleibender Vorgang oder besser ein immerwährender Weg. So wie wir wo und unter welchen Bedingungen auch sind: Jerusalem ist nicht nur auf dieser Erde, sondern immer in unserer Seele (נֶפֶשׁ). Und wir sind in der Gnade des Herren auch immer mit einem Blick in die Ewigkeit.

Pessach ist nicht das höchste, aber das zentralste unserer Feste. Es ist das, was in unserem Kollektiven-Gedächtnis identitätsstiftend und zusammenbindend ist.

So wie das Shofar das Herz berührt, erinnert Pessach uns an uns selbst. Mit Pessach feiern wir nicht die Erinnerung an den Auszug aus Ägypten, wir erinnern den Auszug aus Ägypten. Das ist ein riesiger Unterschied. Im alten Mischna, dem biblischen Hebräisch gibt es keine Zeiten, sondern nur Verlaufsformen, die zeitlich in der Grammatik indifferent sind – denn die Zeit ist nicht des Menschen.

Deshalb mahnt uns Pessach, dass wir immer ankommende sind. Das gilt für Zeiten und Räume im gesamten Universum.

Was für eine Geschichte, gleich ob sie so war ist oder nicht, schließlich ist das etwa 3500 Jahre her. Aber sie ist geblieben, sie hat uns bestimmt, sie hat uns als Volk erschaffen, sie hat uns gelehrt.

Wenn wir die Kippa tragen, soll uns das daran erinnern, dass es zwischen dem Höchsten und uns noch etwas dazwischen gibt. Falls die Kinder Israels das auserwählte Volk sein sollte, hat er sich diese Loyalität gut testen lassen. Kaum ein Volk ist seit tausenden Jahren so hart geprüft worden - und ein kleines Volk sowieso nicht, das unter diesen Bedingungen so lange durchgehalten hat.

Vielleicht beginnt alles mit Urvater Abraham im Alten Ur, etwa vor 5.000 Jahren vielleicht auch etwas später oder sogar früher. Zumindest ist diese Erinnerung über eine gefühlte Unendlichkeit wach geblieben.

Und das ist mehr als Literatur. Chag Same’ach Pessach


Autor: Redaktion
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Sonntag, 17 April 2022

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