Inflation, Blackout, Hunger: Die Welt wird zum Prepper

Inflation, Blackout, Hunger: Die Welt wird zum Prepper


Wir erleben eine rapide Geldentwertung, und die hat nur zum Teil etwas mit dem Krieg in der Ukraine zu tun. Die Wirtschaft verliert das Vertrauen und agiert längst wie ein Prepper.

Inflation, Blackout, Hunger: Die Welt wird zum Prepper

Von Stefan Frank

Nikolaus Kopernikus hatte einen für damalige - und vielleicht auch für heutige - Verhältnisse ungewöhnlich scharfen Begriff davon, was Geldentwertung ist und welche Folgen sie hat. In einer 1527 auf Anforderung des damaligen polnischen Königs Sigismund I. verfassten Denkschrift schrieb er: Es gebe unzählige Plagen, von denen Königreiche, Fürstentümer und Gemeinwesen immer wieder heimgesucht würden, „doch die schlimmsten sind meiner Meinung nach folgende vier: Krieg, Pest, Hungersnot und Münzentwertung“. Bei den ersten drei sei das so offensichtlich, dass niemand daran zweifle. 

„Aber die vierte, welche die Münze betrifft, wird nur von wenigen, sehr verständigen Leuten erkannt, weil sie die Gemeinwesen nicht in einem Ansturm und auf einmal, sondern erst nach und nach und gleichsam unmerklich zugrunde richtet.“ 

Die Münze sei „gleichsam ein allgemeines Maß für Bewertungen“, darum sei es unerlässlich, dass man sich auf ihre Beständigkeit verlassen könne: 

„Das, was Maß sein soll, muss allzeit eine feste und beständige Größe haben, sonst würde die Ordnung des Gemeinwesens zwangsläufig gestört. Denn die Käufer und Verkäufer würden ebenso mannigfach betrogen werden, wie wenn die Elle, der Scheffel oder das Gewicht nicht mehr ihre bestimmte Größe hätten.“ 

All jenen, die darüber klagen, dass alles immer teurer werde, erklärt Kopernikus, wo das Problem zu suchen ist: Die Münzverschlechterung sei die Ursache für 

„jene verbreitete, ständig wiederholte Klage, Gold, Silber, die Lebenshaltungskosten, der Lohn der Dienerschaft, die handwerklichen Dienstleistungen und was sonst noch der Bedürfnisbefriedigung dient, übersteige den hergebrachten Preis. Da wir aber denkfaul sind, kommen wir nicht dahinter, dass sich die Verteuerung aller Güter aus der Unterwichtigkeit der Münze herleitet. Es steigt und fällt nämlich alles im Preis, je nach Beschaffenheit der Münze, und zumal Gold und Silber selbst.“

Wie im Rausch Staatsanleihen aufgekauft

Auch heute erleben wir eine rapide Geldentwertung, und die hat nur zum Teil etwas mit dem Krieg in der Ukraine zu tun. Sie hat ja auch nicht erst am 24. Februar 2022 begonnen.

Wir ernten jetzt, was Regierungen und Notenbanken seit März 2020 gesät haben. Während die Produktion weltweit durch von Regierungen angeordnete Lockdowns gedrosselt wurde, öffneten die Notenbanken diesseits und jenseits des Atlantiks die Schleusentore. Sie senkten die Leitzinsen auf nahe null und kauften wie im Rausch Staatsanleihen auf, um mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf zu pumpen. Zur Erinnerung hier ein Bericht vom 19. März 2020:

„Die Europäische Zentralbank (EZB) stemmt sich mit neuen umfassenden Anleihenkäufen gegen die immer größeren wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie. Das Notfallprogramm habe einen Umfang von 750 Milliarden Euro und solle bis Ende 2020 laufen, teilte die Euro-Notenbank mit. ‚Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliches Handeln‘, schrieb EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Es gebe ‚keine Grenzen für unser Engagement für den Euro.‘“

Auch die amerikanische Notenbank wolle „die Wirtschaft mit einem 700 Milliarden Dollar schweren Anleihekaufprogramm ankurbeln“. 

Die Metapher des „Ankurbelns der Wirtschaft“ stammt aus den frühen 1920er Jahren, als Automotoren noch mittels einer Handkurbel angelassen wurden. Die dahinter steckende Vorstellung ist, dass die Notenbanken einmal kurbeln und die Wirtschaft dann brummt. In Wirklichkeit haben die Notenbanken auch nach dem Frühjahr 2020 mit dem Kurbeln nicht aufgehört; es ist erst gut einen Monat her, dass die Europäische Zentralbank verkündete, das Programm zum Kauf von Anleihen reduzieren zu wollen

Im Rekordtempo neue Kredite vergeben

Die Notenbanken haben keinen Zugriff auf die Ressourcen eines anderen Planeten. Durch Zinssenkungen entstehen keine neuen Waren und Dienstleistungen. Mit ihnen wurden lediglich die Bedingungen dafür geschaffen, dass die Geschäftsbanken in Rekordtempo neue Kredite vergeben konnten. Wenn immer mehr Geld einer viel langsamer wachsenden Menge an Gütern hinterherjagt, dann steigt deren Preis.

Wie schon der erste moderne Ökonom Richard Cantillon bemerkt hatte, lässt Inflation nicht alle Preise und Löhne gleichermaßen steigen. Die Preise steigen dort zuerst, wo das Geld in den Wirtschaftskreislauf eintritt. Das waren 2020 die Aktien- und Immobilienmärkte. Am 17. März 2020 notierte der Index der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq bei rund 7.300 Punkten. In den folgenden 20 Monaten kletterte er auf fast 16.000 Punkte. Das lag nicht daran, dass die Wirtschaftslage so rosig gewesen wäre, sondern allein an der Inflation. Aus Sicht der Notenbanken war das offenbar gute Inflation. 

Mittlerweile hat sich das neue Geld durch die Wirtschaft gearbeitet und lässt auch die Preise in den Supermärkten steigen. Das ist ein - aus Sicht der Notenbanken und der Politik unerwünschter - Nebeneffekt dessen, was in den letzten zwei Jahren praktiziert wurde, schlechte Inflation. 

„Regierungen halten hartnäckig an ihren CO2-Zielen fest“

Ein menschengemachtes Problem, wie auch die Energiekrise, die daraus resultiert, dass seit Jahren riesige Kapitale in Wege der Energieerzeugung gesteckt werden, die nicht effizient und zuverlässig, dafür aber politisch gewollt sind. Auf der anderen Seite wurden Investitionen in Erdöl, Gas und Kohle gezielt vernachlässigt, ebenso wie die Produktion und der Transport.

Joe Craft, der Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Kohleunternehmens Alliance Resource Partners - das anders als viele Wettbewerber noch nie einen Konkurs durchlaufen hat -, erklärte bei der Vorstellung des letzten Quartalsberichts die Lage an den Energiemärkten:

„Die Energiekrise hält bis heute an, da die Pandemie weiterhin die Lieferketten stört und, was ebenso wichtig ist, aufgrund des anhaltenden Drucks von Regierungen, Aufsichtsbehörden, Finanzinstituten, ESG-Aktivisten und sogar Kunden, die nicht bereit sind, Verträge einzugehen. All dies sind Faktoren, die das Wachstum bei der Produktion und Investition fossiler Brennstoffe einschränken.“

Man könnte meinen, so Craft weiter, dass es nun ein Umdenken geben müsste und vor allem die NATO-Staaten alles tun würden, um die Produktion fossiler Brennstoffe zu steigern, um die Nachfrage zu decken. Das sei aber noch nicht der Fall:

„Aber bisher sehen wir, dass die Regierungen ziemlich hartnäckig an ihren CO2-Zielen festhalten. Infolgedessen denke ich, dass wir für eine Weile hohe Preise haben werden, weil kein Vertrauen da ist, hinauszugehen und große Investitionen zu tätigen, um das Angebot zu erhöhen.“

Frankreich: Waschmaschine bitte nur am Wochenende einschalten

Im Folgenden einige Meldungen im Zusammenhang mit der  Energiekrise.

- „Der Schock durch die Energiepreise in diesem Jahr wird größer sein als in jedem einzelnen Jahr in den 1970er Jahren“, sagt der Gouverneur der Bank of England, Andrew Bailey. „Der Vorbehalt ist, dass die 1970er Jahre eine Reihe von [solchen] Jahren hatten, und wir hoffen sehr, dass dies jetzt nicht der Fall ist. Aber als einzelnes Jahr ist das ein sehr, sehr großer Schock.“

- Michael Regan, der Chef der amerikanischen Umweltbehörde EPA, verteidigt die Pläne des Weißen Hauses, die Ölproduktion zu steigern:

„Ich glaube nicht, dass sich die Ziele gegenseitig ausschließen“, sagte er in einem Interview mit der Financial Times. Investitionen in „saubere Energie“ könnten neben einer größeren Rohölproduktion bestehen, betonte Regan. Die Regierung konzentriere sich darauf, den Investoren „Sicherheit“ zu geben, um die Entwicklung erneuerbarer Energien voranzutreiben. „Wir werden weiterhin gehen und gleichzeitig Kaugummi kauen.“ 

Im Fernsehduell mit Präsident Donald Trump während des Präsidentschaftswahlkampfes 2020 hatte Joe Biden angekündigt, auf längere Sicht zugunsten von „Wind und Solar“ aus der Ölproduktion aussteigen zu wollen.

- Spaniens Energieministerin Teresa Ribera hat einen Vorschlag zur Lösung von Europas Energieproblemen: Die Betreiber von Gas- und Kohlekraftwerken sollen nicht mehr als 30 Euro pro Megawattstunde des von ihnen erzeugten Stroms nehmen dürfen. Was könnte dabei schiefgehen? Ribera hat die Idee schon nach Brüssel übermittelt.

- Die Stadt Rom hat EU-weit einen Auftrag zum Bau der Ponte dei Congressi, einer neuen Brücke über den Tiber, ausgeschrieben. Bezahlen will sie 146 Millionen Euro. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg meldet, gibt es wegen der stark gestiegenen Stahlpreise keinen einzigen Bewerber. Denn auch zur Stahlerzeugung wird Energie benötigt, und die ist in Europa eben knapp.

- In der FAZ erklärt BASF-Vorstandschef Martin Brudermüller, die russischen Gaslieferungen seien „die Basis für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie“. „Jetzt müssen wir russisches Gas mit Hochdruck ersetzen. Dabei müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass zum Beispiel Flüssiggaslieferungen aus den USA zu deutlich höheren Energiepreisen führen werden und nicht auf Knopfdruck umgesetzt werden können.“

- Der französische Stromnetzbetreiber RTE teilt den Franzosen am 2. April (nicht 1. April) mit, dass er für Montag, den 4. April, wegen kalten Wetters und der zahlreichen wegen Wartungsarbeiten stillgelegten französischen Kernkraftwerke ein „angespanntes“ Verhältnis von Stromerzeugung und -Nachfrage erwarte, „insbesondere zwischen 7:00 und 10:00 Uhr“. Die Bürger werden daher „aufgefordert, ihren Stromverbrauch in Bezug auf die Nutzung von Haushaltsgeräten (z.B. Geschirrspüler oder Waschmaschinen) auf dieses Wochenende statt auf den Montag zu legen“. Frankreich hatte seine Kohlekraftwerke in den letzten Jahren abgeschaltet, im Januar aber einige wieder in Betrieb genommen. Weiter heißt es in der Mitteilung von RTE: „Wenn beispielsweise alle Franzosen eine Glühbirne ausschalten, führt dies zu einer Einsparung beim Stromverbrauch von 600 MW oder ungefähr dem Verbrauch einer Stadt wie Toulouse.“ 

Peru: Gewaltsame Straßenproteste unterdrückt 

- Perus kommunistischer Präsident Pedro Castillo verhängte am 7. April eine eintägige Ausgangssperre und setzte die Armee ein, um gewaltsame Straßenproteste gegen die Inflation zu unterdrücken. Busfahrer, LKW-Fahrer und Bauern seien in den Streik getreten und hätten das Land in ein „Chaos“ gestürzt, meldet die Nachrichtenagentur Reuters.

- „Wann ist eine Ladung russischen Dieselöls keine Ladung russischen Dieselöls?“ Javier Blas, Energiekorrespondent von Bloomberg, erläutert:

„Die Antwort ist, wenn Shell Plc, der größte europäische Ölkonzern, daraus eine lettische Mischung macht, wie es Händler nennen. Es geht darum, ein Fass zu vermarkten, bei dem nur 49,99% aus Russland stammen; Solange die anderen 50,01 Prozent aus anderen Quellen stammen, ist die Ölladung in den Augen von Shell technisch gesehen nicht russischen Ursprungs.

- Danish Crown, einer von Europas größten Exporteuren von Schweinefleisch, stattet seine Schlachthäuser mit Dieselgeneratoren aus, um auf eine mögliche Erdgasknappheit reagieren zu können. Dänemarks drittgrößte Brauerei, Harboe, hat ebenfalls Dieselgeneratoren angemietet. Die Verkäufe von Dieselgeneratoren an dänische Unternehmen und Privatleute hätten sich vervielfacht, sagt Kim Andersen, der Besitzer von Power Generator, einem der größten Anbieter.

- Orsted, ein dänisches Unternehmen für „grüne“ Energie, legt für den nächsten Winter einen Vorrat an Kohle an, meldet die Financial Times:

„Vorstandsvorsitzender Mads Nipper sagte, ein weltweiter Mangel an Holzpellets, die Orsteds Biomassekraftwerke befeuern, bedeute, dass das Unternehmen später im Jahr wahrscheinlich stattdessen Kohle verwenden werde. ‚So sehr wir es auch hassen, wir werden sehr wahrscheinlich einen vorübergehenden Anstieg unseres Kohleverbrauchs sehen, verglichen mit dem Kurs, auf dem wir uns befinden […] Das liegt an der Situation im Zuge des Krieges‘, sagte er und erklärte, dass die russische Invasion in der Ukraine in Verbindung mit globalen Herausforderungen in der Lieferkette es extrem schwierig mache, die speziellen Holzpellets zu beschaffen, auf die Orsted normalerweise angewiesen ist. ‚Biomasse ist im Moment schwer zu bekommen, weil alle nach Brennstoff suchen‘, sagte Nipper. ‚Wir haben zusätzliche Ersatzkohle beschafft, um sicherzustellen, dass wir vorbereitet sind.‘“


Autor: Stefan Frank
Bild Quelle: Americasroof at English Wikipedia, CC BY-SA 3.0 , via Wikimedia Commons


Mittwoch, 20 April 2022

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