Die Fracht war für VW: Das Terrorflugzeug von Ezeiza

Die Fracht war für VW: Das Terrorflugzeug von Ezeiza


Seit nunmehr zehn Tagen parkt auf dem internationalen Flughafen von Buenos Aires eine 747-300M des venezolanische Cargo-Carriers „Emtrasur“. Offiziell weiß am Rio de la Plata niemand, wie die Maschine auf dem zweitgrößten Airport Argentiniens gelandet ist – und zu wem ihre fünf iranischen Besatzungsmitglieder möchten.

Die Fracht war für VW: Das Terrorflugzeug von Ezeiza

Von Ramiro Fulano

Doch zuerst zu etwas ganz anderem. In seiner Funktion als einer der wenigen demokratisch gewählten Diktatoren der Welt und „Großer Konduktor“ verriet der Selbst- und Präsidentendarsteller Juan Domingo Perón am 24. März 1951 einer staunenden Weltöffentlichkeit, sein Land habe „die Kontrolle thermonuklearer Reaktionen in technischem Maßstab“ erreicht. Wie so oft hatte Perón wenig Ahnung, wovon er sprach, nutzte diesen Umstand aber zu seinem Vorteil: Auf einmal horchte die Menschheit auf. Sollte seine Rede etwa so klingen, als hätte sich der Peronismus zur Atommacht gemausert?

Gemach! Außer der Wiederinbetriebnahme eines österreichischen Atomforschers (denn wenn man Ronald Richter einen Wissenschaftler nennt, erweist man der Wahrheit keinen Dienst) war der Operetten-Tyrannei in der Pampa nichts weiter gelungen, als inmitten von 60 Hektar unberührter Natur und zu Kosten von mehreren Millionen Dollar irgendwie technisch aussehende Gerätschaften aller Art auf der Isla Huemul im Nahuel Huapí anzusammeln – in der ebenso beliebten wie bezaubernden argentinischen Schweiz, rings um die Stadt Bariloche.

Richter war nach der Niederlage der Achse nach Argentinien geflohen und wurde dem Perón-Regime 1948 vom bereits im Lande ansässigen Nationalsozialisten Kurt Tank (dem Vater des autochthonen Düsen- und Selbstmord-Fighters „Pulqui II“) als „Wissenschaftler“ empfohlen (s.o.). Am 21. Juli 1949 (also mitten im patagonischen Winter) trafen die ersten Gerätschaften am Nahuel Huapí ein sowie ein Stab von fast 200 Mitarbeitern, der sich aus Personal der Staatsfirma „Fabricaciones Militares“, der Armee und der Luftwaffe zusammensetze (der argentinischen, die deutsche durfte ja 1949 noch nicht schon wieder so weit fliegen).  

Es dauerte nicht lange, bis in Buenos Aires die ersten Berichte über Hochstapelei und Betrug eintrafen. Demzufolge kompensierte Richter seine Unkenntnis von atomaren Angelegenheiten aller Art durch seine absolute soziale Inkompetenz und chronische Aggressivität. Der reizbare Österreicher lief im Labor mit seiner geladenen Mauser herum, weil er sich von seinen tatsächlich fachkundigen Subalternen „verfolgt“ und „ausspioniert“ wähnte.

Ab da ging die Sache ihren peronistischen Gang: Der Große Konduktor ignorierte die Peinlichkeit nach Kräften, ernannte Richter 1950 zum Argentinier h.c. (bevor dieser die erforderlichen zwei Jahre im Lande gelebt hatte), besuchte ihn am 8. April 1950 zusammen mit seiner Gattin Evita im Labor auf der Isla Huemul und verlieh Richter schließlich – nachdem er Millionen von US-Dollars für nichts und wieder nichts verplempert hatte – die „Medalla Peronista“, einen Fantasie-Orden für Verdienste ums Vaterland (und die Schweizer Bankwirtschaft). Zudem wurde Richter ein Ehrendoktor an der (damals auch international noch recht angesehenen) Universität von Buenos Aires für seine „kontrollierte Befreiung atomarer Energie“.

Ein Plot, aus dem Hollywood einen Doris-Day-Film gemacht hätte, war im Argentinien des Ersten Peronismus über viele Jahre realexistierende Staatspolitik. Erst 1952 durfte eine Kommission aus wirklichen Wissenschaftlern auch offiziell zu dem Schluss gelangen, dass Richters Experimente in Bariloche eine Farce (O-Ton) waren.

Die Moral von der Geschichte: Es fällt leicht, einem Idioten sein Geld wegzunehmen, aber es ist unmöglich, allen Menschen andauernd etwas vorzumachen. Vor diesem Hintergrund ist die plötzlich ausgebrochene Betriebsamkeit der peronistischen Regierung angesichts des in der Lokalpresse so genannten „Geisterflugzeugs“ in Ezeiza zu deuten.

Was ist geschehen? Offiziell weiß es natürlich niemand, aber auf Anraten auswärtiger Geheimdienste begann sich die argentinische SIDE (Secretaría de Inteligencia) Anfang letzter Woche für einen venezolanischen Frachtflieger der Firma „Emtrasur“ mit der Matrikel YV3531 zu interessieren. Diese Maschine mit fünf iranischen Besatzungsmitgliedern an Bord hatte zuvor der iranischen Mahan Air, einem Handlanger des Mullah-Regimes in Teheran, gehört und steht demzufolge auf allen ernstzunehmenden Terrorlisten (also nicht den deutschen oder denen der EU).

Einem der Besatzungsmitglieder meint der paraguayische Geheimdient inzwischen Verbindungen zu den iranischen Quds-Brigaden nachweisen zu können – also jenem Hauptakteur eines antisemitischen Terrorismus, der auch in Buenos Aires kein Unbekannter sein dürfte. Denn mit dem Anschlag auf die Botschaft Israels 1992 und die AMIA (Asociación Mutual Israelita Argentina) 1994, konnte das Mullah-Regime vermutlich zwei seiner größten antisemitischen Terroraktivitäten in Buenos Aires organisieren.

Apropos: Deren Fall-out in Form der Causa Nisman (des mit den AMIA-Ermittlungen betrauten Staatsanwalts Alberto Nisman, der 2015 unter bemerkenswerten Umständen ums Leben kam), könnte die derzeitige Vize-Präsidentin nach Ablauf ihres Mandats eventuell auch juristisch belasten.

Die momentan öffentlich zur Schau gestellte Nervosität der Casa Rosada wäre verständlich, wenn sie den Anschein erwecken würde, dass es darum ginge, insbesondere jüdische Zivilisten vor einem möglicherweise vom Iran gesponsorten, weiteren Terroranschlag zu beschützen. Tatsächlich wirkt es aber so, als ob die Laienspielschar rings um Präsident Fernández und seine Vorgesetzte, die sattsam bekannte Ex-First-Lady und ehemalige argentinische Präsidentin Christina Kirchner, fast ausschließlich daran interessiert ist, den eigenen Hintern in trockene Tücher zu bringen.

Und inzwischen wittert auch die bürgerlich-liberale Opposition des peronistischen Regimes angesichts des Geisterflugzeugs Morgenluft: Die Vorsitzende der PRO (keine Verwandtschaft zur deutschen Partei ähnlichen Namens), Patricia Bullrich, beschuldigte die argentinische Regierung des „Schmusekurses“ mit Iran und Venezuela und deutet den ehemals khomeneistischen Frachtflieger aus Caracas als weiteren Beleg für ihre These.

Besagte 747 steht inzwischen auf jenem Teil des internationalen Airports von Ezeiza, der in Fachkreisen als „Flugzeug-Friedhof“ bekannt ist. Ihre iranische Besatzung logiert dort im wenig spektakulären „Hotel Canning“ und wird regelmäßig von Polizeien aller Art besucht, zuletzt anlässlich einer Hausdurchsuchung.

Weder darf die Maschine betankt werden, noch dürfen die fünf iranischen Besatzungsmitglieder ausreisen.

Politische Stellen können sich – zumindest offiziell – noch immer nicht erklären, wie der Flieger mit abgeschaltetem Transponder unbemerkt in den argentinischen Luftraum gelangen und später in Ezeiza landen konnte. Auch, ob die 747 nun Autoteile für einen der größten Produzenten des Landes geladen hatte (Mercedes? VW? Renault? Toyota?), oder bloß ein paar leutselige Zigaretten der in Paraguay sehr beliebten Marke „Ibiza“, ist weiterhin unklar.

Aber während der argentinische Sicherheitsminister Aníbal Fernández trotz rechtzeitiger Avis aus Paraguay alle Verantwortung von sich weist, tingelt Präsidentendarsteller Alberto Fernández (keine Verwandtschaft mit dem gleichnamigen Aníbal) durch die lateinamerikanischen Lande und träumt – öffentlich zuletzt auf dem Amerika-Gipfel – von einer antiamerikanischen Allianz mit den Pariah-Staaten der Region.

Im Vergleich zu Alberto Fernández, diesem jüngsten Triumph der Peronismus, wirken sogar Joke Biden und Genosse Olaf Scholztens fast schon beängstigend kompetent und professionell.

PS Inzwischen hat sich herausgestellt, dass die Autoteile für die argentinischen VW-Werke bestimmt waren. Es ist natürlich im Lande des größten Völkermords der Geschichte nach wie vor nicht illegal, florierende Geschäftsbeziehungen mit dem internationalen antisemitischen Terrorismus zu unterhalten.

Es ist dennoch erstaunlich, mit welchem Selbstbewusstsein man sich bei VW ausgerechnet für eine Fluggesellschaft entschieden hat, die seit Februar 2020 auf den einschlägigen Terrorlisten steht: die venezolanische Emtrasur ist Teil der Conviasa und wird von den USA als Handlanger des internationalen Waffenschmuggels und wesentliches Transportunternehmen der Revolutionsgarden, des Wächterrats und der Quds-Brigaden eingestuft.

https://www.lanacion.com.ar/politica/el-contraataque-venezolano-un-tripulante-del-avion-varado-en-ezeiza-presento-una-denuncia-penal-nid17062022/

 

Foto: Flughafen Buenos Aires (Symbolbild)


Autor: Ramiro Fulano
Bild Quelle:


Sonntag, 19 Juni 2022

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