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Salman Rushdie war nie in Sicherheit

Salman Rushdie war nie in Sicherheit


Der Messeranschlag auf Salman Rushdie schickt der Welt eine erneuerte Botschaft: Nehmt den Islamismus – eine Umformung des islamischen Glaubens in eine radikal-utopische Ideologie, die von mittelalterlichen Zielen inspiriert ist - ernst.

Salman Rushdie war nie in Sicherheit

Von Prof. Daniel Pipes

Ayatollah Ruhollah Khomeini, der konsequenteste Islamist des letzten Jahrhunderts, gab persönlich den Erlass (oft Fatwa genannt) aus, mit dem Rushdie 1989 zum Tod verurteilt wurde. Khomeini, der auf den Titel von Rushdies magisch-realistischem Roman Die Satanischen Verse reagierte, entschied er, lästere den Islam und verdiene den Tod. Anfänglich von diesem Erlass beunruhigt, verbrachte Rushdie mehr als elf Jahr untergetaucht, beschützt von der britischen Polizei, zog verstohlen unter einem Synonym von einem Safehaus ins nächste; sein Leben war komplett zerrüttet.

In diesen Jahren unternahm Rushdie allerdings bereits mehrere Täuschungsmanöver, um sich selbst zu überzeugen, dass der Erlass sich lockerte. 1990 bestritt er Elemente in seinem Buch, die den Koran infrage stellten oder den Islam herausforderten; seine Gegner taten das zurecht als List ab, aber Rushdie beharrte darauf: „Ich fühle mich heute Abend viel sicherer als gestern.“

1998 erklärte Rushdie nach einigen gemurmelten Zugeständnissen iranischer Offizieller triumphierend seine Probleme für komplett beendet: „Es gibt keine Bedrohung durch das iranische Regime mehr. Die Fatwa wird am Weinstock verdorren. … Wenn man so sehr daran gewöhnt ist … schlechte Nachrichten zu bekommen, dann sind Nachrichten wie diese fast unglaublich. Es ist, als würde einem erzählt, der Krebs sei weg. Nun, der Krebs ist weg.“

Rushdie war derart überzeugt, dass die Bedrohung sich verflüchtigt hat, dass er die Organisatoren des 11. Prager Schriftsteller-Festes 2011 wegen der für ihn arrangierten Sicherheitsmaßnahmen rügte: „Hier zu sein und relativ große Sicherheitsmaßnahmen um mich herum zu sehen, hat sich für mich etwas peinlich angefühlt, weil ich glaubte, es sei echt unnötig und irgendwie übertrieben und gewiss nicht auf mein Betreiben veranlasst war. Bevor ich herkam, verbrachte ich einen großen Teil meiner Zeit damit zu sagen, dass ich das nicht wirklich wollte. Ich war also sehr überrascht hier anzukommen und einen wirklich ziemlich erheblichen Einsatz vorzufinden, weil ich mich wie in einer Zeitschleife vorkam, als wäre ich in der Zeit mehrere Jahre zurückversetzt.“

Christopher Hitchens (l.) und Salman Rushdie.

2003 ließ Rushdie seinen Freund, den Schriftsteller Christopher Hitchens, mich wegen meiner zahlreichen veröffentlichten Warnungen an Rushdie (insgesamt sechs) rügen, mit denen ich ihn anflehte zu erkennen, dass Khomeinis Erlass niemals aufgehoben werden könne und ihn daran erinnerte, dass jeder Fanatiker ihn jederzeit angreifen könnte. Hitchens kritisierte meine „saure, angeberische“ Analyse, mit der ich darauf bestand, dass sich an Rushdies „misslicher Lage überhaupt nichts geändert hatte“. Er focht meinen Pessimismus an, indem er munter berichtete, dass „Salman Rushdie heute in New York ohne Personenschützer lebt und frei reist“.

In einer Comedy-Show kritisierte Rushdie 2017 den Koran („kein sehr erfreuliches Buch“) und verspottete des Todes-Erlass, prahlte mit seinen Entschädigungen daraus, insbesondere dem, was er als „Fatwa-Sex“ mit Frauen bezeichnete, die von der Gefahr angezogen wurden.

2021 gestand er überraschend seine eigene Sucht an Illusion ein: „Es stimmt, ich bin irre optimistisch und ich glaube, das brachte mich durch diese schlimmen Jahre, weil ich geglaubt habe, dass es ein glückliches Ende nehmen wird, als sehr wenige Leute das glaubten.“

Schließlich verkündete Rushdie 2022, nur wenige Tage vor dem Messerangriff, der Erlass sei „schon sehr lange her. Heute ist mein Leben wir sehr normal.“ Nach seinen Ängsten gefragt, antwortete Rushdie: „In der Vergangenheit hätte ich ‚religiöser Fanatismus‘ gesagt. Das sage ich nicht mehr. Die größte Gefahr, der wir uns heute gegenüber sehen, ist unsere Demokratie zu verlieren“, woraufhin er darauf verwies, dass der Oberste Gerichtshof der USA entschied, dass Abtreibung kein Verfassungsrecht ist.

Während Rushdie und seine Freunde glaubten, der Erlass sei eine Sache der Vergangenheit, bekräftigten seine islamistischen Feinde ohne Ende, dass das Todesurteil gültig bleibt, dass sie ihn irgendwann erwischen würden. Und das gelang ihnen; sie brauchten ein Drittel-Jahrhundert, aber der Anschlag kam schließlich, als Rushdie sich unbeschützt der Öffentlichkeit präsentierte.

Wird der Rest von uns aus dieser traurigen Geschichte der Mischung aus Fanatismus und Illusion lernen? Russland und China sind sicherlich Feinde mit viel Macht, aber der Islamismus ist eine ideologische Bedrohung. Die ihn praktizieren reichen vom Fanatischen (ISIS) über die Totalitären (die Islamische Republik Iran) bis zu den Scheinfreunden (die Türkei des Recep Tayyip Erdo?an). Sie drohen mit Hilfe von Propaganda, Subversion und Gewalt. Sie mobilisieren nicht nur in den Höhlen von Afghanistan, sondern auch in idyllischen Städten wie Chautauqua im Bundesstaat New York.

Möge Salman Rushdie wieder vollständig genesen und möge sein Leiden als Warnung vor Wunschdenken dienen.


Autor: Prof. Daniel Pipes
Bild Quelle: Alexander Baxevanis, CC BY 2.0 , via Wikimedia Commons


Sonntag, 11 September 2022

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