Wenn Influencer zu Brandstiftern werden: Der Fall Guy Christensen und die tödliche Macht des digitalen AntisemitismusWenn Influencer zu Brandstiftern werden: Der Fall Guy Christensen und die tödliche Macht des digitalen Antisemitismus
Ein TikTok-Star rechtfertigt einen Doppelmord – und 415.000 Menschen klatschen Beifall.

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Die Morde an Yaron Lischinsky und Sarah Milgram waren kaltblütig, geplant – und sie waren ideologisch aufgeladen. Wer kurz nach der Tat „Free, free PalestinePalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen“ ruft, tut das nicht aus Verzweiflung, sondern aus Hass. Doch was den Fall noch verstörender macht, ist nicht nur die Tat selbst, sondern die Reaktion darauf. Es sind junge Männer wie Guy Christensen, die solche Gewalt verharmlosen, einordnen, gar „verstehen“ wollen – und damit ein Klima schaffen, in dem JudenhassAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen nicht nur toleriert, sondern gefeiert wird.
Christensen ist kein militanter Kämpfer. Er ist ein TikTok-Influencer. Ein „unschuldiger“, 18-jähriger Student, wie seine Fans behaupten. Einer, der sich durch Kommentare wie „Google NakbaNakba: Der Kampfbegriff gegen Israels GründungNakba bedeutet auf Arabisch „Katastrophe“. Der Begriff bezeichnet die Flucht und Vertreibung vieler Araber während des Krieges von 1948. Zugleich wird er politisch oft genutzt, um Israels Gründung nicht als legitime Staatswerdung, sondern als Unrecht darzustellen.Mehr lesen“ zum Aktivisten wandelte. Und jetzt? Jetzt bezeichnet er ZionismusZionismus: Das Recht der Juden auf SelbstbestimmungZionismus bezeichnet die jüdische Nationalbewegung, die für die Rückkehr des jüdischen Volkes in seine historische Heimat und für jüdische Selbstbestimmung im Land Israel eintrat. Der moderne Zionismus entstand im 19. Jahrhundert als Antwort auf Antisemitismus, Verfolgung und Entrechtung.Mehr lesen als „horrifying“, IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen als „Kolonialmacht“ und wirft mit Worten wie „Genozid“ und „Apartheid“ um sich – so leichtfertig wie andere mit Filtern spielen. Seine neunminütige „Analyse“ der Ermordung zweier Juden in Washington D.C. ist kein politischer Kommentar. Es ist eine moralische Bankrotterklärung. Eine Entmenschlichung.
Christensens Erfolg ist ein Symptom. Ein Produkt eines Algorithmus, der Emotionen über Fakten stellt. Laut einer Studie der Northeastern University wird pro-palästinensischer Content auf TikTok im Verhältnis 54 zu 1 gegenüber pro-israelischen Inhalten bevorzugt angezeigt. Das bedeutet nicht weniger als eine digitale Schieflage, eine mediale Verwerfung, die sich in Radikalisierung übersetzt – besonders bei Jugendlichen, die weder den Oslo-ProzessZweite Intifada: Terrorwelle gegen Israel 2000 bis 2005Die Zweite Intifada, auch Al-Aqsa-Intifada genannt, war eine Gewalt- und Terrorwelle von 2000 bis etwa 2005. Palästinensische Gruppen verübten Selbstmordanschläge, Schusswaffenangriffe und Bombenanschläge gegen israelische Zivilisten.Mehr lesen kennen noch die Realität der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Tunnel jemals gesehen haben.
Die Frage ist nicht, ob Guy Christensen weiß, was er da sagt – sondern ob es ihn überhaupt interessiert. Seine Statements sind selektiv. Er spricht über Hungerstreiks in Gaza, aber nicht über Elkana Bohbot, der im Hamas-Tunnel aus Verzweiflung das Essen verweigert. Er beklagt die „ethnische Säuberung“, aber verliert kein Wort über das Massaker beim Nova-Festival, bei dem über 1.200 Menschen niedergemetzelt wurden – viele von ihnen junge Frauen und Männer, die nichts weiter wollten, als zu tanzen.
Es ist dieser doppelte Standard, der nicht nur ignorant ist, sondern gefährlich. Worte wie „Offener Vollzug“ oder „Todeslager“ in Bezug auf Israel sind nicht bloß überzogen – sie sind eine Verhöhnung der Opfer des HolocaustShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen. Wer wirklich verstehen will, was Genozid bedeutet, sollte nicht „Google Nakba“ eingeben, sondern das jüdische Museum besuchen, das Yaron Lischinsky schützte – bis ihn ein Täter erschoss, der sich von dieser Art Rhetorik ermächtigt fühlte.
Die Verantwortung liegt nicht allein bei Christensen. Sondern bei allen, die ihm folgen, teilen, feiern. Bei jedem, der auf „Gefällt mir“ klickt, wenn Israel pauschal als Täter dargestellt wird. Und auch bei Plattformen wie TikTok, die durch ihre Algorithmen den Diskurs lenken – und dabei zuschauen, wie sich Judenhass unter dem Deckmantel „Free Palestine“ verbreitet wie ein Virus.
Die Behörden müssen handeln. Es braucht Ermittlungen, nicht nur gegen Täter, sondern auch gegen deren digitale Applaudierer. Redefreiheit endet dort, wo Aufrufe zur Gewalt legitimiert oder durch geschickte Rhetorik salonfähig gemacht werden. Niemand verlangt Zensur – aber Verantwortung. Und genau die fehlt bei Leuten wie Guy Christensen komplett.
Denn Worte töten. Nicht unmittelbar – aber sie schaffen die Grundlage. Die gedankliche Legitimation. Die moralische Grauzone, in der zwei jüdische Leben ausgelöscht werden können – und ein 18-jähriger TikToker in seinem Video ernsthaft fragt, ob sie es „nicht vielleicht verdient“ haben.
Das ist nicht Aufklärung. Das ist Anstiftung.
Autor: Redaktion
Freitag, 23 Mai 2025