Jüdische Kinder in Uruguay bedroht – ein Warnsignal weit über Montevideo hinausJüdische Kinder in Uruguay bedroht – ein Warnsignal weit über Montevideo hinaus
In Montevideo wurden zwei jüdische Schüler bedrängt, verfolgt und mit Gewalt bedroht. Der Vorfall zeigt, wie importierter Judenhass längst auch Länder erreicht hat, die sich einst als sicher galten. Uruguay steht nun vor der Frage, ob es seine jüdische Gemeinschaft schützen kann – und will.
Es geschah am frühen Abend, mitten in einem Wohnviertel von Montevideo. Zwei Jungen, gerade einmal 13 und 14 Jahre alt, trugen ihre Schuluniform der jüdischen „Escuela Integral“ und waren auf dem Heimweg. Was folgen sollte, war eine Szene, die man eher aus den dunkelsten Kapiteln der europäischen Geschichte kennt, nicht aus Uruguay: Zwei junge Männer stellten sich ihnen in den Weg, beschimpften sie als Juden, bedrohten sie und trieben sie in die Flucht.
Die Worte der Angreifer waren eindeutig und kalt:
„Ihr seid Juden, wir wissen, was ihr getan habt – fangt an zu rennen, wir werden euch verprügeln.“
Es ist dieser Satz, der so viel offenlegt. Nicht nur die Gewaltfantasie. Sondern die Idee, dass jüdische Kinder kollektiv für etwas verantwortlich gemacht werden sollen, das Tausende Kilometer entfernt geschieht. Dass ihre bloße Existenz ausreicht, um sie zur Zielscheibe zu machen.
Die Verfolgung endet nicht auf der Straße
Als einer der Angreifer sich bückte, um einen Stein oder eine Bodenplatte aufzuheben, rannten die beiden Jungen um ihr Leben. Sie flohen entlang der Küstenpromenade, bogen in eine Seitenstraße ab und suchten Schutz – nahe der Wohnung eines der Jungen. Doch selbst dort endete die Bedrohung nicht.
Die Täter tauchten erneut auf. Sie umkreisten den Häuserblock, spähten, suchten, riefen schließlich:
„Wir wissen jetzt, wo ihr wohnt. Jetzt kümmern wir uns um euch.“
Diese Sätze treffen eine Gemeinschaft, die sich in Uruguay traditionell sicher fühlte. Doch die Realität hat sich verändert. Der Hass, der seit dem 7. Oktober weltweit gegen Juden entfesselt wurde, macht auch vor Ländern nicht halt, die Jahrzehnte als sichere Zufluchtsorte galten.
Wenn Kinder zur Zielscheibe werden – und eine Gesellschaft schweigt
Der zentrale jüdische Rat von Uruguay reagierte schnell, informierte die Behörden, sammelte Aufnahmen von Sicherheitskameras, drängte auf schnelle Identifizierung der Täter. Die Worte des Rats waren eindringlich: Hassbotschaften erzeugten Hass. Und die Dämonisierung jüdischer Gemeinschaften aufgrund politischer Ereignisse in fernen Ländern ebne den Weg für genau solche Übergriffe.
Damit trifft er einen Punkt, der weit über Uruguay hinausgeht:
Überall dort, wo Israel dämonisiert wird, werden jüdische Menschen angreifbar.
Zwischen Kritik an einer Regierung und der Entmenschlichung einer Minderheit besteht eine Grenze – und in vielen Ländern wird diese Grenze längst überschritten. Jede Demonstration, auf der Juden kollektiv als Täter beschimpft werden, jede Parole, die Israel als illegitim darstellt, schafft ein Klima, in dem selbst Kinder auf offener Straße bedroht werden können.
Ein Klima, in dem Täter glauben, im moralischen Recht zu sein.
Uruguay darf jetzt nicht wegsehen
Uruguay galt jahrzehntelang als stabil, tolerant und friedlich. Doch dieser Vorfall zeigt: Kein Land ist immun gegen die Wucht des globalisierten Antisemitismus. Wenn Kinder verfolgt werden, während sie ihre Schultaschen tragen, ist etwas grundlegend aus der Balance geraten.
Die Behörden ermitteln, die Generalstaatsanwaltschaft prüft Aufnahmen, die jüdische Gemeinschaft fordert klare Konsequenzen. Doch es braucht mehr als Ermittlungen. Es braucht eine politische Botschaft, die jede Form importierten Judenhasses unmissverständlich ächtet. Schweigen ist in solchen Fällen nicht Neutralität – es ist ein Freiraum für Täter.
Denn solche Angriffe eskalieren nicht zufällig. Sie wachsen aus Worten. Aus Parolen. Aus Kampagnen, die tagtäglich jüdische Menschen zu Symbolen eines Hasses machen.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild
Samstag, 29 November 2025