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Marokko ehrt israelische Forscherin – ein bewusstes Signal gegen Boykott und Abschottung

Marokko ehrt israelische Forscherin – ein bewusstes Signal gegen Boykott und Abschottung


Während in weiten Teilen der arabischen Welt Distanz zu Israel wächst, setzt Marokko ein öffentliches Zeichen. Eine israelische Wissenschaftlerin wird für ihren Einsatz für Dialog, jüdisches Erbe und gegenseitiges Verständnis ausgezeichnet – getragen vom marokkanischen Kulturministerium.

Marokko ehrt israelische Forscherin – ein bewusstes Signal gegen Boykott und Abschottung

Inmitten angespannter regionaler Stimmungen hat Marokko eine bemerkenswerte Entscheidung getroffen. Die israelische Forscherin Einat Levi wird in diesem Jahr mit dem renommierten Preis Coup de Cœur ausgezeichnet. Verliehen wird er in der nordwestmarokkanischen Stadt Sidi Kacem durch das Forum Salam, eine Initiative mit direkter Unterstützung des marokkanischen Kulturministeriums.

Die Auszeichnung würdigt Levis langjähriges Engagement für interkulturellen Dialog, wissenschaftliche Kooperation und den Erhalt des jüdischen Erbes in Marokko. In der offiziellen Begründung heißt es, man ehre ihren außergewöhnlichen intellektuellen Beitrag zum Verständnis zwischen Gemeinschaften und Nationen. In der aktuellen politischen Lage ist diese Ehrung weit mehr als ein kultureller Akt. Sie ist ein politisches Statement.

Levi lebt seit 15 Jahren in Marokko. Ursprünglich aus Haifa stammend, kam sie zunächst als Begleiterin israelischer Wirtschaftsdelegationen und Touristengruppen ins Land. Nach der Aufnahme offizieller diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Marokko arbeitete sie zeitweise an der israelischen Vertretung in Rabat als Wirtschaftsberaterin. Später gründete sie eine eigene Nichtregierungsorganisation mit dem Ziel, die Beziehungen zwischen beiden Ländern zu vertiefen und jüdische Geschichte sichtbar zu halten.

Dass sie nun als einzige Israeli unter den diesjährigen Preisträgern geehrt wird, ist kein Zufall. Levi selbst beschreibt die Nachricht als emotional überwältigend. Für sie sei das Herz immer der Kompass gewesen, der sie nach Marokko geführt habe. Gerade deshalb habe sie die Ehrung tief berührt.

Besonders bemerkenswert sind ihre Aussagen zur Zeit nach dem 7. Oktober. Levi befand sich damals in Israel und stellte sich die Frage, ob sie nach Marokko zurückkehren könne und wolle. Die Sorge um persönliche Sicherheit war real. Dennoch entschied sie sich nach einigen Wochen, ihr Leben in Marokko fortzusetzen. Heute meidet sie einzelne Orte, fühlt sich insgesamt jedoch sicher. Sie berichtet von Respekt, Offenheit und Freundschaften mit Marokkanern, die wissen, dass sie Israelin ist.

Die Preisverleihung gewinnt zusätzliches Gewicht durch die gleichzeitige Ehrung von André Azoulay, einem der bekanntesten jüdischen Persönlichkeiten des Landes und langjährigen Berater des marokkanischen Königshauses. Azoulay gilt als zentrale Figur des jüdisch muslimischen Dialogs in Marokko und als Brückenbauer zwischen Tradition und Moderne.

Levi betont, wie außergewöhnlich es sei, gerade in einer Zeit von Boykottaufrufen, Demonstrationen und wachsender Feindseligkeit gegenüber Israel öffentlich geehrt zu werden. Dass Marokko eine israelische Forscherin und einen jüdischen Berater des Königshauses auszeichnet, sende eine klare Botschaft. Dieses Land versteht sich als arabischer Staat, der Dialog nicht als Schwäche, sondern als strategische Haltung begreift.

Für Israel ist diese Geste nicht nebensächlich. Sie zeigt, dass die Normalisierung mit Marokko mehr ist als ein diplomatisches Abkommen. Sie reicht in die Gesellschaft, in Kultur und Wissenschaft hinein. Gerade in einer Region, in der Israel oft isoliert wird, wirkt diese Ehrung wie ein bewusster Gegenentwurf.

Marokko nutzt Kulturpolitik hier als Instrument der Positionierung. Nicht laut, nicht provokativ, sondern sichtbar und konsequent. Die Ehrung von Einat Levi steht damit für mehr als eine persönliche Auszeichnung. Sie steht für die Entscheidung eines Landes, sich nicht von regionalem Druck treiben zu lassen, sondern eigene Wege zu gehen.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: Screenshot


Samstag, 03 Januar 2026

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