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Manuel Valls warnt in Jerusalem: Wenn Israel fällt, fällt der Westen

Manuel Valls warnt in Jerusalem: Wenn Israel fällt, fällt der Westen


Ein ehemaliger französischer Premierminister spricht aus, was in Europa kaum noch jemand offen sagt. In Jerusalem zieht Manuel Valls eine klare Linie zwischen Israels Überleben und der Zukunft Europas und rechnet mit der politischen Blindheit seiner eigenen Heimat ab.

Manuel Valls warnt in Jerusalem: Wenn Israel fällt, fällt der Westen

Es sind Sätze, die in europäischen Hauptstädten fast provokativ wirken. Sätze, die man dort kaum noch hört, geschweige denn ausspricht. „Wenn Israel fällt, fallen wir“, sagt Manuel Valls in Jerusalem. Kein rhetorischer Effekt, keine Dramatisierung. Sondern eine nüchterne politische Diagnose. Für Valls entscheidet sich in Israel nicht nur das Schicksal eines Staates, sondern die Zukunft des Westens selbst.

Der frühere französische Premierminister, seit Jahrzehnten ein erklärter Freund Israels, hält sich derzeit in Jerusalem auf. Er trifft Vertreter der israelischen Politik, unter anderem den Vorsitzenden der Knesset, und spricht offen über das, was er als strategisches Versagen Europas bezeichnet. Der Kampf gegen den politischen Islam, die Bedrohung durch das iranische Mullah Regime, die wachsende Achse zwischen Teheran und Moskau und die innere Stabilität Europas seien untrennbar mit Israels Sicherheit verbunden.

Israel als Frontlinie Europas

Valls formuliert es ohne Umschweife. Die großen Fragen unserer Zeit werden hier entschieden, im Land Israel. Wer so spricht, widerspricht bewusst dem in Europa verbreiteten Reflex, Israel als regionales Problem zu behandeln, das man moralisch belehren könne. Für Valls ist Israel keine Belastung, sondern eine Bastion.

Seine Haltung kommt nicht aus religiöser Nähe. Valls ist kein Jude. Er betont das ausdrücklich. Sein Engagement für Israel sei politisch, historisch und zutiefst republikanisch geprägt. Gerade aus einer linken Tradition heraus, sagt er, sei die Unterstützung Israels logisch. Er erinnert an die engen Beziehungen zwischen Israel und der französischen Linken, an Persönlichkeiten wie Golda Meir, Jitzchak Rabin, Schimon Peres und François Mitterrand. Dass diese Geschichte heute kaum noch erwähnt wird, hält er für einen politischen Fehler.

Antisemitismus heute heißt Israelhass

Besonders scharf geht Valls mit dem Umgang Europas mit Antisemitismus ins Gericht. Viele politische Entscheidungsträger hätten nicht verstanden, dass sich Judenhass grundlegend verändert habe. Die historischen Formen des Antisemitismus, von der Dreyfus Affäre bis zur Schoa, seien real und müssten weiter vermittelt werden. Doch der heutige Antisemitismus äußere sich vor allem als Hass auf Israel.

Für Valls ist diese Verbindung zentral. Wer Antisemitismus bekämpfen wolle, müsse Israel verteidigen. Alles andere sei Selbstbetrug. Genau hier gerät er in offenen Widerspruch zur Politik von Emmanuel Macron, dem er vorwirft, diese Realität zu verkennen.

Der frühere Premier spricht auch über eine unbequeme Wahrheit in Frankreich. Innerhalb der muslimischen Bevölkerung gebe es eine Minderheit, die offenen Judenhass äußere. Diese Minderheit sei nicht repräsentativ, aber laut, organisiert und gefährlich. Der Islamismus bedrohe nicht nur jüdisches Leben, sondern die Republik selbst. Frankreich ohne Juden, sagt Valls, wäre nicht mehr Frankreich. Jüdisches Leben sei untrennbar mit der Geschichte Europas verbunden.

Die neue Rolle der politischen Extreme

Besonders deutlich wird Valls, wenn er über die französische Innenpolitik spricht. Die linkspopulistische Partei La France Insoumise habe Antisemitismus zu einem politischen Geschäftsmodell gemacht. Für Stimmen, für Mobilisierung, für ideologische Reinheit. Er sieht darin heute eine größere Gefahr als im rechtspopulistischen Rassemblement National, dessen Geschichte zwar belastet sei, das sich jedoch offen gegen Antisemitismus positioniere.

Valls verweist auf eine Demonstration gegen Antisemitismus im November 2023. Die radikale Linke blieb fern. Die extreme Rechte war anwesend. Für ihn markiert das einen tiefgreifenden politischen und gesellschaftlichen Wandel. Einen Bruch, der vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre.

Klare Absage an vorschnelle Palästina Anerkennung

Auch außenpolitisch widerspricht Valls der aktuellen Linie Frankreichs. Die Anerkennung eines palästinensischen Staates im Jahr 2025 hält er für einen schweren Fehler. Er habe den Präsidenten davor gewarnt, sagt er offen. Diese Haltung habe ihn möglicherweise sogar sein Ministeramt gekostet.

Eine Lösung für die Palästinenser sei notwendig, betont Valls. Aber nicht losgelöst von der Realität nach dem 7. Oktober. Wer heute einen palästinensischen Staat anerkenne, ohne die Rolle der Hamas zu berücksichtigen, sende ein fatales Signal. Es erwecke den Eindruck, als werde islamistischer Terror legitimiert. Das lehnt er entschieden ab.

Valls bleibt Anhänger einer Zwei Staaten Lösung, aber nur unter klaren Bedingungen. Keine Hamas. Sicherheit für Israel als Voraussetzung. Eine grundlegende Veränderung der politischen Kultur und Bildung auf palästinensischer Seite. Und eine klare Konfrontation mit dem iranischen Regime.

Ein europäischer Realist in Jerusalem

Manuel Valls spricht in Jerusalem nicht als Diplomat, sondern als politischer Realist. Er fordert Europa auf, sich von überholten Formeln zu lösen und die tiefgreifenden Veränderungen im Nahen Osten endlich zur Kenntnis zu nehmen. Wer Israels Sicherheit relativiere, schwäche nicht nur Israel, sondern die eigene demokratische Ordnung.

Seine Botschaft ist unbequem, gerade deshalb ist sie relevant. Israel ist für ihn kein moralisches Projekt, sondern eine strategische Notwendigkeit. Wer das nicht versteht, riskiert mehr als einen außenpolitischen Irrtum. Er riskiert die Zukunft des Westens.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: By © European Union, 2026, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=163442244


Freitag, 16 Januar 2026

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