Nach dem 7. Oktober: Wie die BBC Hamas verharmlost und Israel delegitimiert

Nach dem 7. Oktober: Wie die BBC Hamas verharmlost und Israel delegitimiert


Sie gilt als Maßstab für Journalismus, als moralische Instanz, als Stimme der Vernunft in Krisenzeiten. Doch genau dieses Selbstbild gerät seit Jahren ins Wanken. Der Vorwurf lautet nicht mehr punktuelle Schieflage, sondern systemische Schlagseite besonders dort, wo es um Israel geht.

Nach dem 7. Oktober: Wie die BBC Hamas verharmlost und Israel delegitimiert

Kaum ein Medienhaus genießt weltweit ein derart hohes Ansehen wie die BBC. Millionen Menschen vertrauen ihr, schalten ein, hören zu, glauben. Genau darin liegt die Verantwortung - und genau daran scheitert der britische Rundfunk seit Jahrzehnten immer wieder. Objektivität, Unparteilichkeit, Distanz. Werte, die einst zum Markenkern gehörten, werden heute zunehmend beschworen, statt gelebt.

Der jüngste Höhepunkt dieser Entwicklung wurde im November vergangenen Jahres erreicht. Interne Skandale, massive Kritik an der Berichterstattung, der Rücktritt zentraler Führungspersonen - und schließlich eine milliardenschwere Klageandrohung durch US Präsident Donald Trump, der der BBC bewusste Verzerrung und Manipulation vorwarf. Es war kein isolierter Ausbruch, sondern der Kulminationspunkt eines Problems, das die BBC seit Langem begleitet.

Vom moralischen Kompass zur politischen Schieflage

Als die BBC 1922 ihren Sendebetrieb aufnahm, geprägt von den Prinzipien ihres ersten Generaldirektors John Reith, stand ein klarer Anspruch im Mittelpunkt. Informieren, bilden, unterhalten - in genau dieser Reihenfolge. Wahrheit und Verantwortung waren keine Floskeln, sondern Leitlinien. Während des Zweiten Weltkriegs riskierten Menschen in ganz Europa ihr Leben, um BBC Sendungen zu hören. Die BBC galt als Gegenpol zur Propaganda.

Doch irgendwann begann sich etwas zu verschieben. Spätestens in den 1960er- und 1970er-Jahren veränderte sich das ideologische Klima innerhalb der britischen Medienelite. Linke Denkmuster, später als politische Korrektheit und schließlich als Intersektionalität bezeichnet, prägten zunehmend Redaktionen, Themenauswahl und Deutung.

Diese Denkweise ordnet die Welt entlang von Täter- und Opferkategorien. Wer als Opfer gilt, erhält automatisch moralischen Schutz. Wer als stark gilt, wird misstrauisch betrachtet. In diesem Weltbild wurden Palästinenser zu archetypischen Opfern - und Israel zwangsläufig zum Aggressor.

Israel als Dauerverdächtiger

Die Folgen dieser Verschiebung sind seit Jahren dokumentiert. Bereits 2004 protestierte die israelische Regierung offiziell gegen die Berichterstattung der BBC. Im Zentrum stand die damalige Korrespondentin Orla Guerin. Der Vorwurf lautete nicht journalistischer Fehler, sondern strukturelle Identifikation mit palästinensischen Narrativen.

Noch früher begann der britische Jurist Trevor Asserson, systematisch Daten zu sammeln. Seine Untersuchungen zur BBC Berichterstattung über den Nahen Osten zeigten bereits Anfang der 2000er-Jahre massive Abweichungen von den eigenen redaktionellen Standards. Begriffe wurden selektiv verwendet, Kontext ausgelassen, israelische Opfer relativiert, Terror verharmlost.

Die Reaktion der BBC war bezeichnend. Statt Transparenz folgte Abschottung. Der interne Balen Report, ein 20.000 Wörter starkes Gutachten über die Nahost-Berichterstattung, wurde unter Verschluss gehalten. Bis heute. Trotz jahrelanger juristischer Auseinandersetzungen bleibt der Bericht geheim. Allein diese Tatsache nährt den Verdacht, dass die Ergebnisse politisch brisant sind.

Der 7. Oktober als Zäsur - und Offenbarung

Mit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 wurde das strukturelle Problem unübersehbar. Die BBC berichtete - schnell, emotional, voreilig. Der Tiefpunkt war die Explosion am Al Ahli Krankenhaus in Gaza. Noch während die Faktenlage völlig unklar war, erklärte ein BBC Korrespondent live, es könne sich kaum um etwas anderes handeln als um einen israelischen Luftangriff. Diese Einschätzung wurde vom arabischen Dienst der BBC übernommen und weltweit verbreitet.

Als sich später herausstellte, dass eine fehlgeleitete Rakete des Islamischen Dschihad verantwortlich war, war der Schaden längst angerichtet. Proteste, Gewalt, internationale Empörung. Die spätere Korrektur der BBC blieb halbherzig. Die klare Entlastung Israels erfolgte nicht mit derselben Lautstärke wie die ursprüngliche Anschuldigung.

Zahlen, die nicht mehr wegzudiskutieren sind

Assersons jüngster Bericht, veröffentlicht im September 2024, ist in seiner Dimension erschütternd. 1.553 dokumentierte Verstöße gegen die eigenen redaktionellen Richtlinien der BBC innerhalb weniger Monate. Verharmlosung von Hamas Terror, Verwendung ungeprüfter Zahlen, selektive Sprache, wiederholte Verzerrung militärischer Zusammenhänge.

Besonders problematisch ist die Rolle von BBC Arabic. Der Bericht weist nach, dass dort regelmäßig Journalisten eingesetzt wurden, die zuvor öffentlich Sympathien für Hamas geäußert hatten - ohne Offenlegung gegenüber dem Publikum. Das ist kein Zufall, sondern institutionelles Versagen.

Whistleblower und der innere Zerfall

Den endgültigen Bruch markierte das interne Memo von Michael Prescott, einem langjährigen Berater des Editorial Standards Committee. Seine Vorwürfe sind eindeutig. Systemische Ignoranz, Führungsschwäche, bewusste Nichtkorrektur von Fehlern. Besonders schwer wiegt der Vorwurf, dass die BBC im Panorama-Format sogar eine Rede Trumps manipulativ gekürzt habe, um einen bestimmten Eindruck zu erzeugen.

Die britische Medienaufsicht Ofcom griff ein, rügte die BBC wegen eines Gaza Films mit direktem Hamas Bezug als irreführend und ordnete die Entfernung des Beitrags an. Dass es so weit kommen musste, spricht Bände.

Eine Institution an der Weggabelung

Die BBC steht heute an einem Punkt, an dem es nicht mehr um Einzelfehler geht, sondern um Glaubwürdigkeit. Wer sich als moralische Instanz versteht, darf sich keine ideologische Brille leisten. Wer Neutralität predigt, muss sie auch leben - gerade dort, wo Emotionen hochkochen.

Israel ist kein Tabuthema. Kritik ist legitim. Aber sie wird zur Verzerrung, wenn Maßstäbe verschwimmen und Terror relativiert wird. Die BBC kann diesen Kurs korrigieren. Doch dafür braucht es mehr als neue Gesichter an der Spitze. Es braucht den Mut zur Selbstkritik - und zur Wahrheit.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Zizzu02 - Own work, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25348736


Donnerstag, 22 Januar 2026

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