US-Antisemitismusbeauftragter widerspricht europäischem Oberrabbiner, Elon Musk greift ein

US-Antisemitismusbeauftragter widerspricht europäischem Oberrabbiner, Elon Musk greift ein


Ein öffentlicher Schlagabtausch zwischen jüdischen Spitzenvertretern legt offen, wie tief die Uneinigkeit über die Ursachen des wachsenden Antisemitismus inzwischen ist.

US-Antisemitismusbeauftragter widerspricht europäischem Oberrabbiner, Elon Musk greift ein

Was als Podiumsdiskussion begann, entwickelte sich binnen Stunden zu einer politischen Grundsatzdebatte mit globaler Wirkung.

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos sollte über Antisemitismus, Extremismus und gesellschaftlichen Zusammenhalt gesprochen werden. Heraus kam ein international beachteter Konflikt zwischen zwei einflussreichen jüdischen Stimmen und eine offene Parteinahme durch einen der mächtigsten Unternehmer der Welt.

Im Zentrum steht Rabbiner Pinchas Goldschmidt, Präsident der Konferenz der Europäischen Rabbiner. In einer Podiumsdiskussion erklärte er, der drastische Anstieg antisemitischer Vorfälle in Deutschland und anderen europäischen Staaten sei seit dem 7. Oktober deutlich spürbar. Der Terrorangriff der Hamas habe weltweit eine Welle ausgelöst, darunter auch organisierte Aktivitäten an Universitäten und im öffentlichen Raum.

Goldschmidt verwies zudem auf politische Verschiebungen innerhalb Europas. Der Aufstieg rechter Parteien, so seine Einschätzung, sei eine Reaktion auf das Unsicherheitsgefühl vieler Europäer gegenüber Einwanderung aus dem Nahen Osten. Gleichzeitig plädierte er dafür, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit gemeinsam zu bekämpfen, im Interesse beider Gemeinschaften.

Diese Aussagen lösten eine scharfe Reaktion aus Washington aus.

Klare Worte aus der Trump-Regierung

Rabbi Yehuda Kaploun, Sonderbeauftragter der Vereinigten Staaten zur Bekämpfung von Antisemitismus, widersprach öffentlich und ungewöhnlich deutlich. Auf der Plattform X warf er Goldschmidt vor, die Ursachen der Gewalt gegen Juden falsch darzustellen.

Die Schuld bei einem diffusen europäischen Unsicherheitsgefühl zu suchen, sei beschämend, schrieb Kaploun. Aus seiner Sicht sei Massenmigration ein zentraler Treiber der heutigen antisemitischen Gewalt in Europa. Sie führe zu tiefgreifenden gesellschaftlichen Spannungen und bedrohe die Sicherheit jüdischer Gemeinden ebenso wie die anderer Bürger.

Kaploun stellte klar, dass die Regierung von Präsident Donald Trump diese Realität benenne und nicht relativiere. Migration in ihrem derzeitigen Ausmaß sei kein Randthema, sondern ein Sicherheitsproblem, auch für Juden.

Die Wortmeldung war eine der ersten größeren öffentlichen Interventionen des neuen Antisemitismusbeauftragten seit seiner Bestätigung durch den US-Senat im Dezember.

Elon Musk mischt sich ein

Innerhalb kurzer Zeit erhielt Kaploun prominente Unterstützung. Elon Musk, Eigentümer der Plattform X, teilte dessen Beitrag und kommentierte zustimmend. Eine kurze Antwort, doch mit großer Wirkung.

Mit diesem Schritt wurde aus einer innerjüdischen Debatte ein politisches Signal. Musk positionierte sich offen hinter der Linie der Trump-Regierung und verstärkte die Reichweite der Kritik massiv. Der Konflikt war nun nicht mehr nur Sache von Rabbinern, sondern Teil einer global geführten Debatte über Migration, Sicherheit und Antisemitismus.

Goldschmidt weist Vorwürfe zurück

Rabbiner Goldschmidt reagierte noch am selben Tag. Er wies zurück, Europa oder sogenannte alte europäische Gesellschaften für Antisemitismus verantwortlich gemacht zu haben. Seine Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden.

Er betonte, Antisemitismus habe viele Quellen. Er komme von rechts, von links und aus radikal islamistischen Milieus. Seine Bemerkungen in Davos hätten politische Dynamiken erklären sollen, nicht Gewalt rechtfertigen oder relativieren.

Doch der Schaden war bereits entstanden. Der Konflikt machte sichtbar, wie unterschiedlich selbst führende jüdische Vertreter die Lage einschätzen.

Hinter dem Wortwechsel verbirgt sich eine grundlegende Frage, die jüdische Gemeinden weltweit umtreibt. Woher kommt der heutige Antisemitismus wirklich.

Für viele europäische Juden ist die Realität eindeutig. Die Mehrheit der körperlichen Angriffe, Bedrohungen und offenen Hassbekundungen geht seit Jahren von islamistischen oder stark israelfeindlichen Milieus aus. Nach dem 7. Oktober hat sich diese Entwicklung dramatisch verschärft.

Gleichzeitig existiert die Sorge, dass eine klare Benennung dieser Realität politisch instrumentalisiert werden könnte. Genau an dieser Stelle verläuft die Bruchlinie zwischen Goldschmidt und Kaploun.

Der amerikanische Ansatz setzt auf Klarheit und politische Konsequenz. Der europäische Ansatz sucht weiterhin den Ausgleich und die Koexistenz.

Der Konflikt ist auch Ausdruck institutioneller Spannungen. Kaploun ist dem Chabad-Lubawitsch-Umfeld zuzuordnen, einer Bewegung mit starkem Einfluss in Osteuropa und Teilen Westeuropas. Goldschmidt repräsentiert das traditionelle europäische Rabbinat, das in den vergangenen Jahren wiederholt in Konkurrenz zu Chabad stand.

Diese Rivalität verleiht der Debatte zusätzliche Schärfe. Es geht nicht nur um Inhalte, sondern auch um Deutungshoheit.

Der Streit zeigt, wie politisiert der Kampf gegen Antisemitismus inzwischen ist. Selbst dort, wo Einigkeit dringend notwendig wäre, entstehen Lager.

Während jüdische Gemeinden in Europa Polizeischutz benötigen, während Kinder ihre Kippa verstecken und Synagogen unter Dauerbewachung stehen, wird international darüber gestritten, welche Ursachen benannt werden dürfen.

Die Trump-Regierung setzt auf eine klare Linie. Antisemitismus soll nicht erklärt, sondern bekämpft werden. Ohne sprachliche Rücksichtnahme. Ohne politische Umwege.

Die Debatte in Davos hat gezeigt, wie unbequem diese Klarheit für Teile Europas geworden ist.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Qwaszxqwaszxqwaszx - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46190206


Montag, 26 Januar 2026

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