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Herzog benennt es klar: Die Leugnung jüdischer Selbstbestimmung ist Antisemitismus

Herzog benennt es klar: Die Leugnung jüdischer Selbstbestimmung ist Antisemitismus


Beim internationalen Antisemitismus-Kongress in Jerusalem spricht Präsident Isaac Herzog ungewöhnlich deutlich. Seine Botschaft richtet sich an Politik, Medien und westliche Gesellschaften zugleich.

Herzog benennt es klar: Die Leugnung jüdischer Selbstbestimmung ist Antisemitismus

Beim internationalen Kongress zum Kampf gegen Antisemitismus in Jerusalem hat Präsident Isaac Herzog eindringlich vor einer gefährlichen Verschiebung gesellschaftlicher Maßstäbe gewarnt. Antisemitismus, so Herzog, werde in vielen Teilen der Welt zunehmend akzeptiert, relativiert oder als legitime politische Haltung getarnt.

Der Präsident eröffnete seine Rede mit einem Verweis auf die Rückführung von Ran Gvili, der nach dem Angriff vom 7. Oktober getötet und über 843 Tage in Gaza festgehalten worden war. Mit seiner Rückkehr, so Herzog, befinde sich erstmals seit 2014 kein Israeli mehr lebend oder tot in der Gewalt von Terrororganisationen.

Dieser Moment sei für die israelische Gesellschaft von besonderer Bedeutung. Erst jetzt könne echte Trauer beginnen, nicht aus Vergessen, sondern aus Verantwortung und Gewissheit.

Im weiteren Verlauf seiner Rede schlug Herzog den Bogen zur historischen Dimension des Tages. Der Jahrestag der Befreiung von Auschwitz erinnere nicht nur an das unfassbare Verbrechen der Schoah, sondern stelle auch eine moralische Verpflichtung dar. Erinnerung dürfe niemals ritualisiert oder entpolitisiert werden. Sie müsse Konsequenzen haben.

Herzog betonte, dass Antisemitismus heute nicht mehr ausschließlich in offenem Hass auftrete. Viel häufiger zeige er sich in struktureller Form. Wenn jüdische Kinder bewaffneten Schutz auf dem Schulweg benötigen, wenn Synagogen und Gemeindezentren dauerhaft bewacht werden müssen, dann sei dies kein Sicherheitsproblem einzelner Staaten, sondern ein Versagen der gesamten internationalen Gemeinschaft.

Besonders deutlich wurde der Präsident mit Blick auf die jüngsten Gewalttaten gegen Juden in Sydney und Manchester. Wenn Menschen allein wegen ihres Glaubens während religiöser Feiern ermordet würden, habe die Welt ihre Lehren aus der Geschichte nicht ausreichend verinnerlicht.

Herzog sprach in diesem Zusammenhang von einer Verantwortung gegenüber der Menschheit insgesamt. Antisemitismus sei niemals ein jüdisches Problem allein. Er sei ein Frühwarnsignal für den moralischen Zustand einer Gesellschaft.

In einem zentralen Abschnitt seiner Rede nahm Herzog ausdrücklich Bezug auf politische Akteure im Westen, die unter dem Deckmantel von Aktivismus die Existenz Israels infrage stellen. Ohne Namen zu umgehen, richtete er seine Worte an den neu gewählten Bürgermeister von New York, Zohran Mamdani.

Die Leugnung des Rechts des jüdischen Volkes auf nationale Selbstbestimmung, so Herzog, sei Antisemitismus. Entscheidend sei dabei nicht Kritik an israelischer Politik, sondern der Maßstab. Wenn dieses Recht ausschließlich Juden abgesprochen werde, handle es sich um Diskriminierung.

Herzog betonte ausdrücklich, dass es nicht um Immunität gegenüber Kritik gehe. Israel sei eine Demokratie und müsse Kritik aushalten. Doch wer dem jüdischen Volk grundsätzlich das Recht auf einen eigenen Staat verweigere, verlasse den Boden legitimer politischer Auseinandersetzung.

Der Präsident ordnete diese Entwicklung in einen größeren ideologischen Zusammenhang ein. Er sprach von einem „Netz der Hetze“, das von staatlicher Propaganda im Iran über Terrororganisationen bis in internationale Institutionen reiche. Die Formen hätten sich verändert, sagte Herzog, doch das Ziel bleibe dasselbe: die Delegitimierung jüdischer Existenz.

Jerusalem bezeichnete Herzog in diesem Zusammenhang als bewussten Ort der Konferenz. Die Stadt stehe für jüdische Geschichte, Kontinuität und staatliche Verantwortung. Erinnerung ohne Schutz, so seine Mahnung, bleibe wirkungslos.

Zum Abschluss erinnerte Herzog an seinen Vater Chaim Herzog, der als britischer Offizier nach der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen den Überlebenden zurief: „Es gibt noch Juden.“

Heute, so Isaac Herzog, müsse dieser Satz erneut ausgesprochen werden. Nicht aus Symbolik, sondern aus Realität. Jüdisches Leben existiere weiter, nicht aus der Gnade anderer, sondern durch eigene Verantwortung, Stärke und Entschlossenheit.

Der Kampf gegen Antisemitismus, machte der Präsident deutlich, sei keine Frage von Gedenktagen, sondern eine dauerhafte politische Aufgabe.


Autor: Redaktion
Bild Quelle: By Amos Ben Gershom / Government Press Office of Israel, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=119547100


Dienstag, 27 Januar 2026

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