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Gerichtstermin im Fall der australischen Krankenhausgeschwister festgelegt

Gerichtstermin im Fall der australischen Krankenhausgeschwister festgelegt


Ein Video voller Hass erschütterte Australien und die jüdische Welt. Nun beginnt der juristische Kampf um Wahrheit und Verantwortung.

Gerichtstermin im Fall der australischen Krankenhausgeschwister festgelegt

Die Affäre um zwei ehemalige Mitarbeiter eines Krankenhauses in Sydney, die in einem Video offen den Tod von Israelis wünschten und behaupteten, Patienten aus Israel absichtlich zu schaden, geht in ihre entscheidende Phase. Ein australisches Gericht hat nun den Termin für den Prozess gegen die Geschwister festgelegt. Was zunächst wie ein verstörender Vorfall in den sozialen Medien begann, ist längst zu einem internationalen Symbol für den wachsenden Antisemitismus geworden.

Sarah Abu Labad, 27 Jahre alt, und ihr Bruder Ahmed Rashad Nadir, 28, erschienen am Montagmorgen vor dem Bezirksgericht in Sydney. Beide waren im Bankstown Hospital beschäftigt, einer großen medizinischen Einrichtung im Westen der Stadt. Dort sollen sie, so der Vorwurf, ihre berufliche Stellung missbraucht haben, um Hass gegen Israelis auszuleben. In dem weltweit verbreiteten Video, das der israelische Influencer Max Veifer aufgenommen hatte, sind die beiden zu hören, wie sie sagen, sie hätten israelische Patienten „zur Hölle geschickt“ und ihnen absichtlich Schaden zugefügt.

Diese Aussagen sorgten in Australien für Entsetzen. Politiker, jüdische Organisationen und medizinische Verbände reagierten empört. Die Vorstellung, dass medizinisches Personal seine Macht über Patienten missbrauchen könnte, weil diese Israelis oder Juden sind, traf einen empfindlichen Nerv. Vertrauen ist das Fundament jeder medizinischen Behandlung. Dieses Vertrauen wurde durch das Verhalten der beiden Angeklagten massiv erschüttert.

Im Gerichtssaal herrschte eine gespannte Atmosphäre. Abu Labad wirkte während der Verhandlung sichtlich aufgewühlt, Tränen liefen ihr über das Gesicht. Auf die Frage des Richters Stephen Hanley antwortete sie leise, aber deutlich: nicht schuldig. Auch ihr Bruder erklärte, alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurückzuweisen. Damit ist der Weg für einen regulären Prozess frei.

Außerhalb des Gerichts kam es zu unschönen Szenen. Unterstützer der Angeklagten gerieten mit Journalisten aneinander. Ein Begleiter von Abu Labad versuchte wiederholt, Mikrofone von Reportern wegzustoßen, als diese Fragen stellten. Diese Konfrontationen zeigten erneut, wie emotional aufgeladen der Fall ist. Für viele Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft steht er stellvertretend für eine Atmosphäre, in der offener Israelhass immer häufiger ohne Konsequenzen geäußert wird.

Die Anklageschrift gegen Abu Labad umfasst mehrere Punkte. Ihr wird vorgeworfen, einen Kommunikationsdienst genutzt zu haben, um zu drohen, zu belästigen und eine bestimmte Bevölkerungsgruppe gezielt einzuschüchtern. Ihr Bruder Ahmed Nadir sieht sich ähnlichen Anschuldigungen gegenüber. Zusätzlich muss er sich wegen Besitzes eines verbotenen Betäubungsmittels verantworten. Bei einer Durchsuchung seines Spinds im Krankenhaus fand die Polizei eine Flasche Morphium. Dieses Verfahren wird gesondert vor einem lokalen Gericht verhandelt.

Bereits unmittelbar nach Bekanntwerden des Videos reagierten die Behörden. Das Gesundheitsministerium des Bundesstaates New South Wales suspendierte beide von ihren Arbeitsplätzen. Ihnen wurde außerdem untersagt, irgendwo in Australien im Pflegebereich zu arbeiten. Für zwei Jahre dürfen sie auch nicht im Rahmen des nationalen Versicherungsprogramms für Menschen mit Behinderungen tätig sein. Diese Maßnahmen zeigen, wie ernst die australischen Institutionen den Vorfall nehmen.

Der juristische Kern des kommenden Prozesses wird die Frage sein, ob das von Max Veifer aufgenommene Video als Beweismittel zugelassen wird. Die Verteidigung kündigte bereits an, genau hier anzusetzen. Der Anwalt von Ahmed Nadir argumentiert, die Aufnahme sei ohne Zustimmung seiner Mandanten entstanden und daher rechtlich nicht verwertbar. Sollte das Gericht dieser Argumentation folgen, würde die Anklage erheblich geschwächt. Wird das Video jedoch zugelassen, könnten die klaren Aussagen der Angeklagten zu ihrem größten Problem werden.

Das Gericht hat den 1. Mai als Frist zur Einreichung der Verteidigungsunterlagen festgelegt. Am 1. Juni soll eine Voranhörung stattfinden, bei der über rechtliche Fragen wie die Zulässigkeit der Beweise entschieden wird. Der eigentliche Prozess ist für den 31. August angesetzt und soll voraussichtlich fünf Tage dauern. Für die jüdische Gemeinschaft Australiens wird dies ein wichtiger Moment sein. Viele erwarten, dass der Rechtsstaat ein klares Signal sendet: Hass und Drohungen gegen Israelis dürfen nicht folgenlos bleiben.

Der Fall berührt weit mehr als nur zwei Einzelpersonen. Er wirft grundlegende Fragen auf. Wie sicher können jüdische Patienten sein, wenn sie medizinische Hilfe benötigen? Wie tief reicht der Antisemitismus in westlichen Gesellschaften inzwischen? Und welche Verantwortung tragen Arbeitgeber und staatliche Institutionen, um solche Vorfälle zu verhindern?

Australien gilt traditionell als tolerantes und multikulturelles Land. Doch auch dort sind in den vergangenen Jahren immer wieder antisemitische Vorfälle registriert worden. Das Internet, soziale Medien und ein zunehmend aggressiver politischer Diskurs haben dazu beigetragen, dass alte Vorurteile in neuer Form zurückkehren. Der Prozess gegen Abu Labad und Nadir ist deshalb mehr als ein gewöhnliches Strafverfahren. Er ist ein Test für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und für den Schutz jüdischen Lebens in der Diaspora.

Für Israel und die jüdische Welt ist dieser Fall ein schmerzhaftes Beispiel dafür, wie schnell sich Hass normalisieren kann. Wer offen davon spricht, Patienten wegen ihrer Herkunft zu schädigen, überschreitet jede moralische und berufliche Grenze. Dass solche Worte aus dem Mund von medizinischem Personal kamen, macht sie umso erschreckender.

Am Ende wird ein Gericht über Schuld oder Unschuld entscheiden. Doch unabhängig vom juristischen Ausgang hat dieser Fall bereits jetzt tiefe Spuren hinterlassen. Er hat gezeigt, wie zerbrechlich das Gefühl von Sicherheit sein kann. Und er erinnert daran, dass Antisemitismus nicht nur ein Problem ferner Länder ist, sondern auch in modernen westlichen Demokratien bekämpft werden muss.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob Australien bereit ist, hier ein deutliches Zeichen zu setzen. Für viele Menschen, in Israel wie in der jüdischen Diaspora, geht es um weit mehr als um zwei Angeklagte. Es geht um Würde, um Schutz und um die klare Botschaft, dass Hass im Gesundheitswesen keinen Platz hat.




Autor: Redaktion
Bild Quelle:
Dienstag, 03 Februar 2026

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