Palästinensisch-australischer Unternehmer verbreitet in Katar antisemitische Verschwörungsthesen bei Start neuer PlattformPalästinensisch-australischer Unternehmer verbreitet in Katar antisemitische Verschwörungsthesen bei Start neuer Plattform
Ein palästinensisch-australischer Unternehmer präsentiert in Katar eine Plattform, die angeblich Meinungsfreiheit fördern soll. In Wahrheit verbreitet er altbekannte Verschwörungserzählungen.
Was auf den ersten Blick wie eine harmlose technologische Neugründung wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinhören als politisches Projekt mit klarer ideologischer Schlagseite. Beim Web Summit Qatar 2026 trat der palästinensisch-australische Geschäftsmann Issam Hijazi auf die Bühne und stellte sein neues soziales Netzwerk UpScrolled vor. Doch statt über Innovation, Technologie oder digitale Zukunft zu sprechen, nutzte er das internationale Forum vor allem für eine politische Anklage gegen Israel und gegen große westliche Technologieunternehmen.
Hijazi erklärte, er habe seine Plattform als direkte Reaktion auf das gegründet, was er als Mitschuld der großen Tech-Konzerne am sogenannten Völkermord in Gaza bezeichnete. Schon diese Wortwahl offenbart, in welchem ideologischen Rahmen er sich bewegt. Der Begriff Völkermord wird hier nicht als jurisch definierte Kategorie verwendet, sondern als politisches Schlagwort, um Israel moralisch zu delegitimieren. Für Hijazi steht fest, dass die internationale Technologiebranche Teil eines Systems sei, das palästinensische Stimmen unterdrücke.
Seiner Darstellung nach hätten Unternehmen wie Meta, Google oder X in den vergangenen Jahren gezielt pro-palästinensische Inhalte zensiert. Sie seien nicht an ethischem Verhalten interessiert, sondern würden bewusst politische Narrative steuern. UpScrolled solle deshalb eine Alternative sein, ein Raum, in dem palästinensische Sichtweisen frei geäußert werden könnten. Die Behauptung klingt vertraut. Sie reiht sich ein in ein seit Jahren verbreitetes Narrativ, wonach Israelkritik angeblich systematisch zum Schweigen gebracht werde.
Doch Hijazi ging in Doha noch weiter. Er erklärte, das eigentliche Problem seien nicht die Algorithmen der Plattformen, sondern die Menschen, die hinter den Kulissen die Fäden zögen. Als Beispiel nannte er die jüngste Übernahme von TikTok durch den amerikanischen Unternehmer Larry Ellison, der die Organisation Friends of the Israel Defense Forces finanziell unterstützt. Für Hijazi ist damit klar, dass auch TikTok nun Teil einer pro-israelischen Agenda geworden sei.
Mit Sätzen wie wir müssen nicht erklären, was hinter den Kulissen passiert deutete Hijazi unverhohlen eine angebliche geheime Machtstruktur an. Er behauptete, dieselben Kräfte, die seit Jahrzehnten Fernsehnachrichten kontrollierten, versuchten nun, auch soziale Medien und den freien Informationsfluss weltweit zu beherrschen. Diese Worte sind nichts anderes als modernisierte Versionen klassischer Verschwörungstheorien, die seit Generationen gegen Juden und Israel verwendet werden.
Auffällig ist, wie geschickt Hijazi seine Vorwürfe formuliert. Offene antisemitische Aussagen vermeidet er. Stattdessen spricht er von anonymen Eliten, von Kontrolle über Medien und Daten, von versteckten Interessen. Doch die Anspielungen sind eindeutig. Wenn ein Unternehmer auf einer internationalen Konferenz suggeriert, jüdische Spender und israelnahe Persönlichkeiten würden weltweit Informationen manipulieren, bedient er uralte antisemitische Stereotype in neuem Gewand.
Sein neues Netzwerk UpScrolled präsentiert Hijazi als moralische Alternative zu den etablierten Plattformen. Es solle transparent, gerecht und offen sein. Doch die ideologische Grundlage dieser Plattform wirft ernste Fragen auf. Wenn ein soziales Netzwerk aus der Überzeugung heraus gegründet wird, dass Israel einen Völkermord begehe und westliche Konzerne Teil einer globalen Unterdrückungsmaschinerie seien, dann ist kaum zu erwarten, dass dort tatsächlich ein pluralistischer Diskurs entsteht.
Viel wahrscheinlicher ist, dass UpScrolled zu einem weiteren digitalen Raum wird, in dem einseitige antiisraelische Propaganda ungehindert verbreitet werden kann. Schon heute existieren zahlreiche Plattformen und Kanäle, die sich als Gegenöffentlichkeit verstehen und in Wirklichkeit vor allem ein Forum für radikale Positionen bieten. Die Gründung eines weiteren solchen Netzwerks trägt nicht zu mehr Verständnis oder Dialog bei, sondern vertieft die Spaltung.
Der Auftritt von Hijazi in Katar passt zudem perfekt in den politischen Kontext des Landes. Katar hat sich in den vergangenen Jahren als Schutzmacht der Hamas profiliert und bietet immer wieder Akteuren eine Bühne, die Israel dämonisieren. Dass ausgerechnet dort ein soziales Netzwerk präsentiert wird, das gegen angebliche israelische Einflussnahme kämpfen will, ist kein Zufall.
Auch die Behauptung, große Technologieunternehmen würden gezielt palästinensische Inhalte zensieren, hält einer nüchternen Betrachtung kaum stand. Auf allen großen Plattformen finden sich täglich unzählige Beiträge, die Israel scharf kritisieren, boykottieren oder delegitimieren. Von systematischer Unterdrückung kann keine Rede sein. Was tatsächlich entfernt wird, sind in der Regel Aufrufe zu Gewalt, Terrorpropaganda oder antisemitische Hetze. Diese Regeln als politische Zensur darzustellen, ist eine bewusste Verzerrung.
Israel und seine Unterstützer werden seit Jahren in sozialen Medien massiv angegriffen, bedroht und diffamiert. Jüdische Nutzer berichten regelmäßig von Hasskampagnen und Einschüchterungen. Doch davon sprach Hijazi in Doha kein Wort. Sein Fokus lag ausschließlich darauf, Israel als Täter und sich selbst als Opfer darzustellen.
Die Gründung von UpScrolled mag technisch unspektakulär sein. Politisch jedoch ist sie ein weiteres Beispiel dafür, wie der digitale Raum zunehmend für ideologische Kämpfe missbraucht wird. Anstatt Brücken zu bauen, werden neue Gräben gezogen. Anstatt Fakten zu diskutieren, werden Verschwörungserzählungen verbreitet.
Für Israel und seine Freunde weltweit bleibt die Herausforderung dieselbe. Sie müssen nicht nur auf militärischer und diplomatischer Ebene bestehen, sondern auch im Kampf um die öffentliche Meinung. Plattformen wie die von Issam Hijazi zeigen, dass dieser Kampf immer stärker ins Digitale verlagert wird.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Screenshot upscrolled.com
Mittwoch, 04 Februar 2026