Somaliland und Israel: Eine Allianz, die älter ist als viele glaubenSomaliland und Israel: Eine Allianz, die älter ist als viele glauben
Während große Teile der Welt überrascht auf Israels Anerkennung Somalilands reagierten, sieht man in Hargeisa und Berbera eine historische Rückkehr zur Normalität. Ein führender Unternehmer erklärt, warum Israel für Somaliland kein neuer Partner ist, sondern ein natürlicher Verbündeter.
Die Entscheidung Israels, die Republik Somaliland offiziell anzuerkennen, löste in vielen Hauptstädten der Welt Verwunderung aus. Für internationale Beobachter schien es ein geopolitischer Paukenschlag. Für die Menschen am Horn von Afrika dagegen war es etwas völlig anderes: ein lang erwarteter Schritt, der ein historisches Kapitel neu aufschlägt.
Khalifa Ibrahim, Unternehmer aus der Hafenstadt Berbera und Berater internationaler Investoren, spricht über diese Entwicklung mit einer Gelassenheit, die viel über die Wahrnehmung in Somaliland verrät. Für ihn ist die israelische Anerkennung keine Sensation, sondern eine natürliche Fortsetzung jahrzehntelanger Beziehungen.
Er erinnert daran, dass Israel bereits 1960 zu den ersten Staaten gehörte, die Somaliland nach seiner Unabhängigkeit von Großbritannien anerkannten. Dieser historische Fakt ist in Europa und im Nahen Osten weitgehend in Vergessenheit geraten. In Somaliland jedoch blieb er lebendig. „Wir haben immer gewusst, dass Israel uns eines Tages wieder offiziell anerkennen wird“, sagt Ibrahim. „Das ist kein neuer Beginn, sondern die Wiederaufnahme einer alten Verbindung.“
Berbera, die Heimatstadt Ibrahims, ist dabei mehr als nur ein Hafen am Roten Meer. Sie ist ein lebendiges Symbol für die jahrzehntelangen Verflechtungen zwischen Juden und Somalis. Noch heute gibt es dort ein Viertel, das offiziell als jüdisches Viertel bezeichnet wird. Während der britischen Kolonialzeit lebten jüdische Händler Seite an Seite mit der lokalen Bevölkerung. Diese Geschichte prägt das Selbstverständnis vieler Menschen bis heute.
Ibrahim geht sogar noch weiter. Er spricht von Stämmen im Norden Somalilands, die ihre Wurzeln nicht in der arabischen, sondern in einer jüdisch-israelitischen Tradition sehen. Diese Überzeugungen mögen für westliche Ohren überraschend klingen, doch in Somaliland gehören sie zur kulturellen Identität. Sie bilden einen emotionalen Unterbau für die heutige politische Annäherung.
Auch ohne formelle diplomatische Beziehungen waren Israel und Somaliland in den vergangenen Jahren eng verbunden. Was von außen als geheime Kooperation erscheinen mag, war für die Beteiligten eine offene Partnerschaft. Israelische Ärzte arbeiteten in somaliländischen Krankenhäusern, Experten halfen bei der Lösung von Wasserproblemen, und israelische Dozenten lehrten an Universitäten.
„Für uns war das nie etwas Verstecktes“, betont Ibrahim. „Es war praktische Zusammenarbeit, lange bevor Außenminister und offizielle Delegationen auftauchten.“ Die heutige Normalisierung mache lediglich sichtbar, was längst Realität war.
Die Reaktionen in der islamischen Welt auf diese Entwicklung kommentiert Ibrahim mit spürbarer Verärgerung. Jahrzehntelang habe Somaliland um internationale Anerkennung gerungen, auch bei arabischen und muslimischen Staaten. Über 35 Jahre habe niemand geholfen, als das Land sich nach einem blutigen Bürgerkrieg mühsam selbst stabilisierte. Erst jetzt, da Israel offiziell an Somalilands Seite stehe, tauchten plötzlich moralische Vorwürfe auf.
„Wo waren diese Länder, als wir allein um unsere Existenz kämpften?“, fragt er. „Sie haben uns ignoriert. Jetzt wollen sie uns vorschreiben, mit wem wir Beziehungen haben dürfen.“ Für Somaliland sei klar: Außenpolitik werde nach eigenen Interessen gestaltet, nicht nach Anweisungen aus Ankara, Kairo oder Doha.
Über 1.500 formelle Beschwerden gegen Israels Anerkennung seien international eingereicht worden, erzählt Ibrahim. Geändert habe das nichts. Der israelische Außenminister habe Somaliland besucht, die Kooperation gehe weiter, und bald würden Botschaften in Jerusalem und Hargeisa eröffnet.
Besonders scharf weist Ibrahim den Vorwurf zurück, Somaliland verrate durch die Annäherung an Israel seine islamische Identität. „Wir sind und bleiben ein muslimisches Land, zu hundert Prozent“, erklärt er. In Somaliland schließe man Geschäfte zum Gebet, der Alltag richte sich strikt nach religiösen Prinzipien. „Unsere Beziehung zu Israel macht uns nicht weniger muslimisch. Sie macht uns nur pragmatischer.“
Diese pragmatische Haltung ist es, die Somaliland auszeichnet. Während viele Länder der Region ideologisch verharren, setzt Hargeisa auf wirtschaftliche Entwicklung, Stabilität und internationale Öffnung. Für Investoren aus Israel sieht Ibrahim enorme Chancen: Landwirtschaft, Häfen, Bodenschätze, Tourismus. Die Regierung habe bereits Steuererleichterungen für israelische Unternehmen beschlossen.
Seine Botschaft an Israel ist daher eindeutig: „Wir sehen euch als Brüder. Somaliland kann euer Tor nach Afrika sein.“
Diese Worte spiegeln eine neue Realität wider. Eine Realität, in der sich am Horn von Afrika ein kleiner, oft übersehener Staat selbstbewusst positioniert und seinen Platz in der Welt sucht. Mit Israel an seiner Seite.
Autor: Bernd Geiger
Bild Quelle: GPO
Donnerstag, 12 Februar 2026