Antisemitische Gewalt eskaliert weltweit: 137 Angriffe in nur einer WocheAntisemitische Gewalt eskaliert weltweit: 137 Angriffe in nur einer Woche
Synagogen werden beschossen, Schulen angegriffen und jüdische Besucher in Restaurants attackiert. Ein neuer Bericht zeigt, wie der Krieg im Nahen Osten weltweit eine Welle antisemitischer Gewalt entfacht.
Seit Beginn des Krieges ist die Zahl antisemitischer Vorfälle weltweit um 34 Prozent gestiegen. Innerhalb nur einer Woche wurden 137 antisemitische Zwischenfälle registriert, darunter Anschläge auf Synagogen, Drohungen gegen jüdische Gemeinden, Brandanschläge, Schüsse auf Gebäude und körperliche Angriffe auf Juden im Alltag.
Die Zahlen stammen aus einem neuen Bericht der Combat Antisemitism Movement. Die Organisation dokumentiert weltweit antisemitische Vorfälle und wertet regelmäßig Daten aus Polizeiangaben, Medienberichten und Meldungen jüdischer Gemeinden aus.
Besonders auffällig ist laut Bericht, dass mindestens 27 dieser Angriffe direkt mit dem Krieg in Verbindung stehen. Täter beriefen sich auf Unterstützung für das iranische Regime oder verbreiteten antisemitische Verschwörungstheorien über Israel und Juden.
Damit bestätigt sich eine Entwicklung, die jüdische Organisationen seit Jahren beobachten: Wenn Israel militärisch im Fokus steht, richtet sich der Hass vieler Täter nicht nur gegen den Staat Israel, sondern gegen Juden weltweit.
Synagogen erneut im Visier extremistischer Täter
Ein besonders beunruhigendes Detail des Berichts betrifft Angriffe auf jüdische Gotteshäuser. Acht der registrierten Vorfälle richteten sich gezielt gegen Synagogen.
In den Vereinigten Staaten wurde ein schwerer Anschlag nur knapp verhindert. Ein bewaffneter Angreifer versuchte, mit einem Fahrzeug in die Synagoge Temple Israel im Bundesstaat Michigan zu fahren. Sicherheitskräfte eröffneten das Feuer und stoppten den Täter, bevor er in das Gebäude eindringen konnte. Zum Zeitpunkt des Angriffs befanden sich Kinder und Gemeindemitglieder im Gebäude.
Auch Europa erlebte innerhalb weniger Tage mehrere Angriffe.
In der belgischen Stadt Liège wurde eine historische Synagoge durch eine Explosion beschädigt. Wenige Tage später detonierte ein Sprengsatz an einer Synagoge im niederländischen Rotterdam.
Zu diesem Anschlag bekannte sich eine bislang kaum bekannte extremistische Gruppierung mit dem Namen Ashab Al Yamim. Die Gruppe erklärte, sie habe innerhalb weniger Tage mehrere Angriffe auf jüdische Einrichtungen in Europa durchgeführt.
Sicherheitsbehörden prüfen derzeit, ob hinter der Organisation Netzwerke stehen, die ideologisch oder operativ mit iranischen Strukturen verbunden sind. Iran hat in der Vergangenheit mehrfach versucht, Anschläge auf jüdische Ziele im Ausland über Stellvertreterorganisationen durchführen zu lassen.
Schüsse auf Synagogen in Kanada
Auch Kanada wurde Ziel antisemitischer Gewalt.
In der Region Toronto registrierte die Polizei Schüsse auf drei verschiedene Synagogen. Einschusslöcher wurden an den Eingängen der Gebäude entdeckt. Verletzt wurde niemand, doch die Vorfälle lösten große Besorgnis in der jüdischen Gemeinschaft aus.
In Norwegen reagierten Sicherheitskräfte ebenfalls auf mögliche Bedrohungen. Polizeieinheiten nahmen Verdächtige in der Nähe von Synagogen in Oslo und Trondheim fest, nachdem Hinweise auf mögliche Anschlagspläne eingegangen waren.
Hass auf offener Straße
Neben Angriffen auf Gebäude kommt es zunehmend auch zu Übergriffen auf jüdische Menschen im Alltag.
In der amerikanischen Stadt San Jose wurden zwei Männer attackiert, nachdem sie Hebräisch gesprochen hatten. Die Täter beschimpften sie und riefen Parolen zur Unterstützung Irans.
Auch in Großbritannien kam es zu einem Vorfall, der zeigt, wie offen antisemitische Parolen inzwischen wieder geäußert werden. Während eines Fußballspiels in Norwich beschimpften Zuschauer Schüler einer jüdischen Schule aus London mit antisemitischen Parolen und riefen ihnen zu, sie sollten „in die Gaskammern zurückgehen“.
Solche Vorfälle sind längst keine Einzelfälle mehr. Jüdische Gemeinden berichten zunehmend davon, dass Menschen im Alltag wegen ihrer Religion oder ihrer Verbindung zu Israel angefeindet werden.
Terrorpläne in Europa verhindert
Parallel zu den registrierten Angriffen konnten Sicherheitsbehörden auch geplante Anschläge verhindern.
In Deutschland deckten Ermittler ein Netzwerk auf, das Verbindungen zur Terrororganisation Hamas haben soll. Nach Angaben der Behörden plante die Gruppe Anschläge auf jüdische und israelische Ziele in Deutschland und weiteren europäischen Staaten.
Der Fall zeigt, dass antisemitische Gewalt nicht nur spontan entsteht, sondern teilweise organisiert vorbereitet wird.
Warnsignal für westliche Gesellschaften
Der Geschäftsführer der Combat Antisemitism Movement, Sacha Roytman, warnte, dass Juden in manchen Ländern inzwischen Mut aufbringen müssten, um überhaupt eine Synagoge zu betreten.
Antisemitismus sei ein Zeichen moralischen Verfalls in der Gesellschaft. Regierungen, Behörden und Institutionen müssten entschieden gegen Hass, Drohungen und Gewalt vorgehen.
Die aktuelle Entwicklung zeigt ein deutliches Muster: Wenn Israel militärisch angegriffen wird oder sich verteidigt, richtet sich der Hass vieler Täter weltweit gegen jüdische Gemeinden. Der Konflikt im Nahen Osten wird damit zu einem globalen Sicherheitsproblem für Juden.
Für viele Gemeinden bedeutet das eine Realität, in der bewaffnete Sicherheitskräfte, Polizeipräsenz und Zugangskontrollen längst zum Alltag gehören.
Autor: Redaktion
Bild Quelle: Symbolbild
Samstag, 14 März 2026