Jüdischer Sanitäter in Australien berichtet von Messerdrohung und Nazi ParolenJüdischer Sanitäter in Australien berichtet von Messerdrohung und Nazi Parolen
Ein Feuerwehrmann soll einem jüdischen Sanitäter in Australien mit einem Jagdmesser gedroht haben. Die Aussage fiel vor einer staatlichen Untersuchungskommission zu Antisemitismus. Die Schilderungen zeigen ein Klima, das viele Juden im Land inzwischen offen als Angstzustand beschreiben.

Bildnachweis: Symbolbild: KI generiert
Australien erlebt seit Monaten einen dramatischen Anstieg antisemitischer Vorfälle. Was lange als Randproblem behandelt wurde, erreicht inzwischen Schulen, Universitäten, Krankenhäuser und selbst Rettungsdienste. Vor einer königlichen Untersuchungskommission berichtete der jüdische Sanitäter Joshua Gomperts nun von Vorfällen, die deutlich machen, wie offen Judenhass inzwischen auftritt.
Der 33-Jährige schilderte, wie ihn ein Feuerwehrmann während eines Musikfestivals im Bundesstaat Victoria mit einem Jagdmesser bedroht haben soll. Vor anderen Einsatzkräften habe der Mann plötzlich einen großen Jagdmesser gezogen und gesagt: „Ich würde dich häuten, so wie meine Familie eure Familie in den Lagern gehäutet hat.“
Nach Angaben australischer Medien hörten Polizeibeamte die Äußerung unmittelbar vor Ort. Die Feuerwehrleitung soll daraufhin das gesamte Team ausgetauscht haben. Für viele jüdische Australier ist der Fall dennoch ein Schock, weil er zeigt, dass antisemitische Gewaltfantasien längst nicht mehr nur anonym im Internet auftauchen, sondern offen im öffentlichen Raum ausgesprochen werden.
Die Aussagen von Gomperts erfolgten im Rahmen der staatlichen Untersuchungskommission, die nach dem Massaker während einer Chanukka Veranstaltung am Bondi Beach in Sydney eingerichtet wurde. Damals wurden 15 Menschen ermordet. Die Kommission untersucht nicht nur den Anschlag selbst, sondern auch den massiven Anstieg antisemitischer Vorfälle im Land.
Gomperts schilderte dabei eine Reihe weiterer Erlebnisse. Bereits als Jugendlicher sei er attackiert worden, weil er eine Kippa trug. Ein Angreifer habe ihn mit einer Glasflasche verletzt. Später, während seiner Arbeit als Sanitäter, habe ein Patient im hohen Alter den Hitlergruß gezeigt und erklärt, er wolle nicht von einem Juden behandelt werden. Der Mann habe sich selbst als „alten Nazi“ bezeichnet.
Besonders alarmierend ist dabei nicht nur die Brutalität einzelner Vorfälle, sondern ihre zunehmende gesellschaftliche Normalisierung. Viele jüdische Australier berichten inzwischen davon, dass sie religiöse Symbole verstecken, Wohnorte meiden oder ihre Kinder nur noch unter hohen Sicherheitsvorkehrungen in jüdische Schulen schicken.
Auch die Tochter eines Opfers des Bondi Beach Anschlags sagte vor der Kommission aus. Sheina Gutnick schilderte, wie Menschen unmittelbar nach dem Anschlag auf offener Straße „Free Palestine“ und direkt danach „Scheiß Juden“ gerufen hätten. Für sie sei längst klar geworden, dass antisemitische Hetze in Australien häufig nicht mehr als gesellschaftliches Tabu behandelt werde.
Besonders bedrückend sind die Berichte über jüdische Schulen. Eine Zeugin erklärte, ihre Schule wirke inzwischen „mehr wie ein Gefängnis als wie eine Grundschule“. Bewaffnete Sicherheitskräfte, hohe Zäune und starke Polizeipräsenz gehören vielerorts inzwischen zum Alltag jüdischer Einrichtungen.
Die Vorsitzende der Untersuchungskommission, Virginia Bell, sprach offen über die Verbindung zwischen den Entwicklungen im Nahen Osten und dem sprunghaften Anstieg antisemitischer Vorfälle in Australien und anderen westlichen Staaten. Ereignisse in Israel würden zunehmend genutzt, um Hass gegen jüdische Bürger im eigenen Land auszuleben.
Genau darin sehen viele jüdische Organisationen inzwischen die größte Gefahr. Unter politischen Schlagworten oder vermeintlichem Aktivismus werde immer häufiger offener Judenhass transportiert. Der Übergang zwischen radikaler Israel-Feindlichkeit und direktem Antisemitismus verschwimmt dabei immer sichtbarer.
Besonders auffällig ist, wie häufig Täter heute offenbar kaum noch Angst vor Konsequenzen haben. Ob Lehrer mit Nazi Gesten im Unterricht, aggressive Demonstrationen vor Synagogen oder Bedrohungen gegen Rettungskräfte: Viele jüdische Australier berichten von einem Klima, das sie vor wenigen Jahren noch für unvorstellbar gehalten hätten.
Australien galt lange als eines der sichersten Länder für jüdisches Leben außerhalb Israels. Genau deshalb haben die aktuellen Entwicklungen eine enorme symbolische Wirkung weit über das Land hinaus. Denn sie zeigen, wie schnell gesellschaftliche Hemmschwellen fallen können, wenn antisemitische Sprache politisch relativiert oder als bloßer Aktivismus verharmlost wird.
Autor: Redaktion
Donnerstag, 07 Mai 2026