Muslimischer Antisemitismus in Frankreich

Muslimischer Antisemitismus in Frankreich


Muslimischer Antisemitismus in Frankreich

Manfred Gerstenfeld interviewt Richard Prasquier

Seit Beginn dieses Jahrhunderts ist der muslimische Antisemitismus die extremste Form des Judenhasses in Frankreich geworden. Die Ermordung eines jüdischen Lehrers und dreier Kinder an der Otzar HaTorah-Schule in Toulouse im März 2012 unterstrich dies. Der Mörder, Mohamed Merah, behauptete aus Solidarität mit den Palästinensern zu handeln. Aus seinem Hass gegen Frankreich heraus tötete er außerdem drei französische Soldaten.

Merahs älterer Bruder Abdelghani sagte mir, seine Mutter erfüllte alle ihre Kinder mit stark antisemitischer Gesinnung. Er wiederholte diese Behauptung in einem Buch, das er veröffentlichte. Seine Schwester erklärte im französischen Fernsehen, wie stolz sie auf ihren Bruder Mohamed ist. Als der vorige Präsident Nicolas Sarkozy eine Schweigeminute für die Opfer in den Schulen vorschlug, waren muslimische Schüler in einigen Schulen nicht bereit dem nachzukommen.

Seit 2007 ist Dr. Richard Prasquier Vorsitzender der CRIF, der Dachgesellschaft der französischen jüdischen Organisationen. Er ist von Beruf Kardiologe.

Wir sagten den Führern repräsentativer muslimischer Gremien, dass sie die Merah-Morde verurteilen sollten. Sie verurteilten sie zwar, aber hauptsächlich um zu beweisen, dass auch Muslime die Opfer von Mohamed Merah sind, weil seine Taten Islamophie schüren. Die meisten offiziellen Muslim-Organisationen sind schwach und genießen in der muslimischen Gemeinschaft geringe Unterstützung. Die Radikalen haben erfolgreich viele der muslimischen Moderaten zum Schweigen gebracht. Wir sehen auch, dass unter den französischen Muslimen der Einfluss aus arabischen Ländern zunimmt. Das gilt besonders für Qatar, das auch im französischen Sport Einfluss hat. Es gibt allerdings auch gute Nachrichten. Achtzehn französische Imame reisten gerade nach Israel. Ihre Bereitschaft zu diesem Besuch war mutig, da viele von ihnen starker Kritik durch andere Muslime unterworfen sind.

Die Merah-Morde hatten in Frankreich unterschiedliche Auswirkungen. Einige Medien beginnen zu begreifen, dass radikale Muslime die republikanischen Ideale gefährden, die das Wesen der französischen Werte verkörpern. In einem Op-Ed in Le Monde erklärte ich, dass der radikale Islam gemeinsame Züge mit dem Nationalsozialismus hat.

Der Antisemitismus in Frankreich ist traditionell als aus der extremen Rechten kommend identifiziert worden. Das stimmt zwar, nimmt aber ab. Es gibt zudem beträchtlichen Antisemitismus bei den Linken. Das drückt sich in erster Linie als Antizionismus aus. Man mag gegen die Idee des Zionismus sein, doch wenn Menschen unter den Ideologien den Zionismus herausstellen, dann werden sie damit zu Antisemiten.

Linker Antisemitismus hat uralte Wurzeln. Im 19. Jahrhundert gab es starken Antisemitismus bei den Vorläufern des Sozialismus. Heute vergleichen linke Antisemiten fälschlich die israelische Haltung gegenüber den Palästinensern zu der Frankreichs in seinen früheren Kolonien. Sie betrachten die Palästinenser als Opfer eines nicht existenten israelischen „Kolonialismus“ und projizieren ihre eigenen Schuldgefühle auf die Israelis.

Die Lage ist sogar noch schlimmer, da die meisten französischen Medien antiisraelisch sind. CRIF lud vor kurzem eine Gruppe von 66 Journalisten in Ausbildung nach Israel ein. Sie kamen aus der prestigeträchtigsten Journalistenschule des Landes in Lille. Wir wissen aus internen Umfragen, dass sie bei den letzten Präsidentschaftswahlen überwiegend gegen Nicolas Sarkozy stimmten und dass eine beträchtliche Zahl von ihnen eher linksextreme Kandidaten unterstützten.

Der französische Antisemitismus ist ein komplexes Phänomen. Nicht lange vor den Wahlen war der führende Kandidat der Sozialisten Dominique Strauss-Kahn, der sich öffentlich als jüdisch bezeichnet. Sein Jüdisch sein wurde nur auf rechtsextremen Blogs thematisiert. Doch Sarkozy war überzeugt, dass ein Großteil der Opposition gegen ihn dem Antisemitismus geschuldet war, da er fälschlich als jüdisch wahrgenommen wurde, weil sein Großvater mütterlicherseits jüdischer Herkunft war.

Bevor er Präsident wurde, hatte Hollande nicht viele Beziehungen zu jüdischen Organisationen. Er wurde allerdings immer als stark gegen Antisemitismus eingestellt angesehen. Seit seiner Wahl hat Hollande Wert darauf gelegt starke Unterstützung für das französische Judentum zu zeigen. Er brachte das im Juli in Paris bei einer jährlichen Gedenkfeier für deportierte Juden zum Ausdruck und machte es erneut im September bei der Einweihung eines Gedenkzentrums in Drancy. Die meisten verhafteten französischen Juden wurden von diesem Transitlager aus in den Tod deportiert. Hollande begleitete außerdem Benjamin Netanyahu nach Toulouse und erklärte, dass der israelische Premierminister Recht hatte Interesse am französischen Antisemitismus zu zeigen.

Der sozialistische Innenminister Manuel Valls hatte sich ebenfalls eindringlich gegen Antisemitismus ausgesprochen. Viele jetzt an der Macht befindliche Sozialisten haben Sympathie für Israel. In der jungen Generation ist das allerdings weit weniger der Fall.

Prasquier schließt: Einerseits hat das französische Judentum Sorge um die eigene Zukunft. Es findet einige jüdische Emigration statt, von der nur eine Minderheit das Land Richtung Israel verlässt. Andererseits bleiben wir nach internationalen Standards eine große jüdische Gemeinschaft. Es gibt Hoffnungszeichen, da mehr Franzosen die aus radikalmuslimischen Kreisen kommenden Gefahren erkennen. Juden sollten keine ungesunden Allianzen mit der populistischen extremen Rechten eingehen, die versucht auf Grundlage der gemeinsamen Angst vor dem Islamismus auf sie einzugehen. Es muss betont werden, dass sie wegen der Gefahren handeln, die die radikalen Muslime für das republikanische Wesen Frankreichs darstellen. Sie sollten nicht betonen, dass ihr Hauptmotiv die Gefahren sind, die radikale Muslime besonders für Juden darstellen.

 

Dr. Manfred Gerstenfeld ist Mitglied des Aufsichtsrats des Jerusalem Center of Public Affairs, dessen Vorsitzender er 12 Jahre lang war - Quelle: Heplev

 

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Autor: haolam.de
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Dienstag, 04 Dezember 2012

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