Unseren Atem anhalten – mit ihren Namen auf unseren Lippen…

Unseren Atem anhalten – mit ihren Namen auf unseren Lippen…


Unseren Atem anhalten – mit ihren Namen auf unseren Lippen…

von Corinne Berzon, Times of Israel

Für kurze Zeit vergesse ich den Druck an meiner Kehle, einen kurzen Moment lang kann ich frei atmen. Aber dann erinnere ich mich daran, dass sie noch immer verschwunden sind, und das Atmen fällt mir wieder schwer. Und da sind großer Schrecken und große Wut und ein Brennen in meinen Augen. Selbst im Verlauf des Alltags bleibt das Empfinden, als sei mir der Hals zugeschnürt, bestehen.

Aber sie sind nicht meine Kinder. Warum bin ich dennoch so sehr betroffen? Ihre eigenen Mütter wirken so gefasst und würdig, sie strahlen Glauben und Freundlichkeit und Vergebung und Stärke aus. Welches Recht habe ich, bei diesen leidenden Müttern Trost zu suchen? Ich habe kein Recht diese furchtbaren Schmerzen zu empfinden, und doch empfinde ich sie.

Meine Kinder schlafen abends ein mit den Namen der Jungen auf ihren Lippen. Sie rezitieren jeden Tag Psalmen mit ihren Klassenkameraden, sie beten gemeinsam mit dem gesamten Land um die sichere Rückkehr unserer gestohlenen Kinder. Wir zünden gemeinsam Kerzen an, und meine Kinder beten flüsternd: “Bitte bringe sie wieder nach Hause”.

Ein Schuldempfinden nagt an mir. Ich habe das unermessliche Vorrecht, die Mutter dreier schöner, gesunder Kinder zu sein, die am Ende des Tages zu mir nach Hause zurückkehren (bli ayin hara), während die Mütter von Gilad, Naftali and Eyal Tag um Tag warten, wobei Angst und Enttäuschung mit jeder Minute wachsen. Sie sind nicht meine Kinder, und diese Panik kann ich im Grunde nicht für mich beanspruchen, aber dennoch empfinde ich Panik. Wie wir alle. Bei den stündlichen Nachrichten rufen wir unseren eigenen Kindern “Pst!“ zu, und dann lauschen wir, in der Hoffnung auf bessere Neuigkeiten, als in der Stunde zuvor. Wir verhalten uns wie Juden, die am Altar unseres Gottes Opfer bringen möchten, in der Hoffnung, dass unsere Gebete beantwortet werden. Wir bereiten sorgfältig den Challah Teig, wir zünden zusätzliche Schabbat Kerzen an, wir rezitieren die Psalmen, wir senden Hilfsgüter zu unseren Soldaten, wir lernen Torah. Wir denken uns zündende Sprüche aus, und wenn wir uns auf Facebook und in Internet Blogs unterhalten, dann äußern wir Beschuldigungen und wir schütten unser Herz voreinander aus. Immer mit ihren Namen auf unseren Lippen. Ja, immer mit ihren Namen auf unseren Lippen.

Wir wissen, dass die Situation schwierig geworden ist. Wir wissen jetzt, dass wir im Krieg sind. Wir wissen, dass es noch schlimmer werden wird, bevor es wieder so schlimm wie üblich wird. Neben unserer tränenerfüllten Verzweiflung sind wir eine stoische Nation mit einer eisernen Entschlossenheit. Wir wissen, wie sehr wir unsere Kinder lieben, und wir wissen, wie weit wir gehen werden, um sie nach Hause zu bringen. Immer weniger von uns sind bereit, sich dafür zu entschuldigen. Wir haben Tausende für jedes unserer gestohlenen Kinder in der Vergangenheit entlassen, ob sie noch am Leben waren oder nicht, und nun werden wir jeden einzelnen unserer Feinde gefangen nehmen, wenn uns dies einen Schritt näher zur Sicherheit bringt. Wir werden unsere Kinder von Tür zu Tür senden, wir werden jeden Stein umdrehen, wir werden durch jeden Tunnel kriechen, wenn dies dazu beiträgt, dass wir Gilad, Naftali und Eyal finden.

Ich weiß, sie sind nicht meine Kinder, und ich habe kein Recht auf diesen Schmerz und diesen Zorn und diese Wut. Ich frage mich, was wir alle uns fragen: Müssen sie frieren? Gibt man ihnen zu essen? Sind sie in der Bedrohung zusammen? Ich frage mich, ob sie wissen, dass eine Einheit, wie ein Brunnen aus der versengten Wüste ihres Verschwindens, aufgesprungen ist. Ich frage mich, ob sie wissen, dass wir alle wegen ihnen Schmerzen empfinden, wie dies mit nichts, das jemals zuvor geschehen ist, verglichen werden kann.

Während die Raketen aus Gaza gegen uns abgefeuert werden, während Schüsse in jedem Winkel Judäas und Samarias gegen uns fallen, während Syrien seinen Krieg bis an unsere Türschwelle trägt, wissen wir, dass wir alleine sind. Wir wissen, dass nichts, was wir sagen oder tun, uns davor bewahrt, von der Weltmeinung verurteilt zu werden; doch langsam haben wir aufgehört, deswegen besorgt zu sein. Diese Jungen wurden gestohlen, und sie sind immer noch nicht zuhause. Angesichts dessen haben wir der anklagenden Welt nichts zu sagen. Wir sprechen keine Plattitüden aus mit ihren Namen auf unseren Lippen.

Israel ruft mit einer Stimme drei Namen. Wir werden nicht ruhen, auch während wir unser tagtägliches Leben führen: Ihre Namen werden immer auf unseren Lippen sein, die Erinnerung an ihre fehlende Anwesenheit unter uns wird immer wie ein Schatten vor uns und nach uns sein. Wir tragen sie, sie sind nicht unsere Kinder, und doch handeln wir, als wäre sie unsere Kinder. Wir halten an ihnen fest, und keiner von uns lässt sie los, nicht einmal für eine Sekunde. Sie sind nicht meine Kinder, aber ihre Namen sind auf meinen Lippen.

Gilad, Naftali, Eyal. Ich werde nicht frei atmen, keiner von uns wird frei atmen, bis ihr wieder sicher Zuhause seid.

 

Übersetzt von Renate für unseren Partnerblog Aro1.com

 

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Autor: fischerde
Bild Quelle:


Donnerstag, 26 Juni 2014

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