Israel und Deutschland: Einseitige Versöhnung

Israel und Deutschland: Einseitige Versöhnung


Israel und Deutschland: Einseitige Versöhnung

von Eldad Beck, YNet-Korrespodent Berlin

BERLIN – Gegenwärtig schaut alles danach aus, dass Deutschland beabsichtigt, den 50. Jahrestag der diplomatischen Beziehungen mit Israel ohne Israel zu feiern.

Genauer gesagt, Deutschland möchte den Jahrestag nur mit einem ausgewählten Teil Israels feiern, und zwar mit denjenigen, die den deutschen Politikern sagen, was diese hören möchten: Wie wunderbar Deutschland ist, und wie schrecklich Israel ist.

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier gab am vergangenen Donnerstag im Auswärtigen Amt in Berlin einen Empfang zur Feier dieses 50. Jahrestags. Er hatte einen israelischen Schriftsteller und einen berühmten deutschen Regisseur eingeladen, damit diese vor geladenen Gästen eine Diskussion führen sollten.

Nur ein kleines Detail war vergessen worden: Die Tatsache, dass dieses Ereignis mit der anderen betroffenen Partei — dem Staat Israel — hätte abgesprochen werden müssen. Ansprechpartner wäre in diesem Fall die israelische Botschaft in Berlin gewesen. Vielleicht war die deutsche Diplomatie so eifrig damit beschäftigt, das geheime Treffen zu organisieren, das einige Stunden früher zwischen Steinmeier und dem iranischen Außenminister stattfand.

Ein weiterer nachdenklich stimmender Faktor trat hinzu: Die Diskussion vor den geladenen Gästen, die sich mit den diplomatischen Beziehungen zu Israel befassen sollte, erwähnte die Beziehungen zwischen den beiden Ländern Deutschland und Israel so gut wie gar nicht.

Sie sprachen über “innere Probleme” Israels, sie verspotteten den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu, während die Zuhörerschaft applaudierte.

Und da die Beziehungen mit Israel sich, wie Steinmeier sagte, in Beziehungen der “Freundschaft und Partnerschaft” gewandelt haben, behauptete der deutsche Minister, dass Deutschland sorgfältig darauf achten würde, sich nicht in Israels innere Angelegenheiten einzumischen.

Was nicht zutrifft: Deutschland hatte sich im vergangenen Sommer in die Debatte wegen eines Gesetzes eingemischt, das den Staat Israel als den Staat des jüdischen Volkes definieren soll (http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-4595379,00.html), und Steinmeier selbst hatte verärgert reagiert, als Netanyahu die Juden Frankreichs nach den Terrorangriffen in Paris aufgerufen hatte, nach Israel auszuwandern. Steinmeier hatte diesen Aufruf als “irritierend” bezeichnet.

Und so mischt sich Deutschland 50 Jahre nach dem “Wunder der Versöhnung” in die innere Diskussion über den jüdischen Charakter des jüdischen Staates ein, und es protestiert dagegen, dass der israelische Premierminister die Juden aufruft, in das Land der Juden einzuwandern. Das hört sich nach einer Verleugnung des Zionismus an. Aber damit dieser Verdacht beiseite geschoben werden kann, verwendet die deutsche Politik diejenigen Israelis, die genau dieselben Dinge sagen. Nach dem Motto: Wenn die Israelis das sagen, warum sollten es dann die Deutschen nicht dürfen?

Deutschland investiert viel Geld, damit es das Wesen des Dialogs mit Israel bestimmen kann — in der akademischen Welt, in den Medien, in der Politik. So ist es kein Wunder, dass eine Studie, die in der vergangenen Woche von der deutschen Konrad-Adenauer-Stiftung veröffentlicht wurde, herausfand, dass mehr als 70% der Israelis eine positive Einstellung gegenüber Deutschland haben.

Andererseits wurde keine Studie über die Haltung der Deutschen gegenüber Israel vor dem 50. Jahrestag durchgeführt. Es besteht kaum ein Zweifel, dass die Ergebnisse einer solchen Umfrage alarmierend gewesen wären: Während die meisten Israelis sich mit den Deutschen versöhnt haben, empfinden die meisten Deutschen Feindschaft gegenüber Israel, die an Hass zu grenzen scheint.

Fünfzig Jahre diplomatischer Beziehungen haben zu einer einseitigen Versöhnung geführt. Und dazu, dass die Meinung aufgekommen ist, dass man vorschreiben kann, wie Israel sich zu verhalten hat.

 

Übersetzt von Renate für unseren Partnerblog Aro1.com - Foto: Sonderbriefmarke der Deutschen Post 2005 (Foto: von Stefan Klein und Olaf Neumann, für das Bundesministerium der Finanzen und die Deutsche Post AG [Public domain], via Wikimedia Commons)

 

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Autor: joerg
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Dienstag, 27 Januar 2015

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