Weil sie Israels Existenzrecht bejaht und gegen den BDS-Antisemitismus ist: Jutta Ditfurth von Konferenz ausgeladen

Weil sie Israels Existenzrecht bejaht und gegen den BDS-Antisemitismus ist:

Jutta Ditfurth von Konferenz ausgeladen


Jutta Ditfurth*: Weil ich das Existenzrecht Israels verteidige und den antisemitischen BDS kritisiere, wurde ich als Referentin aus der Internationalen Konferenz der Partei Candidatura d´Unitat Popular (CUP) geworfen. Die Konferenz findet am 20. Mai 2017 in Barcelona statt.

Jutta Ditfurth von Konferenz ausgeladen

Vorbemerkung: Dem antisemitischen BDS (Boycott Divestment Sanctions) geht es nicht um Kritik an Israels Politik oder am Rassismus in der israelischen Gesellschaft, sondern um die Zerstörung von Israels Existenz. In Wirklichkeit geht es auch nicht um den Boykott von Produkten aus den Siedlungsgebieten, wie viele Leute noch glauben wollen. Sondern: Der einzige jüdische Staat der Welt soll so lange dämonisiert und delegitimiert werden, bis das eigentliche Ziel erreicht ist: seine Vernichtung. Der BDS will keine Zweitstaatenlösung, sondern nur einen Staat namens Palästina. Es sollen nur noch die »nicht-zionistischen« Juden im neuen Staat bleiben dürfen; da für den BDS aber praktisch alle Juden Zionisten sind, dürften nur wenige Juden in Israel leben – nur die, die sich dem BDS und dem mit ihm befreundeten Organisationen beugen. In den neuen Staat sollen nicht nur die real vertriebenen Palästinenser zurückkehren, sondern alle ihre Nachfahren, auch wenn sie nie in Israel gelebt haben. Das wären 5 bis 6,5 Millionen Menschen. Aber Israel ist nur so groß wie Hessen und hat 8,3 Millionen Einwohner, davon etwa 6,1 Millionen Juden. Es gäbe Israel dann nicht mehr. Und auch das Völkerrecht kennt kein »vererbbares« Rückkehrrecht.

 

Aktueller Konflikt: Die katalanische Partei Candidatura d´Unitat Popular (CUP) [1] lud mich im März 2017 als Referentin zu ihrer Konferenz »Internationale Konferenz: Souveränität und Selbstbestimmung. Politischer Wandel in der Euro-Mittelmeerregion« nach Barcelona ein. Am 20. Mai sollte ich auf der Konferenz einen Vortrag halten und an einem Round Table-Gespräch teilnehmen, am 22. Mai auf einer Konferenz der Fundació Tià Salellas in der Stadt Girona vortragen.

 

In der Einladung hieß es: Wir möchten, dass Sie als »Feministin, Radikalökologin und Anti-Atom-Aktivistin und als Mitgründerin der Grünen sowie der Ökologischen Linken […] Ihre Erfahrungen und Positionen bezüglich zivilem Ungehorsam als gewaltfreiem Mittel für sozialen Wandel erläutern […] Wir möchten Theorie, Analyse und Praxis kombinieren […] Es wäre uns eine große Ehre, wenn Sie an unserer Internationalen Konferenz teilnehmen.« Die CUP sei »nicht homogen« und man wolle »von Erfahrungen anderer lernen«.

Jetzt wurde ich via e-mail ausgeladen. Begründung:

 

1.) Wir haben nichts von Ihren »politischen Positionen und Aktivitäten gegen den BDS« gewusst. »[…] wir unterstützen den BDS stark weil er gegen kolonialistische und rassistische Politik kämpft. […] Wir sind gegen Kolonialismus, Besetzung und Diskriminierung und der palästinensische Befreiungskampf ist eine zentrale und entscheidende Frage«.

 

Das bedeutet: Wer den BDS kritisiert – also das Existenzrecht Israels nicht anzweifelt –, kann weder gegen Rassismus, Kolonialismus noch gegen Diskriminierung sein. Eine andere Form der Solidarität mit Palästinenser*innen als die Anpassung an die Strategie und die Interessen des BDS soll es nicht geben.

2.) Darüberhinaus, schrieb die CUP, sei für das Round Table-Gespräch ein Vertreter der BDS-Kampagne eingeladen und man halte es nicht für angemessen, eine Anti-BDS-Aktivistin einzubeziehen.

 

Das Verhältnis zu Israel ist für die Candidatura d´Unitat Popular offensichtlich die alles dominierende Frage. Aus dem vermeintlichen Anliegen, meine »Erfahrungen und Positionen als Mittel zivilen Ungehorsams und gewaltfreien sozialen Wandel« (Einladung) zu diskutieren und »Theorie, Analyse und Praxis« (ebd.) zu kombinieren, ist die Unterwerfung unter das Konzept des BDS geworden. Die feministischen, radikal-

ökologischen und Anti-Atom-Positionen sind der CUP nichts wert, sobald eine den BDS kritisiert. Soviel zur Behauptung der CUP, »nicht homogen« zu sein und von den Erfahrungen anderer Linker lernen zu wollen.

Als ich im Frühjahr 2014 während einer Lesereise an drei israelischen Universitäten (Tel Aviv, Jerusalem, Haifa) aus meinem Buch über die Geschichte adligen Antisemitismus‘ (Der Baron, die Juden und die Nazis) referierte, erlebte ich den BDS in Deutschland zum ersten Mal persönlich: Ich wurde mit einer Flut wütender Schreiben attackiert, was mir einfiele, in Israel aufzutreten. Auch Querfront-Linke im Netz tobten. Ein gewisser Chris Sedlmair schrieb auf der Facebook-Seite "Linke [!] Zeitungsleser": 


»Lügen-Jutta hat die Tel Aviver Lizenz zur Menschenvernichtung« erhalten.

 

International: Die Situation für jüdische Student*innen an etlichen US-amerikanischen Universitäten hat sich aufgrund der BDS-Kampagne seit einigen Jahren nachweislich verschärft. In einigen westeuropäischen Ländern werden inzwischen juristische Maßnahmen gegen den BDS unternommen (z.B. in Frankreich). In Spanien werden demnächst 9 BDS-Aktivisten wegen Diskriminierung angeklagt. Sie hatten versucht, den Auftritt des jüdisch-amerikanischen Sängers Matisyahu beim Rototom Sunsplash Reggae Festival 2015 zu verhindern, weil er sich nicht zum BDS und gegen Israel bekennen wollte.


http://legalinsurrection.com/…/spanish-bds-activists-who-t…/

 

In Deutschland weiß die Öffentlichkeit praktisch nichts über den Charakter des antisemitischen BDS und sein wirkliches Anliegen. Es wäre Zeit.

 

P.S.: Barcelona will demnächst die Städtepartnerschaft zu Tel Aviv aufkündigen.

 

[1] Die CUP hat nach eigener Auskunft 10 Parlamentarier im katalanischen Parlament und etwa 381 Gemeinderäte in Katalonien.

 

* Jutta Ditfurth, Public Intellectual, Autorin, Soziologin, politische Aktivistin, Mitglied der Ökologischen Linken, Stadtverordnete für ÖkoLinX-Antirassistische-Liste im Stadtparlament von Frankfurt/Main

 

 

Foto: Jutta Ditfurth (Foto: Foto: Udo Grimberg, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0 de [CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons)


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Donnerstag, 18 Mai 2017

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