Deutsch-Amerikanisches Verhältnis: Hybris

Deutsch-Amerikanisches Verhältnis:

Hybris


Von einem Pult herab mit dem Motto »Klar für unser Land«, das natürlich nicht nach »Germany first« klingt, beklagte sich am Wochenende Kanzlerin Angela Merkel, von der Regierung in Washington im Stich gelassen worden zu sein. Ohne freilich praktisch werden zu können, erklärte sie, »Zeiten, in denen wir uns auf andere völlig verlassen konnten, die sind ein Stück weit vorbei«.

Hybris

Und dann »trotzte« die große CDU-Vorsitzende dem amerikanischen Präsidenten, wie die »Zeitung für Deutschland« formulierte, indem sie die Klage vortrug: »Wir müssen unser Schicksal wirklich in die eigene Hand nehmen, wir müssen selber für unser Schicksal kämpfen«. Welch Zumutung! Man ist nicht einverstanden mit der amerikanischen Politik, will aber auf sie auch nicht verzichten?

 

1998 war es eine von SPD und Bündnis 90/Die Grünen gestellte deutsche Regierung, die mit der einseitigen diplomatischen Anerkennung Kroatiens und Sloweniens wesentlich dazu beitrug, daß von Jugoslawien nicht mehr viel blieb. Deutschland sprach sich nicht bei seinen europäischen oder amerikanischen Verbündeten ab, denen seine verantwortungslose Politik einen Krieg bescherte.

 

Und bald danach, 2002, rief ein wahlkämpfender Gerhard Schröder einen »deutschen Weg« aus, auf den manch Sozialdemokrat bis heute stolz ist: Andere europäische Staaten beteiligten sich an der Befreiung des Irak von der mörderischen Baath-Tyrannei. Und erst kürzlich bestätigte eine Studie, »jeder zweite Deutsche ist dagegen, östlichen Bündnismitgliedern [..] militärisch beizustehen«.

 

Donald J. Trump ist in vielerlei Hinsicht eine Zumutung. Doch gerade die deutsche Aufregung über ihn ist bigott, verlogen. Zum Skandal wird erhoben, daß der US-Präsident die Übernahme von Selbstverantwortung für souveräne Entscheidungen einfordert, die gerade Deutschland sich leisten könnte: »Wo sollten wir denn unsere Flugzeugträger parken«, prahlte Sigmar Gabriel jüngst.

 

Allerdings, Deutschland gehörte durchaus endlich und für alle Zeiten entmündigt. Daß und wie es sich anmaßt, den Vereinigten Staaten, aber auch den anderen (Noch-)Verbündeten in Europa deren Entscheidungen zu diktieren, ist eine Frechheit, zumal die nationalen dabei als übergeordnete Interessen deklariert werden. »Wir« sind »klar für unser Land«. Der Egoismus anderer ist schlimm.

 

 

 

tw_24 - Foto: Angela Merkel bei einem Treffen mit Ivanka Trump (Foto: von usbotschaftberlin [Public domain], via Wikimedia Commons)


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Dienstag, 30 Mai 2017

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