Am Abgrund der Geschichte

Am Abgrund der Geschichte


Ein winzig kleiner Virus, derzeit in aller Munde und so ziemlich hinter allen von uns her, hat der allmächtigen Börse gestern ihren Schwarzen Montag beschert.

Am Abgrund der Geschichte

Von Shanto Trdic

Was soll das bedeuten? Hier wird uns eigentlich nur vorgeführt, wie krisenanfällig, ja: wie lausig schwach die vermeintlich stärksten, unhinterfragt alternativlosen Systeme im Zweifel sind, auf die wir unser aller Wohl und Wehe setzen. Ein winziger Riss in der Fuge lässt den ganzen Laden verlässlich in sich zusammen krachen. ´Mehr Kapitalismus wagen´ riet vor Jahren ein gewisser Friedrich Merz, seines Zeichens Black Rock Aktivist und damit ausgewiesen Vorkämpfer und Repräsentant dieser tatsächlichen oder vermeintlichen ein Prozent, deren Gesamtvermögen den Schotter der übrigen 99 % Weltbevölkerung knapp übertrifft. Das dafür verantwortlich zeichnende globalkapitalistische Modell, ersichtlich konkurrenzlos etwa in der Export-hypertrophierenden Variante bundesdeutscher Prägung, gerät schon ins Schwitzen, schleicht sich ein asiatischer Kleinstorganismus ein. Erinnert: Trotz Bankenkrise ist an diesem schrankenlosen ´Cash and Crash´ nie wirklich gerüttelt worden. Nun stolpert der plumpe, total überfressene Riese, recht eigentlich ein Götze, über eine Urform des Lebens, deren Kennzeichen bleibt, das man sie mit bloßem Auge gar nicht sehen kann.

Ein weiterer dieser Götzen, deren Dämmerung weite Schatten wirft, ist der Gott der Digitalisierung. Dieser hat uns in Rekordgeschwindigkeit erfasst, ja überrumpelt, verändert bis aufs Mark, und er wird angebetet wie keiner vor ihm angebetet worden ist. Dass er unseren Nachwuchs verblödet, weiß die Hirnforschung seit Jahren. Dass seine Algorithmen entmündigen, ist ferner bekannt. Wir werden rund um die Uhr vorgeführt: verführt vielmehr, bis zum bitteren Ende. Trotzdem wird diese neuerliche Unterwerfung nicht ernstlich in Frage gestellt, da sie unerhörte Zuwachsraten verspricht und aufs Beste mit dem Börsenmodell harmoniert. Wir folgen der Fährte treu-hündisch und bis in den Untergang hinein. Denn es kann gar nicht mehr so lange dauern, bis auch hier ein Virus den ganzen Apparat in Unordnung bringt, und dann stürzt das hohle Rudiment auch dieser Monstranz heillos in sich zusammen.

Wenn gewisse Innovationen zu Ideologien werden, auf die der Mensch entsprechend absolut setzt, über jede bloße Zweckmäßigkeit und Funktion hinaus: dann ist das Ende vom Lied jener Katzenjammer, von dem die Geschichte zuhauf berichtet. Aber wer hat heute noch ein Faible für Geschichte? Die Deutschen haben ihre eigene bereits ganz bequem auf jene zwölf Jahre reduziert, die eigentlich tausend werden sollten, was nun mit der Moralkeule umso missionarischer nachgeholt wird. Nichts gelernt aus der Geschichte? Vielleicht. Womöglich lernt man eben doch nur aus den ganz großen Fehlern. Solchen, die wirklich weh tun und sich nur so dem kollektiven Gemüt einprägen. Bis zur nächsten Narretei?

Es geht nicht darum, alles schlecht zu reden. Vielmehr wird alles davon abhängen, das rechte Augenmaß nicht zu verlieren, im Kleinsten wie im Größten. Bezeichnend, dass diese Tugend immer dann bemüht wird, wenn schon wieder alles zu spät gewesen ist.


Autor: Dr. Nathan Warszawsk
Bild Quelle: National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), National Institutes of Health (NIH) / Public domain


Donnerstag, 12 März 2020

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