Legionellen! Wie der Lockdown gemeingefährlich wird

Legionellen! Wie der Lockdown gemeingefährlich wird


Legionellen im Trinkwasser können grippeähnliche Erkrankungen und schwere Lungenentzündungen hervorrufen.

Legionellen! Wie der Lockdown gemeingefährlich wird

Immer wieder gibt es Todesfälle. Die Legionärskrankheit ist eine schwere Form der Lungenentzündung. Sie entwickelt sich typischerweise sehr rasch mit Brust- und Kopfschmerzen, Husten, Schüttelfrost und hohem Fieber von mehr als 40 Grad. Dabei kann es zu schweren Verwirrtheitszuständen kommen. Gelegentlich treten Bauchschmerzen mit Durchfall und Erbrechen auf. Die Lungenentzündung verläuft häufig schwer und dauert rund vier Wochen. Bei etwa jedem zehnten Betroffenen verläuft sie tödlich.

Akute Gesundheitsgefahr durch Legionellen besteht dann, wenn der Grenzwert von 10.000 sogenannter Kolonie bildender Einheiten (KBE) pro 100 ml Trinkwasser überschritten wird. Im Jahre 2013 war das der Fall in Frankfurt am Main 59mal, in Dresden 38mal, 70mal in Leipzig und 119mal in München. In ganz Baden-Württemberg 212mal.

Das Umweltbundesamt (UBA) vermutet bis zu 3.000 Tote pro Jahr infolge der Legionellose, fast so viele Opfer wie im Straßenverkehr. 20.000 bis 30.000 Personen erkranken laut UBA jährlich. Dazu kommt die zehn bis 100-fache Anzahl an Infektionen durch das Pontiac-Fieber, einer milderen Form der Legionärskrankheit. Genaue Zahlen existieren aber nicht, da nicht jede Legionellose als solche erkannt wird, sondern meist als ‚normale‘ Lungenentzündung in die Statistiken einfließt.

Jetzt droht eine fahrtlässige Inbetriebnahme zahlreiche Gebäude, die seit Wochen nicht mehr genutzt werden. Zahlreiche Hotels, Betriebe, Ämter, Schulen, Fitness-Einrichtungen verfügen über sanitäre Einrichtungen und Duschen, deren Wasserdampf Legionellen enthalten kann. „Nach der wochenlangen Schließung von Hotels, Kaufhäusern und Büros sieht die Berliner Sanitär-Innung ein potenzielles Gesundheitsrisiko in Wasserleitungen. Auch Klimaanlagen könnten zur Gefahr werden“, berichtet die Berliner-Zeitung. „Wir können im Zuge der schrittweisen Öffnung von zum Beispiel Hotels, Gaststätten und Schulen nur dringend an die Betreiber der Trinkwasseranlagen dort appellieren, das Legionellen-Thema äußert ernst zu nehmen“, sagte Innungsgeschäftsführer Andreas Koch-Martin der Berliner Zeitung. Offenbar wurde und wird vielfach versäumt, ähnlich wie in den Hotels auf der BER-Ruine regelmäßig die Wasserleitungen zu spülen. Leider bewahrheitet sich die  Befürchtung, dass viele Entscheidungsträger nicht verstehen, was für Konsequenzen es hat, wenn man eine hochgradig vernetzte Zivilisation zu stoppen versucht. 

Das reiht sich in Befürchtungen ein, die auch der Verfasser des Corona-Papiers aus dem Innenministerium geäußert hat, zu dessen Zuständigkeiten die Wasserversorgung zählte. Er warnte vor „Gefährdungen im Bereich der Trinkwasserversorgung“ weil wegen des Lockdowns unter anderem Produkte und Materialien nur eingeschränkt verfügbar werden könnten, „die für die störungsfreie Versorgung mit frischem Trinkwasser unverzichtbar sind.“ Technische Details zur Problematik finden sich hier.

Eine stichprobenartige Recherche von Achgut.com Autor Rüdiger Stobbe in Aachen ergab: Für die Trinkwasserversorgung ist in Aachen und Umgebung die Regionetz GmbH verantwortlich. Die zuständigen Wasserwerke liefern einwandfreies Trinkwasser bis zum Wasserzähler der Immobilen. Ab Wasserzähler ist grundsätzlich der Eigentümer der Immobilie, in der das Wasser verteilt wird, dafür zuständig, dass die Wasserqualität einwandfrei bleibt, also immer und überall der vom Wasserwerk gelieferten Trinkwasserqualität entspricht.

Stellt die Regionetz GmbH fest, dass ein Wasserverbraucher – das ist vollkommen unabhängig von den aktuellen Corona-Stillständen – einen extrem geringen Verbrauch hat, wird er angeschrieben und darauf hingewiesen, dass bei längerer Abwesenheit und anschließend erneuter Inbetriebnahme des Trinkwassernetzes in der eigenen Immobilie bestimmte Vorsorge-Regeln zu beachten sind. Die für die Trinkwasserversorgung mitverantwortliche Mitarbeiterin der Regionetz GmbH machte einen kompetenten Eindruck. Dass ein spezielles Problem in der Trinkwasserversorgung wegen der zahlreichen Corona-Stillstände in Hotels, Gastronomie und Gewerbe entstanden ist, war ihr durchaus bewusst.

Ob allerdings alle betroffenen Immobilieneigentümer von der Regionetz GmbH informiert werden, konnte nicht abschließend zugesagt werden. Wie gesagt: Nur bis zum Wasserzähler ist die Regionetz GmbH für die einwandfreie Qualität des Trinkwassers verantwortlich. Es ergab sich gleichwohl der Eindruck, dass ein Denkprozess angestoßen wurde. Nichts wäre schlimmer, wenn Gäste oder Mitarbeiter zwar nicht an Covid-19 erkranken, dafür aber zum Beispiel eine Legionellen-Infektion erleiden.

Ein Hinweis durch die Wasserversorger mit den zu treffenden Maßnahmen wäre sicher hilfreich und womöglich lebensrettend.

 

Erstveröffentlicht bei der Achse des Guten


Autor: AchGut
Bild Quelle: CDC-PHIL / Public domain


Donnerstag, 14 Mai 2020

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