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Buchbesprechung "Hurra, wir kapitulieren"

Buchbesprechung

"Hurra, wir kapitulieren"


Zu den wohl bedeutensten Erscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt der letzten Jahre gehört Henryk M. Broders "Hurra, wir kapitulieren – Von der Lust am Einknicken". Broder beweist sich wieder als messerscharfer Analytiker, der mit spitzer Feder die Dinge beim Namen nennt und die Realität ungeschminkt unter die Lupe nimmt. Und trotz der Ernsthaftigkeit des behandelten Themas, verliert der streitbare Autor nie seine Spritzigkeit

Von Jörg Fischer-Aharon

 

Broder zeigt an zahlreichen Beispielen auf, wie der Westen, insbesondere die Europäer, gegenüber radikalen Islamisten zurückweichen, teilweise im vorauseilenden Gehorsam bereit sind, grundlegende Bestandteile der Demokratie, wie etwa die Meinungs- und Pressefreiheit, in Frage zu stellen, nur um nicht den "heiligen Zorn" der Dauergedemüdigten und Dauerbeleidigten dieser Welt auf sich zu ziehen.

 

Besonders anschaulich wird dies am Beispiel der umstrittenen Mohammed-Karrikaturen aufgezeigt. Hierbei schließt sich Broder dem in den USA lebenden Schriftsteller Ibn Warraq an, der dem Westen im Karikaturenstreit riet: "Entschuldigt Euch nicht!" – "Ohne das Recht der freien Meinungsäußerung kann eine Demokratie nicht lange überleben – ohne die Freiheit zu diskutieren, unterschiedlicher Meinung zu sein, sogar zu beschimpfen und zu beleidigen. Es ist eine Freiheit, der die ganze islamische Welt bitter entbehrt und ohne die der ganze Islam unangefochten verharren wird in seiner dogmatischen, fanatischen, mittelalterlichen Burg; verknöchert, totalitär und intolerant", so Warraq.

 

Sehr treffend wird in diesem Zusammenhang thematisiert, das die fundamentalistisch-fanatischen Islamisten offenbar nicht damit zufrieden sind, die Menschen in den sogenannten "islamischen Republiken" mit der Scharia zu tyrannisieren und die Menschenrechte außer Kraft zu setzen – nein, sie verlangen, das sich auch Nicht-Moslime an ihre totalitären und faschistischen Vorschriften zu halten haben. Und bei diesen Angriffen, bei dem Versuch mit Drohungen und Gewalt, mit Terror und inszenierten "Massendemonstrationen", das Rad der Geschichte zurück zu drehen, die Errungenschaften der Aufklärung und der Emanzipatuion abzuwickeln, erhalten die Islamisten Hilfestellung von blauäugigen "Gutmenschen" und "linken Weltverbesserern".

Buch-CoverDie gleichen Leute, die gestern noch beim Matetee-Trinken ihre heimelige Wohnstube zur "Atomwaffenfreien Zone" proklamiert haben und heute gegen Castor-Transporte demonstrieren, engagieren sich gleichzeitig für das "Grundrecht" des iranischen Mullahstaates, Uran anzureichen und Atomwaffen zum Zwecke der Durchführung von Angriffs- und Vernichtungskriegen zu produzieren. Die gleichen "Sensibelchen", die jede kritische Äußerung gegenüber religiösfanatischen Hasspredigern als "Beleidigung", "Demütigung" und/oder "Provokation" verurteilen, hüllen sich in tiefes Schweigen, wenn der iranische Diktator offen die Vernichtung Israels als Staatsziel ausgibt. Die gleichen "Fortschrittskämpfer", die, wenn es ungefährlich und opportun ist, bei schwullesbischen Paraden mitlaufen und sich für die Gleichberechtigung der Frau aussprechen – um, ohne mit der Wimper zu zucken, fast im gleichen Augenblick bei islamofaschistischen Aufmärschen wie die Lemminge hinter den Insignien jener herzutraben, die Schwulenmord, Frauenunterdrückung und "Ehrengerichte" nebst Zwangsverheiratung als "normalen Lebensstil" ansehen und denen die Scharia verbindlicher als das Grundgesetz und die Menschenrechte ist.

Warum aber verhalten sich so viele in diesem Konflikt, wie das Kaninchen vor der Schlange oder werden zu Komplizen? Broder schreibt hierzu: "Woher kommt die Entschlossenheit, Tatsachen zu leugnen oder sie zurechtzubiegen, dass sie den Blick auf die Wirklichkeit versperren? Aus Angst … Es ist nicht der Respekt vor anderen Kulturen, der das Verhalten der Menschen bestimmt, sondern das Wissen um die Rücksichtslosigkeit der Fanatiker, mit denen man es zu tun hat. Je wilder und brutaler sie auftreten; desto eher verschaffen sie sich Gehör und Respekt."

 

Das Motto: "Nur nicht weiter provozieren, die Irren könnten böse werden!" Auf 167 Seiten zeigt Broder Beispiele auf, wie dieses Einknicken vor Henryk M. BroderExtremisten zwischenzeitlich immer groteskere Formen annimmt, etwa wenn die Mainzer Karnevalisten den Kotau vor radikalen Islamisten machen, weil in der Fastnachtrede in einer Einkaufspassage ein Vers über Islamisten fiel. Wenn Künstler Werke zurückziehen, in denen eine Moschee vorkommt. Oder wenn sich eine Sparkasse entschuldigt, weil sie 30.000 Bälle an Kinder verteilte - unter anderem mit der Flagge des WM-Teilnehmers Saudi-Arabien darauf. Mit deutlichen Worten prangert Broder auch jene heuchlerische Doppelmoral an, die jeden Mörder zwar verurteilt, Terroristen aber Verständnis und Mitleid entgegenbringt. So wird jedes Massaker auf einem Markt, jeder Selbstmordanschlag auf ein Cafe oder eine Bushaltestelle mit den angeblichen "Demütigungen, die die arabische Welt zu erdulden habe" gerechtfertigt, ohne aber darzulegen, worin diese angeblichen "Demütigungen" denn nun bestehen sollen. So fragt sich der Autor nicht ganz zu unrecht, wann wohl Tausende von Analphabeten die Frankfurter Buchmesse stürmen werden, weil sie sich durch die Darstellung von so einer Menge an Büchern "beleidigt, gedemütigt und provoziert" fühlen.

 

Sicherlich, man muß natürlich nicht jedem Satz, nicht jeder Schlußfolgerung des Buches zustimmen – das ist unter Demokraten, unter aufegklärten und selbstständig denkenden Menschen auch gar nicht erforderlich – das muß man nur unter Leuten machen, die nur in Kollektiven denken und handeln können, die denken lassen, aber nicht selber denken. Das Buch ist eine Streitschrift, die zum Meinungsstreit, zur offenen Diskussion anregt, eine Streitschrift für eine wehrhafte Demokratie und für einen tatsächlichen Dialog auf gleicher Augenhöhe – ohne das eine der beteiligten Seite an diesem Dialog, permanent mit dem Beleidigt-Sein droht.

 

Worum es geht, schreibt Broder zusammenfassend: "Es geht um Meinungsfreiheit, den Kern der Aufklärung und der Demokratie, und um die Frage, ob Respekt, Rücksichtnahme und Toleranz die richtigen Mittel im Umgang mit Kulturen sind, die sich ihrerseits respektlos, rücksichtslos und intolerant gegenüber allem verhalten, was sie für dekadent, provokativ und minderwertig halten, von Frauen in kurzen Röcken bis hin zu Karikaturen, von denen sie sich provoziert fühlen, ohne sie gesehen zu haben." In einem Gespräch mit der Agentur dpa bringt Broder es auf den Punkt: "Aber wenn ein Bayer seine Tochter umbringt, weil sie sich unsittlich benommen hat, hat dafür niemand Verständnis; wenn es ein Moslem tut, faseln die Gutmenschen was von "fremder Kultur", die man verstehen müsse."

 

Der einzige "Schwachpunkt" des Buches ist, das leider die Zitate aus englischesprachigen Medien ohne Übersetzung sind, was für Leser, die des Englischen nicht fließend mächtig sind, etwas Schwierigkeiten bereiten könnte. Insgesamt ist das Buch aber zweifellos eine Neuerscheinung, die für jeden politisch Denkenden eine Pflichtlektüre sein sollte. Hat man es durchgelesen und klappt es am Ende zu, geht einem ein Gedanke durch den Kopf: "Nein, wir kapitulieren nicht!", womit der Autor sein Ziel erreicht haben dürfte, den Leser und die Leserin aus der Passivität zu reißen. So verwundert es auch nicht, das dieses Buch auf den vorderen Plätzen der Besteller-Listen zu finden ist und bereits in der 5. Auflage vorliegt.

Henryk M. Broder: "Hurra, wir kapitulieren";

wjs Verlag Berlin, 2006, 167 Seiten, Euro 16,--

Gebunden mit Schutzumschlag.


Autor: haolam.de
Bild Quelle:


Donnerstag, 01 Januar 1970

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