Notopfer Zypern: Eine `Rettung´ zu weit

Notopfer Zypern:

Eine `Rettung´ zu weit




von Gerrit Liskow 

Der letzte und angeblich entscheidende Akt der Zypern-”Rettung” wird heute abend hinter verschlossenen Türen in Brüssel gespielt. So gehört sich das auch für die Europäische Union, dieses Paradebeispiel an Transparenz und Mitbestimmung. Und anders wäre es mangels Perestrojka und Glasnost, angesichts der sattsam bekannten "Demokratiedefizite", auch gar nicht möglich in “Europa”.

Hermann von Rompoy, EU-Ratspräsident, ernannt vom ZK der EUdSSR, oh pardon: von der EU-Kommission, ohne zuvor von irgendeinem realexistierenden Menschen in “Europa” gewählt worden zu sein, trifft sich mit Nikos Anastasiades, zypriotischer Ministerpräsident.

Herr Anastasiades ist im bemerkenswerten Gegensatz zu Ratspräsident van Rompompom tatsächlich durch sowas Altmodisches wie demokratische Wahlen legitimiert. Aber Rompy versteht gar nicht, was daran problematisch sein könnte.

Herr Van Rompompom, von dem Nigel Farage, UKIPs Mann in Brüssel, behauptet hat, er habe das “Charisma eines feuschten Wischtuchs und die Ausstrahlung eines Schalterbeamten”, in seinen Glückwünschen zu Rompys Ernennung zum EU-Ratspräsidenten.

Irgendwo in den Kulissen des Brüssler Schmierentheaters hält sich wohl auch Jeroen Duselbloom versteckt, Nachfolger von Jean-Claude Juncker in seiner Funktion als Chef der Euro-Gruppe, um das Ganze brühwarm an Mutti und Wolfi weiterzugeben, die sehr interessiert daran sind, was heute abend bei Rompys Treffen mit Herrn Anastasiades aus Zypern passiert.

Mutti und Wolfi werden das Ganze dann in die alles entscheidende “politische” Arithmetik des Wahljahrs 2013 überführen: Wieviel Zypern-”Rettung” können wir uns gerade noch leisten, ohne der “Alternative” mit Henkel zuviel Zulauf zu bescheren?

Keine Sorge, liebe “Alternative”: Auf absehbare Zeit besteht kein Risiko, dass ihr in die Verantwortung genommen werden könntet. Wenn es für schwarz-gelb ab September nicht mehr reichen sollte, gibt es eben wieder eine große Koalition. Viel eher aber noch schwarz-grün: Bei dieser Variante sind die Schnittmengen in wichtigen politischen Aufgaben - “Energiewende”, “Klimaschutz” - ohnehin viel größer als mit der SPD; die Blockparteien machen das unter sich aus.

Weil man dem Wahlvolk dann auch ein paar Klimasteuern mehr verkoofen kann, wird man sich dann bei der Euro-Rettung wieder etwas mehr “Solidarität” leisten können. Immerhin besteht weiterhin die Gefahr, dass sich jemand aus der EUdSSR in Richtung Putin davon macht (wo man allerdings auch keinen Sack voller Würmer erben möchte. Weshalb man die Zypern letzte Woche auch so flugs vom Hof gejagt hat).

Doch zurück zur Zypern-”Rettung”. Nun ist Zypern halb so groß wie Hamburg und sein Banksystem hat nicht mal die Kapitalisierung der dortigen Sparkasse, aber das muss ja nichts Schlechtes sein. So kann man mal im kleinen Maßstab ausprobieren, was im Fall der Fälle dann “Europa”-weit passiert. Immerhin steht ja nichts weiter auf dem Programm, als die Konfiszierung von bis zu 40% aller Guthaben über 100.000 Euromark.

Programmatisch passend versichert uns die Spitze der deutschen Sozialdemokratie, Siegmar Gabriel, im Staatsfunk des NDR: Gut so und ganz richtig, denn wer soviel Geld sein eigen nennt, kann es nur gestohlen haben! Ein schlechter Mensch gehört bestraft!!

Ja ja, Deutschland, deine Sozialdemokraten: Großzügig, wenn es um das Geld anderer Leute geht. Und immer da, wenn sie dich brauchen. Wieviel hat dieser Social-justice Siegmar eigentlich auf der hohen Kante?

Staatsraub zur “Rettung” von “Europa”

Doch damit nicht genug. Nicht nur wird konfisziert, es soll auch eingefroren werden – und zwar der ganze Rest. Wie bereits am Donnerstag der letzten Woche bekannt geworden ist, sollen alle Guthaben der Laiki-Bank (alle, egal ob mit mehr oder weniger als 100.000 Euromark drauf) eingefroren und in Staatsanleihen mit langer Laufzeit umgewandelt werden.Und sie dachten, es wäre ihr Geld.

http://www.telegraph.co.uk/finance/financialcrisis/9949686/Cyprus-savers-face-draconian-measures-in-bid-to-avoid-nations-exit-from-eurozone.html

Staatsanleihen, die sich bei Fälligkeit ganz von allein verlängern – ist doch niedlich, nicht wahr? Das Geld ist also nominell sogar noch vorhanden – es steht nur nicht mehr zur Verfügung, zumindest nicht privat. Also nicht den Leuten, denen es gehört. Die meisten werden niemals etwas davon wieder sehen. Das ist wirklich eine neue Dimension der "Euro-Rettung" - volkseigenes Geld!

So geht der Plan bei Laiki. Was die Bank of Cyprus macht, ist noch nicht ganz klar. Aber wenn sie keinen Bank-run erleben möchte, weil sie die einzige Bank ist, die noch auszahlen könnte, muss sie wohl dasselbe wie die Laiki machen und die Konten schließen.

Inzwischen hat es natürlich jeder Kunde, der sich nicht an Schalterzeiten halten muss, nach Nikosia geschafft. Es gibt so schöne große Taschen bei Louis Vuitton!

Ach ja, und entlassen werden soll natürlich auch, aber erstmal nur bei der Laiki-Bank. Bei einer Bank ohne Kunden und ohne Zahlungsverkehr fällt schließlich auch nicht mehr soviel Arbeit an.

Bankraub mal andersrum

Worin der Vorteil zum Staatsbankrott konventioneller Machart bestehen soll, ist mir nicht ganz klar – futsch ist futsch, und futsch ist die Kohle seit letzter Woche so oder so. Denn was nützen Zahlen auf einem eingefrorenen Konto, wenn man von diesem Konto nichts mehr abheben kann? Nicht mal, um sich ein Eis zu kaufen? Okay, damit der Alltag weiterhin funktioniert, darf man an den Geldautomaten gehen, für bis zu 250 Euro am Tag; danke liebe EUdSSR!

Und: Kann ja sein, dass jemand die Fälligkeit seiner “Staatsanleihen” tatsächlich erlebt! Aufgepasst, Herr Duselbloom: Wertstellung immer schön nach hinten verlagern, sonst überlebt am Ende noch jemand die Fälligkeit seiner “Darlehen” an den Staat - möchte tatsächlich sein Geld zurück.

Aber natürlich wird das Politbüro der EUdSSR sich jetzt hinstellen und behaupten, “Das Schlimmste” wäre verhindert worden – und es wird ihnen geglaubt werden, dafür sorgt der Staatsfunk schon ganz von allein. Den Rest besorgen die “Experten” irgendwann.

Nur – für einen Bankkunden besteht mit dieser Lösung gegenüber dem Bankrott kaum ein Unterschied. Bei einem Bankrott verliert er seine Kohle gleich, und so verliert er seine Kohle eben später – mit der der vagen Aussicht, dass sie bei dahin so oder so nichts mehr wert sein könnte.

Das Ganze sieht vielleicht etwas gelenkiger aus, aber ich glaube, in dieser Situation kann einem die Haltungsnote egal sein. Es ist und bleibt ein Banküberfall, nur andersrum, denn diesmal raubt der Staat die Banken aus.

Hieß es nicht seit der “Lehmann-Krise” im Jahr 2008, als der Finanzmarkt von den Zentralbanken mit “Liquidität” praktisch weggespült wurde, dass die ganze “Liquidität” irgendwann auch wieder aus dem Markt verschwinden muss – und dass das dann der schwierige Teil werden wird? Weil keiner so genau wüsste, wie man das macht?

Nun ja, man kann es weginflationieren, was aber anscheinend viel zu lange braucht. Oder man kann es den Leuten wegnehmen, und letzteres wird jetzt in Zypern ausprobiert. Icht zum ersten Mal, denn genauso ist es auch 2001 in Argentinien passiert, dort sagt man corralito dazu.

Apropos: Bei der Story, dass das alles schmutziges Mafia-Geld war, soll es sich um eine von interessierter Seite gestreute Ablenkungsargumentation handeln. Sicher hatte die russische Mafia ihr Geld auch auf Zypern, aber alles, was in der letzten Woche nicht abgehoben werden konnte, wird jetzt eben doch noch abgesichert von der EU.

Nun kann man natürlich sagen: Pah, Zypern – halb so groß wie Hamburg. Aber in Spanien arbeitet die Regierung bereits an ähnlichen Plänen, in Portugal ist die wirtschaftliche Gesamtschuld (Staat plus Unternehmen plus Haushalte) viermal so groß wie das Bruttosizialprodukt pro Jahr und in Italien – naja, in Italien wird jetzt erstmal solange gewählt, bis das Ergebnis dem Politbüro in Brüssel passt.

Um nicht immer so viel Zeit mit “Demokratie” zu verplempern, sollte das ZK der EUdSSR einfach einen Wahlvorschlag machen, dem Italien dann zustimmen darf. Wenn schon Postdemokratie, dann bitte auch richtig. Fragen Sie mal Angie, Herr van Rompompom, die weiß wie man das macht. Hat doch in der DDR auch immer so prima funktioniert, nicht wahr?

Aber auch Martin Schulze, SPD, Präsident der Straßburger Puppenkiste, würde jederzeit zu Diensten sein,wenn es darum geht, den Totalitarismus durchzusetzen. Ein Nein heißt im Wortschatz von Herrn Schulze nämlich Ja, und jeder, der gegen “mehr Europa” ist, wird von diesem deutschen Sozialdemokraten als Faschist identifiziert; könnte es sein, dass das am Auge des Betrachters liegt, Herr Schulze?

Und zuletzt hieß dann noch, die Bundesregierung interessiere sich für PIN-Nummern ihrer Bürger sehr, um jederzeit den Zahlungsverkehr einfrieren zu können. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Wer immer noch glaubt, “das auf Zypern” könne “hier doch nicht” passieren, ist zur Selbsthypnose talentiert.

 

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Autor: fischerde
Bild Quelle:


Montag, 25 Mrz 2013