Terrorverherrlichungen und anti-jüdische Gewalt: Frankreich - nach dem Massaker von Toulouse

Terrorverherrlichungen und anti-jüdische Gewalt:

Frankreich - nach dem Massaker von Toulouse




M* , Hausmeister in einem Komplex von Sozialwohnungen in Seine Saint Denis, Cité de Sevran, Muslim, berichtet von Pro-Merah Tags auf Wänden in dem Komplex : « Ruhm für Mohamed », « Ruhm dem Martyrer », stünde dort zu lesen. « Wir haben nicht den ganzen Komplex gesehen », sagt die Polizei von Sevran, « aber wir haben nichts dergleichen festgestellt. » Gibt es nun diese Pro-Merah-Graffitis in der Cité de Sevran ? Gleichwohl - überall in Frankreich, berichtete der Parisien, hätte es mehrere schwere Zwischenfälle im Zusammenhang mit Merahs Tod gegeben, die Agence France Presse berichtet von einem Graffiti an der Wand eines Gefängnisses in Isère, in dem aufgerufen wird, Merah zu rächen. (1)

Und die Gewalt gegen Juden ? Ein zwölfjähriges jüdisches Kind wurde von drei anderen Jugendlichen tätlich angegriffen und antisemitisch beschimpft, als es gegen 16 Uhr das Collège Ozar Hatorah, 31, rue des Cordelières im 13. Arrondissement von Paris verliess. Der sozialistische Bürgermeister Delanoë verurteilte den Vorfall scharf, rief auf zur Toleranz. Jérôme Coumet, sozialistischer Stadtabgeordneter im 13. Arrondissement, sagte, er hätte die jüdischen Schulen des Stadtteils aufgesucht nach dem Massaker von Toulouse, feststellen müssen, dass die Gegenwart von Polizisten vor den Toren dieser Schulen, die der Innenminister Cluade Guénant angekündigt hatte, in Wirklichkeit nicht vorhanden sei. Er meinte, dies hätte die Agression gegen den Jungen verhindern können. (2)

Angst, Verunsicherung, ein Alleine-Gelassen-Fühlen macht sich breit in zahllosen jüdischen Kommentaren jüdischer und pro-israelischer Sites in sozialen Netzwerken.

Die Front National findet zusehnds Gehör in jüdischen Kreisen

Gewinner dieser Angst scheint Marine Le Pen zu sein, deren Worte gegen die Verharmlosung der islamistischen Bedrohung durch den Staat und vor allem durch die Linke von vielen Juden dankbar aufgegriffen werden, auch von Juden, die sagen, sie würden sie nicht wählen, aber sie würde die Wahrheit sagen. Und tatsächlich – manches in Zusammenhang mit Merah sagt nur sie, weder die Regierung noch die Opposition : wie war es möglich, dass Merah ungestört Sozialhilfe bezogen hatte und dennoch oft abwesend war, auf Reisen im Ausland, und über Geldsummen verfügen konnte, die ein Sozialhilfeempfänger nie haben kann, ohne dass es auffiel ?

Glaubwürdigkeitsproblem des « Republikanischen Schweigemarsches »

Nach den Morden an muslimischen Soldaten in Montauban und an Juden der Schule in Toulouse engagierte sich Sarkozy in Bemühungen, islamische und jüdische Sprecher zusammenzubringen und die Moslems Frankreichs vor verallgemeinernden Verurteilungen zu schützen. Nur : während man nichts sehen konnte von solch verallgemeinernden Veurteilungen der Moslems musste man manches Wort hören über die sozialen Probleme Mehads und der vielen Mehads in den stark von Moslems geprägten Städten um Paris, die das « Abgleiten dieses jungen Menschen » erklären würden. Und : Mehad wollte die an der westlichen, französischen Militäraktion in Afghanistan beteiligten Soldaten strafen, es ging nicht in erster Linie um Moslems. Die zunächst hauptsächlich von der Linken aufgestellte These des rechtsextremen Ursprungs der Taten hatte manches für sich. Nicht zu rechtfertigen war es hingegen, dass die Linke den islamistischen Terrorismus überhaupt nicht als möglichen Täter in Erwägung zog. In diese erste Tage fiel auch die Idee eines gemeinsamen Gedenkmarsches von Juden und Moslems. Sobald die wahre Täterschaft feststand, zog sich denn auch der CRIF (Vertretung der Juden Frankreichs) von dem Projekt zurück, es wäre nun gegenstandslos. Die Idee eines Schweigemarsches zum Gedenken der Opfer wurde weitergeführt und am letzten Sonntag in Paris in die Tat umgesetzt, von einer Vielzahl von Organisationen, Gewerkschaften, einem Verband der Opfer des Terrorismus, der Grünen, der Linkspartei, der Liberalen, der Sozialisten, von islamischen Gruppen, dem Jcall, der jüdische Studentenvereinigung UEJF.

Ein Riss in den jüdischen Gemeinden

Ja, die jüdische Studentenvereinigung. Sie war die einzige der jüdischen und pro-israelischen Organisationen Frankreichs, die an diesem Schweigemarsch teilnahm. Die CRIF nicht, wie schon erwähnt, auch andere französisch-israelische Gruppen nicht, wie der Verband Association France-Israel, deren Vorsitzende Goldnadel mir sagte, er hätte über diesen Schweigemarsch eine « sehr negative Meinung ». Der Verband Association Europe-Israel ging noch einen Schritt weiter und rief dazu auf, den Schweigemarsch zu boykottieren. Es würden Organisationen teilnehmen, die den palästinensischen Terrorismus verharmlosen und an der allgemeinen Fehlinformation über Israel teilnehmen würden, eine Fehlinformation, die Mehad in seinem antisemitischen Hass bestätigt hätte und an dem Massaker indirekt eine Verantwortung tragen würde. Eine Logik, die mir etwas zu einfach erscheint, aber die viele Anhänger dieser Organisation teilen.

Auch die MPCT sagt den Veranstaltern des Schweigemarsches « nein danke »

Die Vereinigung MPCT mouvement pour la paix et contre le terrorisme sagte auch kurzfristig ihre Teilnahme ab. (4) Es sei nicht hinzunehmen, dass Terrorismus von manchen Teilnehmern verurteilt wird, wenn er auf französischem Boden sich abspielt, aber verharmlost, wenn er sich anderswo in der Welt abspielt, zum Beispiel im Nahen Osten. Und so gab es dann am letzten Sonntag einen Gedenkmarsch gegen Rassismus und Antisemitismus (5), an dem wichtige jüdische und pro-israelische Gruppen nicht teilnahmen, ein Teilnehmer jedoch vom Ordnerdienst des SOS Racisme zusammengeschlagen wurde, weil er eine Fahne mit israelischem Davidstern nicht abnehmen wollte. (6).

« Der Antisemitismus ist viel zu wichtig, um ... »

In Abwandlung eines berühmten Satzes von Georges Clemenceau « Der Krieg ist viel zu wichtig, um ihn dem Militär anzuvertrauen. «  heisst es nun : « Der Kampf gegen den Antisemitismus ist viel zu wichtig, um ihn den Juden anzuvertrauen. »

 

©  Reiner Schleicher, http://reinerschleicher.over-blog.com / Foto: Pro-Mehad-Schmierereien in Tarbes, Frankreich

 

(1) http://www.francesoir.fr/actualite/societe/seine-saint-denis-des-gamins-comme-merah-il-y-en-a-d-autres-par-ici-202207.html

(2) http://www.metrofrance.com/paris/un-jeune-juif-victime-d-insultes-et-frappe-dans-le-xiiie/mlcA!B8lZ14gFKMJK2/

(3) http://www.europe-israel.org/2012/03/communique-europe-israel-appelle-les-juifs-et-les-amis-d-israel-a-boycotter-la-manifestation-de-dimanche-25-mars-2012/

(4) http://www.mpctasso.org/spip.php?article985

(5) http://www.dna.fr/actualite/2012/03/25/marche-silencieuse-a-paris-contre-le-racisme-et-l-antisemitisme

(6) http://www.israel7.com/2012/03/antisionisme-lors-du-rassemblement-pour-les-victimes-de-toulouse/

 

Video: JewishNewsOne (JNO) berichtet über muslimische Frauen, die in Toulouse versuchen, an der Wohnung des getöteten Jihad-Terroristen Blumen niederzulegen:


Autor: haolam.de
Bild Quelle:


Samstag, 31 März 2012






hallo, - warum kann man das hier noch immer nicht FBk -verlinken ??  Ist es nicht gewollt ?



Was meinst Du? Bei Facebook? Das geht problemlos ....



Was ist daran verwunderlich? Der Terrorist hat genau das getan, was in den Propagandaschriften und -videos der Jihadkämpfer zu lesen ist: "Tötet die Juden" ....



@ Krisha

Ich verstehe Ihren Beitrag nicht. Von welcher Verwunderung sprechen Sie? Ich denke nicht, dass ich mich in diesem Artikel oder HaOlam sonstwo verwundert ausgesprochen hat über die Jihadkämpfer. Diese bleiben sich treu.

Thema meines Beitrages war nicht der Jihad, auch nicht die Opfer der Anschläge, sondern die Reaktionen verschiedener Bevölkerungsgruppen und politischer Strömungen in Frankreich auf die Massaker in Toulouse und Montauban, die Frage welche Reaktionen angemessen, unangemessen oder gar verschönernd waren.

Dazu fand ich den republikanischen Schweigemarsch recht interessant. Die verschiedenen jüdischen Gruppen und die MPCT haben da meiner Meinung zu Recht ihre Teilnahme verweigert. Auch wenn es manchen Teilnehmern gegenüber bedauerlich war, wie z B Jane Birkin, die sich geweigert hatte, eine Tournee in Tel Aviv abzusagen und dem Druck pro-palästinensischer Boykotteure nachzugeben (habe darüber auf HaOlam berichtet), die an dem Schweigemarsch teilgenommen hatte und an deren wirklich humanistische Einstellung ich nicht zweifele.