So geht perfektes Presse-Framing: Der erschossene Messermann von Hamburg ist das Opfer!

So geht perfektes Presse-Framing: Der erschossene Messermann von Hamburg ist das Opfer!


Wir erinnern uns: Am Freitag hatte ein mittlerweile als 36-jähriger Libanese identifizierter Mann zunächst mehrere Fahrzeuge mit einem Messer und Tritten beschädigt, einige davon angehalten und Passanten sowie Autofahrer mit einem Messer bedroht.

So geht perfektes Presse-Framing: Der erschossene Messermann von Hamburg ist das Opfer!

Von Michael van Laack

Die Polizei konnte ihn nicht anders stoppen, als ihn zu erschießen…

ARD und ZDF sowie manch anderen großen Medien war die Tat selbst zunächst keine Meldung wert. Erst als klar wurde, um wen es sich beim Täter handelte, witterten die üblichen Verdächtigen Gefahr von rechts, die aufkommen könnte, wenn die Tat nicht sofort entsprechend geframt und verharmlost würde.

Paradebeispiel für das Framing der Aufrechten und Anständigen

Einen besseren Teaser konnte man kaum finden. Das bewaffnete von einem Polizisten hingemeuchelte libanesische Opfer, das aus einem vollständig unbekannten Motiv handelte:

"Tagesspiegel

@Tagesspiegel

Der bewaffnete Mann, der am Freitag von einem Polizisten in #Hamburg erschossen wurde, ist ein 36-jähriger Libanese. Das Motiv des Opfers ist weiterhin unklar."

Klickt man auf den verlinkten Artikel des Tagesspiegels, bekommt man nach wenigen Sätzen die entscheidende Beruhigungsdosis gespritzt: „Anhaltspunkte für ein religiöses Motiv haben sich demzufolge bislang nicht ergeben, wie ein Polizeisprecher sagte.“, heißt es im Text.

Ab jetzt lesen nur noch 10 % weiter

Kommunikationswissenschaftliche Studien verschiedener Universitäten weltweit aus den vergangenen Jahrzehnten haben nachgewiesen, dass nach klarer Einordnung eines Ereignisses in den ersten fünf bis zehn Sätzen das Interesse der meisten Leser, mehr zu erfahren, rapide abnimmt. Die einen lesen nicht weiter, weil sie sich bestätigt fühlen (hier: Der arme unschuldige Libanese), andere weil ihnen das Ereignis insgesamt als nicht wichtig erscheint und zudem die Wertung der Redaktion klar und deutlich ist.

Das seien zwischen 85 und 90 % aller Zeitungs- und Online-Leser. Eine wirklich große Zahl. All diese Leute bekommen dann nämlich nicht mehr das mit, was nach gelungenem Framing im Artikelverlauf beschrieben wird. Denn im Artikelverlauf werden (auch das zu fast 70 %) oft Informationen gegeben, die im absoluten Widerspruch zum Framing stehen. So auch hier.

„Allahu Akhbar“ und aggressives Verhalten gegenüber Bürgern und Polizisten

Der Täter rief mehrfach laut „Allahu Akhbar“, als er seine Attacken und Bedrohungen durchführte, heißt es im Fortgang des Artikels. das hat selbstverständlich nichts mit religiösen Motiven zu tun. Schließlich ruft jeder Christ, bevor er in der Öffentlichkeit eine Straftat begeht auch laut: „Vater unser, geheiligt werde Dein Name!“ Oder?   Klar, das muss so sein! Denn würden der „Tagesspiegel“ und die Polizei uns vielleicht Teile der Wahrheit vorenthalten, weil sie uns beunruhigen könnten? Nein, niemals!

Der Libanese war ein Opfer, lesen wir zudem. Das glauben nun – wie oben erwähnt 85 bis 90 % der Leser. Sie wissen leider nicht, was Ihnen an Erkenntnissen entgeht, weil sie den Artikel nicht zu Ende lesen: „Weil der Mann mit der Messerklinge in der Hand auch die Beamten bedrohte und sich weder von Pfefferspray noch dem Einsatz eines Tasers stoppen ließ, hatte ein Polizist mehrere Schüsse auf den Mann abgegeben. Der Mann starb noch am Einsatzort.“ und „Eine extremistische Motivation für sein Verhalten könne nicht ausgeschlossen werden…“

Nicht „Lügenpresse“ sondern Täuschungspresse

So geht Framing nach den Handbüchern. Herzlichen Dank dafür an den „Tagesspiegel“, der mir die Gelegenheit gab, mal etwas dezidierter zu diesem Thema zu schreiben. Und nein: Ihr seid keine „Lügenpresse“. Denn Ihr entstellt nur immer wieder die Wahrheit mäßig bis unmäßig, in dem Ihr oft in Teaser und Artikeleinleitungen Fakten nicht aussprecht, sondern ein tiefschwarzes Bonbon in weißes Papier einpackt und das Produkt mit „Heller Genuss“ bewerbt.

 

Philosophia Perennis


Autor: Philosophia Perennis
Bild Quelle: Screenshot YT


Montag, 31 Mai 2021

Wir bieten Nachrichten zu Themen aus aller Welt an – vollständig unabhängig von politischen Parteien, Institutionen und Interessengruppen. Nur so können wir Ihnen eine freie und unbeeinflusste Berichterstattung nach hohen journalistischen Standards garantieren. Unsere Unabhängigkeit bedeutet allerdings auch, dass wir nicht durch staatliche Mittel finanziert werden: Wir sind daher auf die private Unterstützung unserer Leser angewiesen. Wenn Sie unsere Arbeit unterstützen wollen, lassen Sie uns eine Spende über PayPal zukommen! 

Sie können wahlweise ein Förderabo abschließen oder den Spendenbetrag frei selbst bestimmen:

Betrag Unterstützung via Paypal
haOlam.de mit beliebigem Betrag unterstützen
 
Kleines Förderabo abschließen für 5 Euro monatlich
 
Normales Förderabo abschließen für 15 Euro monatlich
 
Jährliches Förderabo abschließen für 70 Euro im Jahr

empfohlene Artikel
weitere Artikel von: Philosophia Perennis

Folgen Sie und auf:

Talk auf dem Klappstuhl als Podcast:

haOlam werbefrei
Nie vergessen, was unvergessen bleibt - Offenes Buch
Nie vergessen, was unvergessen bleibt - Offenes Buch
Antisemitismus im öffentlich-rechtlichen Fernsehen: Graubereich mdr

Download

als pdf     als epub


meistgelesene Artikel der letzten 7 Tage