"So hat es leider auch angefangen": Holocaust-Überlebende Margot Friedländer warnt vor wachsendem Antisemitismus

"So hat es leider auch angefangen": Holocaust-Überlebende Margot Friedländer warnt vor wachsendem Antisemitismus


Die 103-jährige Margot Friedländer mahnt: Der zunehmende Antisemitismus erinnert an düstere Zeiten in der Geschichte.

"So hat es leider auch angefangen": Holocaust-Überlebende Margot Friedländer warnt vor wachsendem Antisemitismus
ZDF/TerraX/Leonie Schöler/Julia Geiß/Michael Fandel/Benjamin Leng/Margot Friedländer Zeitzeugin/Maximilian Mohr, CC BY 4.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/4.0>, via Wikimedia Commons

Im Interview mit tagesschau24 teilte Margot Friedländer, eine HolocaustShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen-Überlebende und Zeitzeugin, ihre eindringliche Warnung vor dem wachsenden AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen in Deutschland. Die 103-Jährige lebt seit einigen Jahren wieder in Berlin, nachdem sie zuvor sechs Jahrzehnte in den Vereinigten Staaten verbracht hatte. Sie sieht beunruhigende Parallelen zwischen der Gegenwart und dem Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft.

„So hat es leider auch angefangen,“ erklärte Friedländer mit Blick auf die Angst vieler Jüdinnen und Juden seit den Terrorangriffen der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen auf IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen am 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen. Dieser Schrecken, der das Leben von mehr als 1.200 Menschen forderte, habe nicht nur in Israel Trauer ausgelöst, sondern weltweit Antisemitismus verstärkt.

Friedländer betonte: „Ich spreche für die, die es nicht geschafft haben – nicht nur für die sechs Millionen Juden, sondern für alle, die man umgebracht hat.“ Sie machte deutlich, dass es ihre Mission sei, durch Begegnungen mit jungen Menschen und Aufklärung über die Vergangenheit eine bessere Zukunft zu schaffen.

Als Elfjährige erlebte Margot Friedländer den Aufstieg der Nationalsozialisten und verlor ihre Familie in Auschwitz. Sie selbst überlebte durch monatelanges Untertauchen und wurde letztlich an die Nazis ausgeliefert. Der 9. November – die ReichspogromnachtPogrom: Wenn Hass zur Jagd auf Juden wirdEin Pogrom ist eine kollektive Gewalttat gegen eine Minderheit, besonders gegen Juden. Der Begriff wurde durch antijüdische Gewalt im Russischen Reich bekannt, die Form der Gewalt ist jedoch viel älter.Mehr lesen – bleibt für sie ein Wendepunkt: „Die Straßen waren anders als sonst. Man hatte gesehen, dass Schaufenster zerschlagen sind, dass Ware auf der Straße liegt, und die Uniformierten standen nur da – und freuten sich.“

Seit ihrer Rückkehr nach Deutschland ist sie unermüdlich als Zeitzeugin aktiv. Friedländer besucht Schulen, tritt im Bundestag auf und ergreift jede Gelegenheit, die jüngere Generation für das Thema zu sensibilisieren. Ihre zentrale Botschaft lautet: „Ihr seid klüger, ihr habt gelernt, ihr wisst, was Menschlichkeit ist, was sich gehört. Menschen, egal welcher Hautfarbe oder Religion, müssen als Menschen respektiert werden.“

Der Optimismus und die Hoffnung, dass ihre Stimme gehört wird, treiben Margot Friedländer auch im hohen Alter noch an. „Das hält mich, das ist meine Mission,“ sagte sie, mit dem Ziel, durch Erinnerung eine Wiederholung der schrecklichen Verbrechen der Vergangenheit zu verhindern.




Autor: Redaktion
Dienstag, 28 Januar 2025

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