Kanadas neue Regierung entfremdet jüdische Wähler: Warum Mark Carneys Wahlsieg für Israels Freunde kein Grund zur Freude ist

Kanadas neue Regierung entfremdet jüdische Wähler: Warum Mark Carneys Wahlsieg für Israels Freunde kein Grund zur Freude ist


Ein künftiger Premier, der mit Waffenembargos gegen Israel Wahlkampf macht, verändert das politische Klima für kanadische Juden – und zeigt, wohin sich die einst israelfreundliche Liberale Partei entwickelt hat.

Kanadas neue Regierung entfremdet jüdische Wähler: Warum Mark Carneys Wahlsieg für Israels Freunde kein Grund zur Freude ist
By Flickr user World Economic Forum - https://www.flickr.com/photos/worldeconomicforum/4317698821/sizes/l/ (Transferred from en.wikipedia to Commons by Shaun_courtice.), CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=13290383

Mark Carney hat gewonnen – aber auf wessen Kosten? Der neue Premierminister Kanadas, einst als Hoffnungsträger des politischen Zentrums gehandelt, hat mit einem einzigen Satz tiefes Misstrauen unter Kanadas jüdischer Gemeinschaft gesät. „Ich weiß. Deshalb haben wir ein Waffenembargo“, sagte er während einer Wahlkampfveranstaltung im Zusammenhang mit GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen. Ein Satz, der seither wie ein Menetekel über seiner Amtszeit schwebt. Denn er steht nicht nur für eine umstrittene außenpolitische Position – er offenbart eine moralische Schieflage, die sich innerhalb der Liberalen Partei seit Jahren verstärkt.

Auch nach seinem Versuch, das Gesagte zu relativieren – angeblich habe er die Frage nicht richtig verstanden –, blieb Carney bei seiner Linie: mehr Druck auf IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen, mehr Solidarität mit Gaza. Dass dabei die Terrorherrschaft der HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen kaum thematisiert wird, passt ins neue Bild der Liberalen Partei. Unterstützt von über 300 Kandidaten, darunter 20 eigene Parteimitglieder, forderte Carneys Wahlplattform nicht nur ein beidseitiges Waffenembargo gegen Israel, sondern auch die Anerkennung eines palästinensischen Staates und Boykotte israelischer Siedlungen. Wer das liest, fragt sich unweigerlich: Was ist aus der Partei geworden, die früher als politische Heimat der jüdischen Kanadier galt?

Während pro-palästinensische Demonstranten vor liberalen Wahlveranstaltungen aufmarschierten, blieb eine klare Positionierung gegen AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen weitgehend aus. Viele jüdische Kanadier fühlen sich allein gelassen, zumal sie sich noch gut an die antisemitischen Ausschreitungen im Zuge des Hamas-Massakers vom 7. Oktober erinnern. Statt Solidarität mit Israel und jüdischen Gemeinden dominiert innerhalb der Partei nun ein Kurs, der Menschen wie Carney als „ausgewogen“ erscheint – in Wahrheit aber die Täter-Opfer-Umkehr weiter normalisiert.

Ein Gegenbild bietet Oppositionsführer Pierre Poilievre. Seine Haltung zu Israel ist klar, deutlich und ohne Wenn und Aber. Er verurteilt Antisemitismus, verteidigt Israels Recht auf Selbstschutz, stellt sich gegen israelfeindliche UN-Resolutionen und fordert Konsequenzen für die UNRWAUNRWA: Das umstrittene UN Hilfswerk für Palästina FlüchtlingeUNRWA ist das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina Flüchtlinge im Nahen Osten. Es wurde 1949 gegründet und betreut registrierte Flüchtlinge sowie viele ihrer Nachkommen in Gaza, Jordanien, Libanon, Syrien und Judäa und Samaria einschließlich Ostjerusalem.Mehr lesen. Nach dem iranischen Raketenangriff im vergangenen Jahr war es Poilievre, der öffentlich Israels Recht unterstützte, iranische Atomanlagen zu zerstören. Kein diplomatisches Lavieren – sondern klare Haltung in einer Zeit, die genau das verlangt.

Die Wahl Carneys markiert damit nicht nur eine politische Wende, sondern auch einen moralischen Bruch. Jüdische Wähler, die sich über Jahrzehnte auf die Liberalen verlassen konnten, stehen nun vor einer Partei, die ihre Sorgen ignoriert und ihre Sicherheitsbedenken relativiert. Das Vertrauen, einmal gebrochen, lässt sich nicht so leicht zurückgewinnen.

Die Frage ist also nicht nur, wie Carney künftig regiert. Sondern für wen.




Autor: Redaktion
Dienstag, 29 April 2025

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