„Jeder Sohn kehrt heim“ – Israels Präsident Herzog sendet aus Berlin ein unmissverständliches Zeichen der Entschlossenheit

„Jeder Sohn kehrt heim“ – Israels Präsident Herzog sendet aus Berlin ein unmissverständliches Zeichen der Entschlossenheit


Kurz vor der Rückkehr eines entführten Soldaten und der Heimholung gefallener Helden spricht Isaac Herzog in Berlin über Verpflichtung, Erinnerung und das unerschütterliche Band zwischen Israel und Deutschland.

„Jeder Sohn kehrt heim“ – Israels Präsident Herzog sendet aus Berlin ein unmissverständliches Zeichen der Entschlossenheit
By Amos Ben Gershom / Government Press Office of Israel, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=141530767

Der Moment hätte nicht eindringlicher sein können: Während der Krieg gegen die HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen im GazastreifenPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen weiter tobt und IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen um die Rückkehr seiner Geiseln ringt, betritt Präsident Isaac Herzog am Montag Berliner Boden – und wird mit militärischen Ehren von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier empfangen. Es ist keine gewöhnliche Staatsvisite, sondern ein historischer Besuch, der 60 Jahre diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland markiert. Doch statt feierlicher Zeremonien allein steht vor allem eines im Zentrum: Haltung zeigen, in Zeiten, die keine Ausflüchte mehr dulden.

Herzogs Worte hallen weit über Bellevue hinaus: „Der Staat Israel gibt niemals auf. Wir bringen jeden Sohn und jede Tochter zurück – lebend oder ermordet, mit einem Pass oder zwei.“ Es ist ein Satz, der nicht nur das moralische Fundament Israels beschreibt, sondern eine schlichte, radikale Wahrheit in sich trägt: Israel schuldet seinen Bürgern nicht weniger als die absolute Verpflichtung zur Heimkehr. Keine Abwägung, kein politisches Kalkül steht darüber. Und wer es hören will – auch in Europa – versteht diesen Satz als das, was er ist: ein Bekenntnis zur Menschlichkeit im Angesicht der Barbarei.

Im Hintergrund dieser Worte steht die unmittelbar bevorstehende Freilassung von Edan Alexander – einem israelisch-amerikanischen Soldaten, der seit 584 Tagen in der Gewalt der Hamas gefangen war. Gleichzeitig wird in diesen Tagen auch die Rückkehr der sterblichen Überreste von Zvi Feldman vorbereitet, einem Soldaten, der seit der Schlacht von Sultan Yacoub 1982 vermisst wurde. Zwei Männer, zwei Schicksale – und ein Staat, der sie nicht vergessen hat.

Währenddessen betritt Herzog gemeinsam mit Steinmeier einen Ort, der im kollektiven Gedächtnis der deutschen Schuld fest verankert ist: Gleis 17 am Bahnhof Grunewald. Von hier aus wurden Tausende Juden in die KonzentrationslagerShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen deportiert. Es ist ein stiller, kalter Ort – und zugleich eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Dass beide Präsidenten hier gemeinsam stehen, zeigt: Die deutsch-israelische Beziehung ist nicht nur Symbol, sondern Verpflichtung. Eine Verpflichtung, die nicht bei Lippenbekenntnissen stehen bleiben darf, sondern sich im Hier und Jetzt bewähren muss – gerade dann, wenn Israel erneut ums Überleben kämpft.

Frank-Walter Steinmeier wird Herzog anschließend nach Israel begleiten, wo ein Besuch im Kibbutz Be’eri ansteht – jenem Ort, der beim Massaker am 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen besonders schwer getroffen wurde. Hier wurden Familien ausgelöscht, Kinder ermordet, Leben zerstört. Es ist nicht irgendein Schauplatz, sondern ein offener Nerv der israelischen Seele. Und es ist ein wichtiges Zeichen, dass Deutschlands Präsident dorthin reist: um Zeugnis abzulegen, zuzuhören, und vielleicht auch um zu begreifen, dass israelische Sicherheit kein abstrakter Begriff ist, sondern eine existenzielle Notwendigkeit.

Für seine Verdienste um die Beziehungen zwischen den beiden Staaten wird Steinmeier in JerusalemJerusalem: Hauptstadt Israels und Herz jüdischer GeschichteJerusalem ist die Hauptstadt Israels und die größte Stadt des Landes. Für Juden ist sie seit Jahrtausenden religiöser und historischer Mittelpunkt. Zugleich ist Jerusalem auch für Christen und Muslime heilig und steht im Zentrum politischer Streitfragen.Mehr lesen die Präsidentenmedaille Israels erhalten – eine Ehre, die nicht nur ihm gilt, sondern auch der demokratischen Bundesrepublik Deutschland. Doch sie ist auch ein Prüfstein: Wer sie trägt, darf nicht schweigen, wenn Israel dämonisiert wird – nicht in Universitätsaulen, nicht auf deutschen Straßen, nicht auf internationalen Bühnen.

Israels Botschafter in Berlin, Ron Prosor, brachte es gegenüber der AFP auf den Punkt: „Deutschland bleibt Israels wichtigster Verbündeter in Europa. Auch wenn es schwer wird, bleibt die Beziehung stark und fair.“ Das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein täglicher Kraftakt – besonders angesichts eines wachsenden AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen, einer radikalen Rechten, die in Deutschland salonfähig geworden ist, und einer Linken, die den Terror der Hamas relativiert oder gar rechtfertigt.

In Berlin stehen sich an diesem Tag zwei Männer gegenüber, die wissen, was auf dem Spiel steht. Ihre Begegnung ist mehr als ein diplomatisches Ritual. Sie ist ein Versprechen. An die Geschichte. An die Wahrheit. Und an die, die zurückkehren – tot oder lebendig.




Autor: Redaktion
Montag, 12 Mai 2025

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