St. Pauli-Fans zwischen Solidarität und Diffamierung – Kritik an Netanyahu überschattet klare Botschaft für GeiselnSt. Pauli-Fans zwischen Solidarität und Diffamierung – Kritik an Netanyahu überschattet klare Botschaft für Geiseln
Die Fans des FC St. Pauli gelten seit Jahren als Freunde Israels. Beim jüngsten Bundesligaspiel setzten sie erneut Zeichen für die Freilassung der Geiseln – griffen jedoch zugleich Israels Premier und den Likud frontal an. Damit öffneten sie Tür und Tor für antiisraelische Vereinnahmung.

Screenshot X/ Instagram
Die Ultras von St. Pauli sind in Deutschland bekannt für klare politische Botschaften. Im Krieg gegen die HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen haben sie mehrfach Solidarität mit IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen und den verschleppten Geiseln gezeigt. Schon im vergangenen Jahr erinnerten sie mit Bannern an den ermordeten Hersch Goldberg-Polin, ein Opfer der Terroristen. Auch zuletzt hingen Transparente im Millerntorstadion, die zur Freilassung aller Geiseln aufriefen.
Doch diesmal war das Bild widersprüchlicher. Neben den Solidaritätsgesten tauchten Spruchbänder auf, die nicht nur Hamas attackierten („Fck Hamas“), sondern auch Israels Regierung direkt diffamierten: „Fck Likud“, „Netanyahu Faschist – stoppt das Töten von Zivilisten in Palästina“.
Gerade weil die Fanszene von St. Pauli traditionell als israelfreundlich gilt und enge Kontakte zu den Anhängern von Hapoel Tel Aviv pflegt, wiegen diese Botschaften schwer. Denn sie unterscheiden zwar zwischen dem Staat Israel und seiner Regierung – doch in der öffentlichen Wahrnehmung wird die Linie unscharf. In sozialen Netzwerken jubelten prompt pro-palästinensische Aktivisten: „Selbst die treuesten Freunde Israels sind jetzt anti-zionistischZionismus: Das Recht der Juden auf SelbstbestimmungZionismus bezeichnet die jüdische Nationalbewegung, die für die Rückkehr des jüdischen Volkes in seine historische Heimat und für jüdische Selbstbestimmung im Land Israel eintrat. Der moderne Zionismus entstand im 19. Jahrhundert als Antwort auf Antisemitismus, Verfolgung und Entrechtung.Mehr lesen.“ Andere nutzten die Spruchbänder, um erneut die alte PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen vom angeblichen „Völkermord“ Israels in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen zu verbreiten.

Die deutsche Presse versuchte, den Widerspruch zu erklären: Solidarität mit Israel und den Geiseln sei möglich, gleichzeitig aber Kritik an der Regierung Netanyahus. Doch die Frage bleibt: Wird auf diese Weise nicht genau jener Nährboden geschaffen, den die BDS-BewegungBDS: Boykottkampagne gegen IsraelBDS ist eine gegen Israel gerichtete Boykottkampagne. Der Deutsche Bundestag verurteilte die Bewegung 2019 als antisemitisch.Mehr lesen und Hamas-Propaganda gezielt ausnutzen? Wer Israels Premier als „Faschisten“ beschimpft, ohne zugleich die Massaker vom 7. Oktober7. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen klar zu benennen, spielt ungewollt denjenigen in die Hände, die Israel insgesamt delegitimieren wollen.
Dass St. Pauli-Fans für Menschenrechte eintreten, ist keine Neuigkeit. Doch wenn ausgerechnet sie Parolen tragen, die von antizionistischen Gruppen im Netz begeistert aufgegriffen werden, liegt darin ein gefährlicher Widerspruch. Was als Kritik an einer Regierung gemeint ist, gerät schnell zur Waffe gegen das ganze Land – und damit auch gegen jüdisches Leben in Europa.
Autor: Redaktion
Montag, 15 September 2025