All Eyes on Gaza: Berlin erwartet Massenprotest – erfahrungsgemäß mit Hassparolen

All Eyes on Gaza: Berlin erwartet Massenprotest – erfahrungsgemäß mit Hassparolen


Heute ziehen in Berlin Zehntausende unter dem Motto „All Eyes on Gaza“ auf die Straße. Doch die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt: Wo Gaza-Demos stattfinden, sind Hassparolen, Israelhass und antisemitische Hetze meist nicht weit.

All Eyes on Gaza: Berlin erwartet Massenprotest – erfahrungsgemäß mit Hassparolen
By Montecruz Foto - https://flic.kr/p/oEBBoo, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34823856

Berlin bereitet sich an diesem Samstag auf eine der größten pro-palästinensischen Demonstrationen der vergangenen Jahre vor. Unter dem Motto „All Eyes on GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen“ wollen nach Angaben der Veranstalter 30.000 Menschen in der Hauptstadt auf die Straße gehen. Ab 14:30 Uhr startet ein Protestzug vom Alexanderplatz, am Abend soll die Kundgebung am Großen Stern mit Konzerten und Redebeiträgen enden.

Die Organisatoren – ein Bündnis von mehr als 50 Gruppen, darunter die Palästinensische Gemeinde Deutschland, Medico International und Amnesty International – kündigen eine „breite Allianz für Frieden und Menschenrechte“ an. Auch jüdische Stimmen wie der Musiker Michael Barenboim sollen auf der Bühne zu Wort kommen. Doch hinter den bunten Parolen und der Vielfalt des Bündnisses steht eine Sorge, die in Berlin seit langem wächst: Wird diese Kundgebung ein Forum für legitime Kritik – oder ein Freibrief für Hass?

Sorge vor Eskalation

Die Polizei stellt sich auf ein Großaufgebot ein. Teile der Innenstadt, darunter die Straße des 17. Juni, die Yitzhak-Rabin-Straße und der Große Stern, wurden schon seit Freitag gesperrt. Offiziell soll das der Sicherheit dienen. Doch nicht nur der Verkehr ist betroffen. Auch die jüdische Gemeinschaft blickt mit Angst auf das Wochenende. Immer wieder waren Gaza-Demos in Berlin Schauplatz von antisemitischen Parolen, IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen-Flaggen wurden verbrannt, und Symbole von Terrororganisationen wie HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen und HisbollahHisbollah: Irans Terrorarmee im LibanonDie Hisbollah ist eine schiitisch islamistische Organisation im Libanon. Sie wurde in den frühen 1980er Jahren mit Unterstützung des Iran aufgebaut, verfügt über eine politische und militärische Struktur und wird von den USA, Israel und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen tauchten im Protestumfeld auf.

In der Vergangenheit ist es bei ähnlichen Kundgebungen in Berlin jedoch immer wieder zu Vorfällen gekommen, die weit über politische Kritik hinausgingen: Slogans wie „From the river to the seaFrom the river to the sea: Die Parole gegen Israels Existenz„From the river to the sea“ bezeichnet das Gebiet vom Jordan bis zum Mittelmeer. In antiisraelischen Kontexten wird die Parole häufig als Forderung nach einem Palästina anstelle Israels verstanden.Mehr lesen“, das Abbrennen von Israelflaggen oder offene Sympathiebekundungen für Hamas und Hisbollah gehörten wiederholt zum Straßenbild.

„Es geht längst nicht mehr nur um Kritik an einer Regierung“, sagt ein Vertreter einer Berliner Synagoge. „Viele dieser Demonstrationen bestreiten offen das Existenzrecht IsraelsExistenzrecht Israels: Das Recht des jüdischen Staates auf SicherheitDas Existenzrecht Israels bezeichnet das Recht des jüdischen Staates, als souveräner Staat sicher und anerkannt zu bestehen. Wer Israel dieses Recht abspricht, kritisiert nicht nur eine Regierung, sondern stellt jüdische Selbstbestimmung grundsätzlich infrage.Mehr lesen. Wer dort mitläuft, darf nicht so tun, als ginge es nur um Frieden.“

Der schmale Grat zwischen Kritik und HetzeVolksverhetzung: Wenn Hass strafbar wirdVolksverhetzung ist eine Straftat nach § 130 StGB. Gemeint sind unter anderem Hassaufrufe, Gewaltforderungen oder menschenwürdeverletzende Hetze gegen nationale, religiöse, ethnische oder andere geschützte Gruppen.Mehr lesen

Die Veranstalter der heutigen Demo betonen in ihrem Aufruf, man verurteile alle Kriegsverbrechen, ob israelische oder palästinensische. Doch zugleich richtet sich die „Hauptkritik an die israelische Regierung und ihre Unterstützer“. Gefordert wird ein sofortiger Stopp aller deutschen Waffenlieferungen. Diese Formulierungen sind politisch geschickt gewählt – sie suggerieren Ausgewogenheit, zielen aber einseitig auf Israel.

Beobachter verweisen darauf, dass genau diese Verschiebung der Begriffe gefährlich ist. Wer von „Menschenrechten“ spricht, gleichzeitig aber die Massaker der Hamas am 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen verschweigt, öffnet Tür und Tor für eine Verdrehung der Realität. Für viele Juden in Berlin bedeutet das: Ihr Sicherheitsgefühl schwindet weiter. Schon jetzt raten Schulen jüdischen Kindern, keine sichtbaren religiösen Symbole mehr zu tragen.

Politische Unterstützung aus der Linken

Neben palästinensischen Organisationen ruft auch die Partei Die Linke zur Teilnahme auf. Sie spricht von einem „Zeichen der Solidarität mit Gaza“ und betont die Forderung nach einem Waffenstillstand. Kritiker sehen darin eine fatale Symbolik: Wenn deutsche Parteien Seite an Seite mit Gruppen marschieren, die Israels Existenz infrage stellen, verschwimmen die Grenzen zwischen legitimer Kritik und stiller Duldung von IsraelhassAnti-Zionismus: Wenn Israelhass als Politik getarnt wirdAnti-Zionismus bezeichnet die Ablehnung des Zionismus und damit häufig die Ablehnung jüdischer Selbstbestimmung im Staat Israel. Nicht jede Kritik an israelischer Politik ist antisemitisch. Anti-Zionismus wird jedoch dort antisemitisch, wo Israel delegitimiert, dämonisiert oder mit doppelten Maßstäben behandelt wird.Mehr lesen.

Dass Künstler wie KIZ, Ski Aggu oder Pashanim auf der Bühne auftreten sollen, verleiht der Veranstaltung zusätzlich Popkultur-Charakter. Gerade das macht sie attraktiv für Jugendliche, die nicht unbedingt politisch gefestigt sind – und erhöht die Gefahr, dass antisemitische Botschaften in einem Mantel von „Kultur“ normalisiert werden.

Eine Frage der Verantwortung

Für Berlin ist diese Demonstration ein Testfall. Gelingt es, den Protest friedlich und ohne Hetze zu gestalten? Oder wird die Hauptstadt erneut Bilder liefern, die zeigen, wie offen Israelhass und JudenhassAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen auf deutschen Straßen artikuliert werden darf?

Die jüdische Gemeinschaft erwartet klare Grenzen: Wer Parolen ruft, die Israels Vernichtung fordern, muss strafrechtlich verfolgt werden. Wer Terrororganisationen verherrlicht, darf keine Bühne bekommen. Alles andere wäre ein Signal der Schwäche – und eine Bestätigung für jene, die glauben, dass Antisemitismus in Deutschland wieder sagbar geworden ist.

Die Kundgebung „All Eyes on Gaza“ wird zehntausende Menschen mobilisieren, Straßen lahmlegen und Schlagzeilen produzieren. Doch die eigentliche Frage lautet: Wird sie ein Forum für Frieden – oder für Hass? In einem Land, das aus seiner Geschichte besondere Verantwortung trägt, ist diese Frage nicht nebensächlich, sondern zentral.




Autor: Redaktion
Samstag, 27 September 2025

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