Deutschland kippt – wenn Hamas die Zahlen liefert und Israel die Schuld bekommtDeutschland kippt – wenn Hamas die Zahlen liefert und Israel die Schuld bekommt
Fast zwei Jahre nach dem 7. Oktober, dem schlimmsten Massaker an Juden seit der Schoa, wächst in Deutschland die Kritik an Israels Verteidigungskrieg. Eine Mehrheit vertraut den Totenstatistiken der Hamas und fordert Sanktionen gegen Israel – während die Geiseln in Gaza fast vergessen scheinen.

Symbolbild
Am 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen ermordeten HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Terroristen mehr als 1.200 Menschen in IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen, verschleppten 250 Geiseln, darunter Kinder, Frauen, Greise. Es war eine Blutorgie, deren Bilder die Welt erschütterten. Heute, fast zwei Jahre später, scheint Deutschland diese Realität zunehmend zu verdrängen.
Statt den Terror und seine Opfer ins Zentrum zu stellen, prägt eine neue „Wahrheit“ die öffentliche Meinung: die von der Hamas verbreiteten Todeszahlen. Die von der Terrororganisation kontrollierte Gesundheitsbehörde in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen spricht von über 62.000 Toten. Niemand kann diese Zahl unabhängig überprüfen, niemand kann trennen zwischen Terroristen und Zivilisten – und doch wird sie von deutschen Medien und Politikern wie ein amtlicher Befund zitiert.
Das Ergebnis: Laut ARD-DeutschlandTrend halten nur noch 15 Prozent der Deutschen Israels militärische Reaktion für angemessen. Ganze 63 Prozent meinen, Israel gehe „zu weit“. Eine Mehrheit von 55 Prozent befürwortet sogar Sanktionen – den Stopp von Handels- und Zollerleichterungen.
Man muss sich das klarmachen: Während Hamas-Geiseln seit 724 Tagen in Kellern vegetieren, während israelische Familien zwischen Hoffnung und Verzweiflung leben, diskutiert Deutschland ernsthaft, ob man dem jüdischen Staat wirtschaftlich die Daumenschrauben anlegen soll.
Die Scheinheiligkeit der deutschen Debatte
Noch im Jahr 2008 sprach Angela Merkel in der Knesset: Israels SicherheitStaatsräson: Bedeutung und Israels SicherheitStaatsräson meint ein grundlegendes Staatsinteresse, das als besonders wichtig für Bestand, Sicherheit oder Verantwortung eines Staates gilt. In Deutschland wird der Begriff häufig mit der Sicherheit Israels verbunden.Mehr lesen sei Teil deutscher Staatsräson. Heute zeigt sich, wie schnell Worte erodieren. SPD-Politiker signalisieren Zustimmung zu EU-Sanktionsplänen, die Bundesregierung zögert, die Union duckt sich weg. Nur ein Fünftel der Bevölkerung lehnt Sanktionen klar ab.
Zugleich feiern deutsche Medien die Anerkennung Palästinas durch Spanien, Belgien oder Frankreich als „Schritt zum Frieden“. Dass dieser „Staat“ von der Hamas, einer islamistischen Terrorsekte, in Gaza kontrolliert wird – die auf jedem Kindergeburtstag Waffen versteckt und ganze Straßenzüge in Geiselhaft nimmt – wird kaum noch erwähnt.
Wer heute Palästina anerkennt, legitimiert nicht Freiheit und Demokratie, sondern stärkt jene Kräfte, die den 7. Oktober als „Widerstand“ verklären.
Antisemitismus – das verdrängte Problem
Parallel wächst in Deutschland der AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen. 40 Prozent der Befragten finden, die Anstrengungen dagegen gingen nicht weit genug. Zugleich gehen Woche für Woche pro-palästinensische Demonstranten auf deutsche Straßen, rufen „From the river to the seaFrom the river to the sea: Die Parole gegen Israels Existenz„From the river to the sea“ bezeichnet das Gebiet vom Jordan bis zum Mittelmeer. In antiisraelischen Kontexten wird die Parole häufig als Forderung nach einem Palästina anstelle Israels verstanden.Mehr lesen“ – die Parole zur Vernichtung Israels – und tarnen das als „Solidarität“.
Hier zeigt sich die ganze Schizophrenie: Während Synagogen Polizeischutz brauchen und jüdische Schüler sich nicht trauen, eine Kippa zu tragen, diskutiert Deutschland über einen Ausschluss Israels vom Eurovision Song Contest oder gar von Fußballturnieren. Immerhin lehnt eine Mehrheit das ab. Aber die Tatsache, dass ein Viertel der Befragten dafür ist, zeigt: Die Brandmauer bröckelt.
Ein gefährlicher Dammbruch
Israel kämpft nicht, weil es „aggressiv“ sein will, sondern weil es existieren muss. Wer das nicht begreift, hat aus der Geschichte nichts gelernt. Jeder, der heute Sanktionen gegen Israel fordert, liefert Argumente in die Hände jener, die die Juden wieder entrechten wollen – diesmal nicht mit Boykott-Aufklebern an Schaufenstern, sondern mit diplomatischen Papieren aus Brüssel.
Die deutschen Zahlen sind alarmierend. Nicht, weil sie nur Stimmungen messen. Sondern weil sie die Richtung zeigen: Weg von Empathie für die Opfer, hin zu SchuldumkehrTäter-Opfer-Umkehr: Wenn Schuld gezielt verdreht wirdTäter-Opfer-Umkehr bezeichnet die Verdrehung von Verantwortung: Täter werden entlastet, Opfer beschuldigt oder moralisch auf die Seite der Täter gerückt. Im Antisemitismus zeigt sich dieses Muster besonders bei Holocaust-Relativierung, Israelhass und der Rechtfertigung von Gewalt gegen Juden oder Israelis.Mehr lesen. Israel wird zum Täter stilisiert, Hamas wird implizit entlastet.
Es gibt eine einfache Wahrheit: Ohne Hamas gäbe es keinen Krieg in Gaza. Ohne das Massaker vom 7. Oktober gäbe es keine Militäroperationen. Doch diese Wahrheit verschwindet in Deutschland zunehmend hinter Umfragen, Zahlen und moralischen Nebelkerzen.
Deutschland muss sich entscheiden: Bleibt es an der Seite Israels, so wie es die eigene Geschichte verpflichtet? Oder folgt es dem Druck von Straßenparolen und Hamas-PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen?
Die Antwort auf diese Frage entscheidet nicht nur über die deutsch-israelischen Beziehungen, sondern auch darüber, ob Deutschland noch ernsthaft Antisemitismus bekämpfen will – oder ob es ihn unter dem Etikett „Israel-Kritik“ salonfähig macht.
Autor: Redaktion
Sonntag, 05 Oktober 2025