Linke gegen Linke – wie Israelfeindlichkeit zur innerparteilichen Waffe wirdLinke gegen Linke – wie Israelfeindlichkeit zur innerparteilichen Waffe wird
Im Jugendverband der Partei „Die Linke“ eskaliert der Streit über Israel in offene Feindseligkeit. Mitglieder, die sich nicht klar genug gegen den jüdischen Staat positionieren, werden bedroht, ausgegrenzt und öffentlich an den Pranger gestellt. Die Partei steht vor einem moralischen und politischen Abgrund.

Von SK49 - Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16525272
Was sich am Wochenende beim Bundeskongress der Linksjugend [’solid] ereignete, markiert einen neuen Tiefpunkt: Mehrere Teilnehmer verließen die Veranstaltung vorzeitig – aus Angst vor Übergriffen durch radikalisierte Genossen. Wer sich in der Vergangenheit für Israels ExistenzrechtExistenzrecht Israels: Das Recht des jüdischen Staates auf SicherheitDas Existenzrecht Israels bezeichnet das Recht des jüdischen Staates, als souveräner Staat sicher und anerkannt zu bestehen. Wer Israel dieses Recht abspricht, kritisiert nicht nur eine Regierung, sondern stellt jüdische Selbstbestimmung grundsätzlich infrage.Mehr lesen oder die Zwei-Staaten-Lösung ausgesprochen hatte, wurde angefeindet und bedroht.
Ein Delegierter berichtete von „Psychoterror aus den eigenen Reihen“. Es geht längst nicht mehr um Debatten, sondern um Einschüchterung – eine Säuberungskampagne gegen vermeintlich ‚zionistische‘ Mitglieder.
Die Radikalisierung der Partei
Seit dem Waffenstillstand in GazaPalästina: Geschichte, Bedeutung und politischer Streit um einen aufgeladenen BegriffPalästina bezeichnet historisch eine Region im südlichen Levantegebiet und politisch heute vor allem den Anspruch auf palästinensische Staatlichkeit. Der Begriff ist eng mit jüdischer Geschichte, dem britischen Mandat, Israel und dem Nahostkonflikt verbunden.Mehr lesen scheinen extreme Strömungen innerhalb der Linken ihre Stunde gekommen zu sehen. In internen Chatgruppen kursieren Aufrufe, Mitglieder, die „nicht konsequent gegen IsraelIsrael: Der jüdische Staat im Herzen des Nahen OstensIsrael ist ein demokratischer Staat im Nahen Osten und der Nationalstaat des jüdischen Volkes. Er wurde am 14. Mai 1948 gegründet, seine Hauptstadt ist Jerusalem, die Knesset hat 120 Abgeordnete. Zum Unabhängigkeitstag 2026 hatte Israel rund 10,244 Millionen Einwohner.Mehr lesen“ aufgetreten seien, aus der Partei zu drängen. Namen werden genannt, Ausschlüsse gefordert, Feindbilder gepflegt.
Besonders aktiv ist eine Gruppe rund um den Aktivisten Ramsis Kilani – einen Mann, der den HamasHamas: Terrororganisation aus GazaHamas ist eine islamistische palästinensische Terrororganisation. Sie entstand 1987 aus dem Umfeld der Muslimbruderschaft, lehnt Israels Existenz ab und wird von Israel, den USA, der EU und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft.Mehr lesen-Terror vom 7. Oktober 20237. Oktober 2023: Das Hamas-Massaker, das Israel veränderteDer 7. Oktober 2023 war der Tag des Hamas-Massakers in Israel. Terroristen aus Gaza ermordeten etwa 1.200 Menschen, vor allem Zivilisten, und verschleppten mehr als 240 Geiseln in den Gazastreifen.Mehr lesen als „legitime Selbstverteidigung mit allen Mitteln“ bezeichnete und die Frage aufwarf, „ob Israelis überhaupt Zivilisten seien“. Seine Aussagen führten zu einem Parteiausschlussverfahren, über dessen Aufhebung die Bundesschiedskommission am 22. November entscheiden soll.
Parteiintern gilt die Abstimmung als Lackmustest: Gibt die Linke dem Druck des radikalen Flügels nach, ist die moralische Erosion kaum noch aufzuhalten.
Einmarsch der Extremisten
Obwohl Kilani offiziell ausgeschlossen wurde, durfte er im September auf der parteinahen Großdemonstration „Zusammen für Gaza“ sprechen – Seite an Seite mit bekannten Israelhassern. Die trotzkistische Splittergruppe, der er angehört, rühmte sich anschließend, die Veranstaltung „unterlaufen“ zu haben: Man habe die Bewegung „übernommen“ und der Parteiführung „die Kontrolle entzogen“.
Das ist kein Randphänomen mehr. Beim jüngsten Kongress der Jugendorganisation wurde sogar ein offizieller Beschluss verabschiedet, der Israel als „kolonialen und rassistischen Staat“ bezeichnet – eine Formulierung, die sich nahtlos in die PropagandaDesinformation: Gezielte Täuschung der ÖffentlichkeitDesinformation bezeichnet bewusst verbreitete falsche oder irreführende Informationen. Ziel ist häufig, Menschen zu täuschen, Vertrauen zu zerstören, Konflikte zu verschärfen oder politische Entscheidungen zu beeinflussen.Mehr lesen antizionistischer Gruppen einreiht.
Angst, Abkehr und Entsetzen
Innerhalb der Mutterpartei herrscht Entsetzen. Immer mehr Mandatsträger und Mitglieder ziehen Konsequenzen. In Berlin und Sachsen-Anhalt traten bereits mehrere Abgeordnete aus, darunter prominente Linke wie Klaus Lederer und Henriette Quade.
Ein Bundestagsabgeordneter sagt offen:
„Wenn Kilani wieder aufgenommen wird, ist das Maß des Erträglichen überschritten.“
Selbst erfahrene Parteifunktionäre sprechen inzwischen von einer inneren Zersetzung: Die Linke verliere jene, die für soziale Gerechtigkeit und Frieden stehen – und ziehe stattdessen Fanatiker an, die den jüdischen Staat als Wurzel allen Übels betrachten.
„Israelhassender Antiimperialismus“
Benjamin-Immanuel Hoff, langjähriger Thüringer Staatskanzleichef und Beauftragter für jüdisches Leben, verurteilte die Beschlüsse des Jugendverbands als „israelhassenden Antiimperialismus“. Das Ziel sei nicht Frieden, sondern die Dämonisierung Israels.
Dennoch wurde in den neuen Sprecherinnenrat des Jugendverbands Martha Chiara Wüthrich gewählt – gegen die ein Parteiausschlussverfahren läuft, weil sie im Netz schrieb, in Gaza finde „der HolocaustShoah: Der nationalsozialistische Mord an sechs Millionen JudenShoah ist der hebräische Begriff für die Katastrophe der Vernichtung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland und seine Helfer. Rund sechs Millionen Juden wurden ermordet.Mehr lesen“ statt.
Damit wird klar: In Teilen der Linken gilt der Holocaust-Vergleich nicht mehr als Tabubruch, sondern als Ausweis moralischer Haltung.
Eine Partei am Scheideweg
Was früher als Friedenspartei galt, droht zu einem Sammelbecken des israelbezogenen AntisemitismusAntisemitismus: Judenhass in alten und neuen FormenAntisemitismus bezeichnet Judenhass und Feindschaft gegen Juden. Er reicht von Vorurteilen und Verschwörungserzählungen bis zu Ausgrenzung, Bedrohung und Gewalt.Mehr lesen zu verkommen. Die „Linksjugend [’solid]“ radikalisiert sich sichtbar – und die Mutterpartei wirkt ohnmächtig oder gleichgültig.
Die eigentliche Tragödie: Es sind nicht Neonazis, die jüdisches Leben delegitimieren, sondern jene, die einst vorgaben, die Fehler der Geschichte zu kennen.
Wenn sich dieser Trend fortsetzt, wird „Die Linke“ nicht nur politisch, sondern auch moralisch an sich selbst zerbrechen.
Autor: Redaktion
Mittwoch, 05 November 2025